Norbert Johannimloh (90) lebt und arbeitet seit 1970 in Wolbeck
Aus der Stille erwachten die Worte

Münster-Wolbeck -

Im Januar feierte der Schriftsteller und Maler Norbert Johannimloh seinen 90. Geburtstag. Besonders durch Romane und niederdeutsche Lyrik ist er in Erscheinung getreten, aber auch als Redakteur und Hörspielautor. Seit 1970 lebt er in Wolbeck.

Samstag, 14.03.2020, 10:42 Uhr aktualisiert: 14.03.2020, 12:11 Uhr
Schriftsteller, Autor, Hörspielmacher, Redakteur, Lyriker (auch in niederdeutscher Sprache) und Maler: Zu den bekanntesten Büchern des 90-jährigen Norbert Johannimloh gehören „Appelbaumchausee“ und „Roggenkämper macht Geschichten“.
Schriftsteller, Autor, Hörspielmacher, Redakteur, Lyriker (auch in niederdeutscher Sprache) und Maler: Zu den bekanntesten Büchern des 90-jährigen Norbert Johannimloh gehören „Appelbaumchausee“ und „Roggenkämper macht Geschichten“. Foto: Dr. Claudia Maria Korsmeier

„Mitelf Jahren hatte ich schon versucht, ein Gedicht zu schreiben“, sagt der heute 90-jährige Schriftsteller, Hörspielautor und Maler Norbert Johannimloh im Gespräch mit dieser Zeitung. „Den Gedichtentwurf von 1941 habe ich zum Teil noch heute im Kopf.“

Beruflich angefangen mit der Lyrik hat der gebürtige Verler, der seit 1970 in Wolbeck wohnt, erst mit 30 Jahren. „Literatur kannte ich nur im Hochdeutschen und das gefiel mir nicht, weil so viel an Mustern durchschimmerte – vielleicht auch wegen meiner Studienassessor-Arbeit über Gottfried Benn .“

Plötzlich kam ihm die Idee, auf Plattdeutsch zu schreiben. „Das war ja die Muttersprache im Elternhaus.“

Aber was zeichnet Platt gegenüber dem Hochdeutschen aus? „Beim Plattdeutschen steht man fester auf dem Boden. Alles ist solider. Man hantiert nicht in abstrakten sphärischen Naturbeobachtungen“, sagt der Sohn eines Maurers, bei dem die Sprache es schwer hatte. „Meine Eltern hatten kaum Bücher. Es war ein sehr schweigsames Elternhaus. Nur das Notwendigste für den alltäglichen Ablauf, wurde besprochen, sonst herrschte große Stille. Meine Befreiung mich ausdrücken zu können, fand ich dann im Schreiben.“ Daraus ist bei Norbert Johannimloh eine wahre Liebe zur Sprache im Literarischen und Lyrischen erwachsen.

In Münster studierte er Germanistik, Kunstgeschichte und Altphilologie. „Ich wohnte in einer Bude an der Kreuzstraße, wo heute die Himmel-Hölle-Bar ist. Meine Bude hatte fürchterliche Tapeten. Da habe ich meine ersten Bilder gemalt. Auf die Wände.“ Seine erste öffentliche Ausstellung feierte er jedoch erst im Alter von 80 Jahren im Tibus-Stift bei einer Feier der Augustin-Wibbelt-Gesellschaft.

Was ist der Vorteil der Malerei gegenüber der Literatur? „Man kann die Dinge mehr gestalten, während bei der Literatur ja immer noch die Kontrolle des Kopfes dabei ist. Beim Malen kann mal einfach die Hand wirken lassen – ganz frei.“

An das Kriegsende vor 75 Jahren kann sich Norbert Johannimloh gut erinnern. Zwei Brüder waren im Krieg geblieben, 1945 gehörte der damals 15-Jährige zu einer Nachtwache: „Ich musste mit zwei Opas die Nachbarschaft vor plündernden Polen und Russen schützen. Mit einem Knüppel in der Hand.“ Ihm kam aber eine bessere Idee: „Von meinem Miele-Leichtmotorrad baute ich den Balg der Tröte ab. Wenn ich rein blies, entstand ein lauter, unangenehmer Ton, der durch die Nacht weit schalte, wie eine Sirene, bis die englische Militärkommandatur reagierte. So verhinderte ich auch, das Plünderer ins Nachbarhaus einbrechen konnten.“

Norbert Johannimloh erinnert sich nicht nur an die großen Bombenkrater: „In den kleinen Trichtern daneben haben wir Kinder gespielt und rumgestochert auf der Suche nach dem größten Splitter, bis man uns sagte dass da Blindgänger lägen, die jeden Augenblick explodieren konnten. Wir waren ja völlig ahnungslos.“

Spannend ist auch das „Doppelleben“ seines Vaters Wenn der Maurer von der Arbeit kam, waren die Manchesterhosen mit Zement bespritzt. Sonntags wechselte er in einen feinen Zwirn. Als sogenannter Kirchenschweizer in Verl. „Er flanierte sehr imposant mit rotem Purpurmantel nebst rotem Hut. Damals waren die Kirchen im Gegensatz zu heute zu voll. In den Kindermessen durften keine Erwachsenen in die Bänke, sonst schritt der Kirchenschweizer ein und rüffelte mit seinem Holzstab.“

Oft wird dem langjährigen Redakteur der Zeitschrift „Westfalenspiegel“ die Frage gestellt, wie autobiografisch seine Romane „Appelbaumchausee“ und „Roggenkämper macht Geschichten“ sind. „Da ist sehr viel von meinem Leben drin“, antwortet er, „aber auch Fantasie. Bei Roggenkämper habe ich den Tod meines Vaters miteinbezogen“.

Norbert Johannimloh war von 1962 bis 1972 Studienrat am Schlaun. 1972 wechselte er als Oberrat an die Pädagogischen Hochschule Münster, betreute später als Studiendirektor an der Uni Münster die Niederdeutsche Literatur. Für seine niederdeutschen Verdienste gab es 1969 den Rottendorf-Preis.

Nach Wolbeck zog er 1970. „Wir bekamen zwei Kinder. Da wurde uns die Etagenwohnung in Münster zu klein. Den Wunsch, ein eigenes Haus zu bauen, konnten wir im damaligen Amt Wolbeck auch finanziell sehr gut erfüllen. Man kann in Wolbeck gut leben. Ich war früher immer viel mit dem Rad und zu Fuß unterwegs.“

Als bei Albersloh ein großer Flugplatz entstehen sollte, machte Johannimloh ein WDR-Hörspiel: „Nur mit Originaltönen, die ich mit meinem Tonbandgerät eingesammelt habe. Es gab kein Skript.“

Johannimlohs Werke lohnen auch 2020. Er ist ein genauer Beobachter der Menschen in der Region. Wer sich einen guten Überblick verschaffen will: Prof. Walter Gödden, Geschäftsführer der Literaturkommission für Westfalen, hat jetzt im Aisthesis- Verlag das „Norbert-Johannimloh-Lesebuch“ herausgegeben.

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