„Netz kleiner Hilfen“ ist überfordert – Sprecherin ruft junge Wolbecker zu Engagement auf
„Nachbarschaftshilfe ist jetzt gefragt“

Münster-Wolbeck -

Mehr denn je sind im Angesicht von Corona Solidarität und Hilfsbereitschaft gefragt

Montag, 16.03.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 17:41 Uhr
Jüngere Menschen könnten Älteren durch Einkäufe helfen.
Jüngere Menschen könnten Älteren durch Einkäufe helfen. Foto: Wodicka

Entlastung beim Einkaufen und Unterstützung bei Arztbesuchen und Behördengängen – dies alles gehört zum „Kerngeschäft“ des „Netzes kleiner Hilfen“. Wie sieht das Angebot der Initiative angesichts der wachsenden Gefahren durch das Coronavirus aus? „Die meisten unserer Aktiven sind selbst schon älter“, erklärt Barbara Hoebink-Johann vom auf Anfrage unserer Zeitung. „Mit dem steigenden Bedarf an Unterstützung wäre unsere Initiative völlig überfordert. Und das ist auch nicht unsere Aufgabe.“ Statt dessen appelliert die Wolbeckerin an alle – jüngeren – Mitbürger, Hilfe zu leisten. Diese sei „dringend notwendig“.

Das „Netz kleiner Hilfen“ ist eine Initiative in Trägerschaft der Caritas der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus Münster. Sie kooperiert mit der örtlichen Awo , der Caritas sowie der Diakonie Münster, der evangelischen Kirchengemeinde und der Kolpingsfamilie Wolbeck. „Natürlich sind wir auch weiterhin tätig“, so „Netz“-Mitglied Hoebink-Johann. Vor allem sei man nach wie vor in Sachen Beratung aktiv, etwa wenn es um Taxischeine und ähnliches gehe.

Angesichts der Corona-Problematik sieht die engagierte Apothekerin im Ruhestand nun alle Mitbürger in der Pflicht. „Vor allem jüngere Menschen sollten Ältere dabei unterstützen, das Virus zu meiden“, betont Hoebink-Johann. Wie wichtig dies sei, hat sie von einer engen Freundin aus Bergamo erfahren. „Sie hat mir geschrieben, dass die Situation in den Kliniken dort dramatisch ist“, so die Wolbeckerin. Da Krankenhausbesuche verboten sind, stürben die Menschen allein. „Meine Freundin berichtet, dass die Zeitungen inzwischen täglich zehn, statt drei Seiten Todesanzeigen veröffentlichen“, so Hoebink-Johann. Und es seien nicht allein ältere Menschen betroffen.

Wichtig sei, in Deutschland die Ansteckungswelle zu verlangsamen. Ältere sollten daher zurzeit soziale Kontakte und Menschenansammlungen meiden. Dazu gehöre auch der Aufenthalt in Geschäften. Junge Menschen könnten hier sehr segensreich wirken. und Einkäufe oder sonstige Aufgaben übernehmen.

Auch jüngere Mitglieder von Vereinen oder auch der Bruderschaften seien gefragt. „Die Wolbecker waren schon immer stark, was Solidarität angeht“, lobt Johann-Hoebink und erinnert etwa an die historische Bedeutung der Achatius-Bruderschaft: „Dort gehörte das Engagement für Kranke stets zum Programm.“ Insgesamt ergäben sich bei den Gesunden vielfach täglich ganz neue Zeit-Kapazitäten, da mehr und mehr soziale Termine und Aktivitäten gestrichen würden.

Aber nicht nur Ältere, auch Jüngere sollten nicht-notwendige soziale Kontakte meiden. Dass es Schüler gebe, die im privaten Raum Partys feiern, kann sie nicht nachvollziehen. Dadurch könne sich das Virus schnell weiter verbreiten und das sei „verantwortungslos den Alten und Schwachen gegenüber“, kritisiert Hoebink-Johann. Hier seien Eltern gefragt, Überzeugungsarbeit zu leisten. Auch auf dem Gebiet der Information sei noch einiges zu tun, so die Wolbeckerin. So habe sie bereits mehrfach aktuelle Informationen an einige Migrantenfamilien im Ort weiter gegeben. Viele von diesen könnten die Informationsflut in teilweise fremder Sprache nicht einordnen.

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