Auch die Geflüchteten in den städtischen Unterkünften leiden unter den Folgen der Corona-Krise
Am schlimmsten ist die Langeweile

Münster-Südost -

Wie alle anderen Menschen leiden auch Geflüchtete zurzeit unter den Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen. Allerdings kommen einige Dinge erschwerend hinzu.

Montag, 11.05.2020, 18:03 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 18:16 Uhr
Sozialarbeiter Matthias Wemer (r.) berät einen irakischen Flüchtling hinter der Plexiglasscheibe im Büro.
Sozialarbeiter Matthias Wemer (r.) berät einen irakischen Flüchtling hinter der Plexiglasscheibe im Büro. Foto: isa

„Wann ist das alles vorbei?“ – Dies ist die Frage, die Matthias Wemer zurzeit am häufigsten hört. Er ist Sozialarbeiter bei der Stadt Münster und betreut Flüchtlinge in den beiden Unterkünften in Wolbeck und Angelmodde. „Genau diese Frage aber kann ich auch nicht beantworten“, bedauert der 26-Jährige. Es sei nicht leicht zu erklären, dass auch er „von Woche zu Woche“ lebe und neue Informationen über das Virus nur nach und nach an die Öffentlichkeit gelangten.

Wie alle anderen Menschen leiden auch die Geflüchteten zurzeit unter den Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen. Zwei Probleme kommen bei ihnen jedoch erschwerend hinzu. Erstens leben viele in beengten Verhältnissen und zweitens verstehen sie wegen der Sprachbarrieren nicht alle Regeln auf Anhieb.

Was die Unterbringungsdichte angeht, sei man in Münsters Südosten gut aufgestellt, erklärt Wemer. Die Einrichtung am Tönskamp in Wolbeck sei für 50 Personen ausgelegt, es lebten dort zurzeit aber nur 30 Menschen. „Alle sechs Familien bewohnen zum Glück jeweils separate Räumlichkeiten mit eigenem Bad und eigener Küche“, so der Sozialarbeiter.

Ähnlich entzerrt sei die Situation an der Heidestraße in Angelmodde. Auch die dortige Unterkunft, die für 75 Personen ausgelegt ist, wird zurzeit nur von 60 Menschen genutzt. Die Ansteckungsgefahr bewege sich daher im normalen Rahmen eines Mehrfamilienhauses.

Problematischer sei das Sprachproblem. „Natürlich haben wir den Bewohnern und Bewohnerinnen die wichtigsten Corona-Regeln mitgeteilt“, erklärt Wemer. Versammlungsverbot, Maskenpflicht beim Einkaufen, Wegfall von Kita und Schule – all diese Dinge sind vom Sozialamt Münster in verschiedenen Sprachen auf Infoblättern zusammengestellt worden. In Wolbeck etwa wurden sie dann auf Arabisch, Kurdisch, Englisch, Persisch und auf Urdu, die Sprache Pakistans, übersetzt und verteilt. Im Alltag hätten sich daraus natürlich zahlreiche Fragen ergeben, so Wemer. „Die versuche ich telefonisch, mobil und per WhatsApp zu beantworten“, erklärt er. Dazu kommen feste Sprechstunden, die zurzeit mit Gesichtsmasken abgehalten werden. „Oft übersetzen die Kinder, die innerhalb der Familien meist am besten Deutsch sprechen“, erklärt der Sozialarbeiter.

Insgesamt lobt Wemer die Bewohner: „Die meisten halten sich an die Regeln, vermeiden Besuche untereinander und treffen sich nur im Freien und auf Abstand.“ Das Hauptproblem teilen die Geflüchteten mit vielen deutschstämmigen Familien: „Die Kinder langweilen sich allmählich furchtbar.“ Vor allem sehne man daher die allgemeine Öffnung von Schulen und Kitas herbei.

 

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