Das Baugebiet Am Steintor und die geplante Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn
Die WLE und die Mauer

Münster-Wolbeck -

Wenn die vier Meter hohe Mauer an der Straße Am Steintor ein effektiver Lärmschutz darstellt – warum wird dann nur an der Straße Am Steintor eine Mauer gebaut? Die Westfälische Landeseisenbahn nennt dafür mehrere Gründe.

Montag, 20.07.2020, 18:04 Uhr

Wer die übermannshohe Metallkonstruktion an der Straße Am Steintor sieht, erschrickt zunächst. An einigen Stellen ist die Lärmschutzwand bis zu vier Meter hoch. Zwar sollen Kletterpflanzen die Optik mit der Zeit verbessern, trotzdem sorgt die wuchtige Mauer für Diskussionen, besonders unter den Gegnern der WLE-Reaktivierung.

Denn es drängt sich eine Frage auf: Wenn der Schienenverkehr in Zukunft wirklich so laut ist, dass eine vier Meter hohe Abschirmung zur Wohnbebauung notwendig wird – warum wird dann nur an der Straße Am Steintor eine solche Mauer gebaut?

Um diese Frage zu beantworten, muss man etwas ausholen. Das Baugebiet Petersheide/Am Steintor wird von einem Privatinvestor entwickelt. Der muss sich jedoch an die Vorgaben der Stadt Münster halten, die im Bebauungsplan geregelt sind. Und der Bebauungsplan schreibt eine rund 500 Meter lange Lärmschutzwand vor.

Bei einer bereits bestehenden Bebauung gelten dagegen andere Vorschriften. Eine Teilantwort lautet also: An der Straße Am Steintor wurde eine hohe Mauer errichtet, weil dort ein anderes Rechtsverhältnis als entlang der restlichen Bahnstrecke vorliegt. Oder anders: Andere Voraussetzungen, andere Lärmschutz-Gutachten. Johann Urban von der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) bestätigt: „Wir haben ein anderes Gutachten als die Stadt Münster und müssen andere Lärmschutzwerte einhalten.“

Eine eher unbefriedigende Antwort. Also geht die Spurensuche weiter. Und tatsächlich gibt es einen weiteren Grund, warum an dieser Stelle eine Mauer notwendig ist und woanders offenbar nicht: Die Straße Am Steintor ist eine Landesstraße. Der Lärm von der Schiene addiert sich mit dem Lärm von der Straße. Erlaubt sind auf der Straße streckenweise bis zu 100 Stundenkilometer. Die Vier-Meter-Wand wurde also nicht alleine als Schutz vor dem Schienenverkehr gebaut.

Die Betreiber der WLE setzen woanders auf eine so genannte Schienensteg-Dämpfungen, anstatt Mauern zu errichten. Urban räumt ein, dass dies auch erheblich kostengünstiger ist. „Natürlich achten wir auf die Kosten, es handelt sich um öffentliches Geld. Aber wir hätten diese Lösung auch ansonsten genauso eingebracht – wir wollen den Ort ja eben nicht mit Mauern zerschneiden.“

Aktuell befinden sich die Pläne für eine Reaktivierung des Personenverkehrs bei der Bezirksregierung Münster. Sie nimmt eine Prüfung vor. Anschließend werde die Offenlegung der Pläne vorbereitet, so Urban.

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