OB-Kandidat Peter Todeskino und die Grünen stellen sich hinter die Bürgerinitiative
Allianz gegen die Eschstraße

Münster-Wolbeck -

Mit der Anbindung der Eschstraße an die Ortsumgehung will die Stadt Münster den Ortskern von Wolbeck entlasten, um ihn anschließend attraktiver zu gestalten. Aktuell werden Einwände gegen das Straßenbau-Projekt geprüft. Das letzte Wort hat der Rat der Stadt Münster, über dessen Zusammensetzung die Bürgerinnen und Bürger am 13. September bei der Kommunalwahl entscheiden. Bedeutsam könnte dabei auch die Rolle der Grünen sein.

Donnerstag, 03.09.2020, 16:02 Uhr
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„Es gibt Lösungen für das Verkehrsproblem in Wolbeck.“ Da ist sich Bernhard Jauernick vom Verein „Rettet den Esch“ zusammen mit seinen Mitstreitern sicher: „Und diese Lösung heißt sicher nicht, die Eschstraße auszubauen!“ Die Bürgerinitiative traf sich jetzt in Wolbeck mit dem Oberbürgermeister-Kandidaten der Grünen, Peter Todeskino , um das so genannte „Rudersberger Modell“ und seine Übertragbarkeit auf Wolbeck zu diskutieren. Der Verein hatte auch die Verkehrsverbände ADFC und VCD mit ihren Vorständen in das Wigbold eingeladen. Alle gemeinsam gaben nun eine Presseerklärung heraus.

Im baden-württembergischen Rudersberg sei es gelungen, neuen öffentlichen Straßenraum zu schaffen, der die Menschen einlade, zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto mobil zu sein, heißt es darin. Was müsse passieren, damit ein solches Lob auch einmal auf Wolbeck zutreffen könne? „Während die aktuelle politische Mehrheit verkehrsberuhigende Maßnahmen vom Ausbau der Eschstraße abhängig macht, hat Rudersberg seine Ortsmitte im Bestand – ohne Umgehungs- oder zusätzliche Entlastungsstraßen – umgebaut“, heißt es. Und habe trotzdem alle Ziele erreicht, die man sich in Wolbeck ebenfalls gesetzt hat, so die Mitteilung. Dafür wurde das Konzept mit dem 2. Platz beim Deutschen Verkehrsplanungspreis ausgezeichnet.

Peter Todeskino: „Ich sehe in dem Konzept einen völlig richtigen und gelebt nachhaltigen Ansatz, da das Auto zurückgedrängt und auf neue Mobilität mit Schwerpunkt auf Fußgänger, Radfahrer und öffentlichen Personennahverkehr gesetzt wird.“ Das müsse auf die Wolbecker Verhältnisse angepasst werden. Die Anbindung der Eschstraße an die Ortsumgehung sei der „völlig falsche Weg“. Er würde eher zusätzlichen PKW- und LKW-Verkehr in den Ort leiten und damit das verkehrte Signal für insgesamt weniger Verkehr in Wolbeck setzen. „Die Grünen haben genau deswegen den Verzicht auf den Ausbau der Eschstraße in ihrem Wahlprogramm festgeschrieben.“

Auch die Fahrradlobby ADFC nennt den Rudersberger Weg als Beispiel gegen den vorliegenden Bebauungsplan zum Ausbau der Eschstraße. Dazu Andreas K. Bittner: „Die Verkehrsberuhigung des Ortskerns wird mehr Wolbecker aufs Rad bringen, denn eine rückgebaute und sicherere Münsterstraße bringt auch höhere Aufenthaltsqualität und lädt zum Einkaufen ohne Auto ein.“

Thomas Lins vom Umweltverband VCD ergänzt: „Gerade in Zeiten des drohenden Klimakollapses müssen wir andere Lösungen finden als den Straßenneubau, der nur zusätzlichen Verkehr produziert.“

Alle Beteiligten seien sich nach dem Treffen einig gewesen, dass der „Rudersberger Weg“ Wolbeck „deutlich schneller, umweltfreundlicher, nachhaltiger und voraussichtlich auch kostengünstiger“ ans gewünschte Ziel eines attraktiveren und sicheren Ortskerns bringen würde als die bisherigen Planungen.

 

Das sagen die anderen Parteien

Die Grünen stehen weitestgehend alleine im Kampf gegen den Ausbau der Eschstraße. Fast alle anderen Parteien sprechen sich dafür aus.

Die CDU sieht keine Alternative zum Ausbau der Eschstraße, eine damit verbundene Ortskerngestaltung sei lange überfällig. Für den Ratskandidaten Martin Peitzmeier ist aber auch klar: „Unser Ziel ist es dennoch, die Anwohner so weit wie möglich zu entlasten.“ Seine Partei wolle sich nach dem Ausbau der Straße dafür einsetzen, dass eine Tempo-30-Zone bis zum Friedhof eingerichtet wird.

Die SPDdrängt auf eine Verkehrsberuhigung des engen Ortszentrums. Die Wolbecker Umgehungsstraße allein habe ohne den Eschstraßen-Anschluss noch nicht den gewünschten Effekt gebracht. Ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen auf der Eschstraße wolle man im Blick behalten.

Bei der FDPspricht sich BV-Mitglied Willi Schriek für den Ausbau der Eschstraße aus, der „von Anfang an im Verkehrsplan vorgesehen war“. Schriek hält den Ausbau für „nötig, um den Ortskern wirklich zu entlasten“. Die FDP setze sich aber dafür ein, dass die Straße künftig „nur Zubringer-, nicht Durchfahrtsqualität haben soll und dort Tempo 30 eingerichtet wird“.

Eine Ausnahme der Befürworter macht die Piratin in der BV, Birgit Hemecker. Sie meint, der Ausbau der Eschstraße sei „aus der Zeit gefallen“. Das Projekt sei aus Umweltschutzgründen abzulehnen, denn „neue Straßen ziehen Autos an“ (mlü/isa)

 

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