Guido Huckschlag eröffnete vor 30 Jahren die „Kiepe“ und ist noch immer Wirt mit Leidenschaft
Nach dem „Sack Salz“ ging‘s bergauf

Münster-Wolbeck -

Zwar ist er gebürtiger Kölner, dennoch fühlt sich Guido Huckschlag in Wolbeck heute fest verwurzelt. Kein Wunder, denn der passionierte Gastronom verbrachte inzwischen den größten Teils seines Lebens im Wigbold. Und nicht nur das: Am Sonntag (1. November) ist es auf den Tag genau 30 Jahre her, dass er die Tür der Dorf-Gaststätte „Kiepe“ zum ersten Mal für seine Gäste öffnete.

Freitag, 30.10.2020, 17:41 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 17:46 Uhr
Guido Huckschlag (r.), hier mit Sohn Lasse im Wintergarten, hat trotz Corona Grund zu feiern: Am Sonntag ist er genau 30 Jahre lang Wirt der Traditionsgaststätte „Kiepe“.
Guido Huckschlag (r.), hier mit Sohn Lasse im Wintergarten, hat trotz Corona Grund zu feiern: Am Sonntag ist er genau 30 Jahre lang Wirt der Traditionsgaststätte „Kiepe“. Foto: isa

 

Es war ein Wagnis, als der knapp 21-Jährige 1990 die Traditionskneipe von dem Ehepaar Natrup übernahm. „Damals war ich der jüngste Wirt im Münsterland“, erinnert sich Huckschlag. Aber seine Familie habe ihn von Anfang an tatkräftig unterstützt. Und: Alles ging gut.

Seine Ausbildung hatte ihm das nötige Rüstzeug verschafft: „Meine Lehre als Koch habe ich im Hotel Krautkrämer in Hiltrup gemacht“, blickt er zurück. Anschließend führte ihn der Wehrdienst in die Küche eines Offizierscasinos. „Dort habe ich viel gelernt“, so Huckschlag. Später arbeitete er unter anderem im „Großen Kiepenkerl“ und im Kunsthaus Angelmodde. Und er kochte als städtischer Angestellter für Jugendcamps im Ferienlager.

Dann kam der Tag, als der junge Mann, der seit 1984 in Wolbeck lebte, die Gelegenheit ergriff, sich selbstständig zu machen. Den Schritt, die „Kiepe“ zu übernehmen, hat er nicht bereut: „Wenn ich auch mit den zunächst skeptischen Wolbeckern erstmal einen Sack Salz essen musste“, sagt Guido Huckschlag heute und lacht. Nach und nach wuchs er in die Dorfgemeinschaft hinein und wurde bald akzeptiert. Inzwischen sei er Mitglied in zehn Wolbecker Vereinen. „Und karnevalistischer „Ehrenräuber“, berichtet er stolz.

Leicht war der Anfang auch von daher nicht, als die die Konkurrenz groß war: Bis zu 16 Kneipen gab es damals in Wolbeck und Angelmodde Dorf. Auch die Gaststätten Dorfschenke, Forstblick, Thier-Hülsmann, das „Schlösschen“, das Kurhaus und der „Bahnhof“ gehörten dazu, die inzwischen alle nicht mehr existieren. Doch nach und nach eroberte sich Guido Huckschlag eine feste Stammkundschaft. Sein Rezept war und ist denkbar einfach: „Wer in meine Gaststätte kommt, soll sich wohlfühlen“, erklärt er.

Die große, halbrunde Theke im Zentrum ist für ihn das Erkennungszeichen eines westfälischen Gasthauses.  Stühle mit bequemen Lederpolstern um massive Holztische, Kellenputz und behauene Balken an den Wänden sowie eine Speisekarte mit regionalen Produkten aus Wolbeck und der näheren Umgebung gehören zu seinem Konzept. „Gemütlich, aber nicht altbacken“, soll es sein. So bietet die Speisekarte neben traditioneller Rindfleischsuppe und „Kallis Töttchen“ auch moderne „Dinkelnudeln“ und Antipasti.

Immer wieder überrascht Huckschlag seine Gäste mit Konzerten, Ausstellungen und kreativen Veranstaltungen. Mit viel Engagement hat er das 1904 erbaute Gasthaus immer wieder renoviert, das schon Bäckerei, Dorfschule und Wiegehäuschen für Vieh war. Besonders stolz ist er auf den großen Biergarten, den er mehrfach erweiterte und der sich bei den Gästen großer Beliebtheit erfreut. Das neueste Projekt ist der Wintergarten, der gerade in Corona-Zeiten einen Aufenthalt mit viel Frischluft ermöglicht – sobald die Gaststätten nach dem aktuellen Teil-Lockdown wieder öffnen dürfen.

Immer neue Ideen, nicht gerade familienfreundliche Arbeitszeiten und dann auch noch die Corona-Problematik, die gerade die Gastronomie hart trifft. Wird dem 51-Jährigen nicht manchmal alles zu viel? Die Arbeit mache ihm Spaß, trotz allem, erklärt der Wirt aus Leidenschaft.

Auch in der Krise hätten die Gäste stets zu ihm gehalten, vermehrt Essen-To-Go geordert, ihm Blumen und aufmunternde Postkarten geschickte. Vom „Sack Salz“ aus Anfangstagen ist keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil: „Hier in Wolbeck gibt es einen tollen Zusammenhalt.“

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