Bewohner des Achatius-Hauses nehmen die Auswirkungen der Corona-Regelungen eher gelassen hin
„Ängste spielen eine geringe Rolle“

Münster-Wolbeck -

Die Corona-Pandemie löst bei vielen Menschen Unsicherheit und Ängste aus. Vor allem Ältere fühlen sich häufig isoliert. Wie müssen da erst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen leiden? „Jeder Mensch reagiert natürlich individuell“, erklärt Bernhard Sandbothe auf Anfrage unserer Zeitung. Die meisten seien jedoch gefasst und ruhig, fügt der Leiter des Wolbecker Achatius-Hauses der Alexianer hinzu. „Ängste spielen insgesamt eher eine geringe Rolle.“

Freitag, 06.11.2020, 19:00 Uhr
Bernhard Sandbothe leitet das Alten- und Pflegeheim Achatius-Haus, das 66 Bewohner und Bewohnerinnen beherbergt.
Bernhard Sandbothe leitet das Alten- und Pflegeheim Achatius-Haus, das 66 Bewohner und Bewohnerinnen beherbergt. Foto: isa

 

„Wir haben zwei Weltkriege überstanden, da kriegen wir das auch hin.“ Diese Äußerung höre er häufiger von hochbetagten Bewohnern seines Hauses, erläutert der Heimleiter. Gerade wer viel erlebt habe, entwickele eine gewisse Gelassenheit den Widrigkeiten des Lebens gegenüber.

Ein Hintergrund für die vergleichsweise gute Stimmung im Haus sei auch, dass man – im Rahmen der jeweils geltenden Corona-Regelungen des Landes Nordrhein-Westfalen – soziale Kontakte weitgehend fördere. Dies sei anerkanntermaßen wichtig für das Wohlbefinden der Menschen. Die aktuellen Vorschriften spiegelten eine vernünftige Abwägung zwischen dem Bedürfnis nach menschlicher Nähe und notwendigen Sicherheitsmaßnahmen wider, meint Sandbothe .

Für das Achatius-Haus bedeutet das, dass Besuche von Familienangehörigen und Freunden, auch in den Zimmern der Bewohner, ohne Anmeldung erlaubt sind. „Unter gewissen Bedingungen“, schränkt der Leiter der Einrichtung ein. So müsse jeder Gast Maske tragen, seine Daten hinterlassen, am Eingang die Hände desinfizieren und sich an der Stirn Fieber messen lassen. Notwendig sei auch zu erklären, dass man keine Corona-Symptome zeige, nicht aus dem Ausland komme und in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt zu einem positiv Getesteten gehabt habe. Zusätzlich tritt in rund zwei Wochen ein stadtweites Konzept für Schnelltestungen in Altenpflege-Einrichtungen in Kraft.

Danach soll das Personal alle zwei Wochen und bei Symptomen, die Bewohner lediglich bei Symptomen und Besucher auf Anfrage im Schnellverfahren auf Covid-19 getestet werden. „Geklärt werden muss noch die Frage des Personals für diese Tests“, so Sandbothe. „Unsere Pfleger und Pflegerinnen sind mit der Betreuung der Bewohner bereits stark ausgelastet.“

Mit der Möglichkeit, grundsätzlich Besuch zu empfangen, unterscheidet sich der aktuelle, „sanftere“ Lock-Down von dem im Frühling. Damals waren Besuche in Alten- und Pflegeheimen grundsätzlich untersagt. „Wir haben jedoch sofort damit begonnen, die Möglichkeiten der digitalen Kontaktaufnahme für unserer Bewohner auszuweiten“, so Sandbothe. Das komme allen heute zugute.

Außerdem habe man stets das Gemeinschaftsgefühl im Haus gestärkt. „Wir haben drei Wohnbereiche, zwei zu 24, eine zu 18 Bewohnern, erläutert er. Diese „Kohorten“, wie die Gruppen im Haus auch genannt werden, nahmen damals wie heute gemeinsam an Gymnastik-, Gedächtnistrainings- und anderen Angeboten teil. So werde der Einsamkeit entgegen gewirkt. Sandbothe: „Und wir gehen mit Ruhe und einer Portion Humor an die Arbeit.“ Die Gruppen würden nicht gemischt und auch von jeweils speziellem Personal betreut. Auch am Heiligen Abend kommen die drei Gruppen zu jeweils einer eigenen Weihnachtsfeier zusammen. „Die Angehörigen können wir nicht dazu bitten“, schränkt Sandbothe ein. Die könnten aber zu einem anderen Zeitpunkt einen Weihnachtsbesuch machen.

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