Eigentümer Benedikt Graf von Merveldt zieht nach vielen Ärgernissen zum 31. März die Reißleine
Drostenhofpark wird zugemacht

Münster-Wolbeck -

Die unerklärliche Lust am Vandalismus und die (zunehmend) fehlende Wertschätzung von Kulturgütern sorgt dafür, dass der Drostenhofpark ab dem 31. März 2021 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Vorbei ist dann die Zeit des Wandelns im Schatten von Gotik und Renaissance vor der eigenen Haustür. Es ist definitiv: Eigentümer Benedikt von Merveldt schließt den Park. Für vereinzelte Events wird er ihn temporär wieder öffnen, so seine aktuellen Pläne.

Freitag, 11.12.2020, 17:42 Uhr
Mitten im noch öffentlich zugänglichen Drostenhofpark: (v.l.) Hermann Buermann (SPD-Fraktion in der BV Südost), Bezirksbürgermeister Peter Bensmann, Benedikt Graf von Merveldt und Jens-Uwe Linke (CDU-Fraktion in der BV) tauschen sich über die einschneidende Nutzungsänderung aus.
Mitten im noch öffentlich zugänglichen Drostenhofpark: (v.l.) Hermann Buermann (SPD-Fraktion in der BV Südost), Bezirksbürgermeister Peter Bensmann, Benedikt Graf von Merveldt und Jens-Uwe Linke (CDU-Fraktion in der BV) tauschen sich über die einschneidende Nutzungsänderung aus. Foto: Peter Sauer

Da sausen Jägermeister-Flaschen und Äste durch die kostbaren historischen Bleiglasfenster des Drostenhofes mit dem signifikanten Renaissancegiebel. Auch Feuerwerksraketen treffen das alten Gemäuer.

Der aufleuchtende Knall jagte seinerzeit Drostenhof-Eigentümer Benedikt Graf von Merveldt abends beim Krimi-Schauen einen gehörigen Schreck in die Glieder. Hinzu komme, dass der Drostenhofpark von der Stadt (als Mieter) nicht ausreichend gepflegt werde. „Der Zustand hat sich permanent verschlechtert“, sagt der Graf am Freitag, „ zudem entwickelt sich der Park immer mehr zu einem überdimensionalen Hundeklo – von anderen Hinterlassenschaften ganz zu schweigen“.

Benedikt Graf von Merveldt hat diesem Treiben lange zugesehen, jetzt zieht er die Reißleine: „Zum 31. März 2021 kündige ich den Mietvertrag mit der Stadt und schließe den Drostenhofpark für die Öffentlichkeit. Beide Zugänge werden geschlossen.

Dieser Paukenschlag für Wolbeck stimmt Bezirksbürgermeister Peter Bensmann (CDU) sehr traurig: „Parteiübergreifend haben wir das Gespräch gesucht, um diese Entscheidung verhindern zu können. Wir haben es nicht geschafft.“ Bensmann schaut entschlossen nach vorne. „Wir erwägen, den angrenzenden alten Friedhof als öffentliche Parkfläche aufzuwerten. In der Innenstadt gibt es gute Beispiele, wie nachhaltig Friedhöfe zu Begegnungsorten werden kön- nen, siehe Hörster Friedhof.“

Nicht nur, dass Schulkinder, Jogger und Spaziergänger mit dem Drostenhofpark ein Kleinod und eine vortreffliche Abkürzung verlieren und Touristen ein Ziel, nein, die 2009 eingeweihten „Mehrgenerationengeräte“ (ein Projekt der Seniorenvertretung) und der große Spielplatz werden auch verschwinden: „Beide Anlagen werden zurückgebaut“, sagt Bensmann im Amtsdeutsch.

Aber Benedikt Graf von Merveldt ist zu viel Wolbecker, als das es sich nicht noch ein Hintertürchen offen ließe. „Für Schützenfeste, das Lambertussingen, oder andere kulturelle Ereignisse werde ich den Drostenhofpark temporär öffnen.“ Und nach einem tiefen Atemzug ergänzt er: „Ich überlege auch langfristig, ob man das Erdgeschoss des Drostenhofes nicht öffentlich nutzen könnte, zum Beispiel für standesamtliche Trauungen.“ Für Peter Bensmann ist dies ein „schönes Zeichen“ mit Blick in die Zukunft, da der Drostenhof seit 2015 nicht mehr öffentlich genutzt werden konnte.

An Heiligabend (24. Dezember) um 15 Uhr öffnet Benedikt Graf von Merveldt den seither privaten Innenhof des Drostenhofes für einen öffentlichen Gottesdienst. Nach dem großen Erfolg des „Hootin‘ the Blues“-Konzertes im Rahmen der münsterlandweiten Reihe „Trompetenbaum und Geigenfeige“ schließt von Merveldt weitere kulturelle Events künftig nicht aus.

Er freut sich, dass der Drostenhofpark bald Privatfläche ist. „Ich wohne im Dachgeschoss des Drostenhofes und habe bislang keinen Garten. Den Garten zur Straße am Steintor nutzen die drei Mietparteien mit insgesamt sieben Kindern, die im Torhaus und im ehemaligen Wirtschaftsgebäude wohnen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7719829?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
Nachrichten-Ticker