Wolfgang Heithoff veröffentlicht zum Fest sein neues Buch
Gottessohn lebt im Altersheim

Münster-Wolbeck -

In Zeiten der Corona-Pandemie wird viel gelesen, aber auch viel publiziert, immer häufiger auch von Autoren aus der Region. Dazu gehört der Neu-Wolbecker Wolfgang Heithoff. In seinem neuen Roman geht es um keinen geringeren als Jesus – aber ganz anders als man denkt.

Freitag, 18.12.2020, 19:01 Uhr aktualisiert: 23.12.2020, 18:56 Uhr
Spirituell, amüsant und tiefsinnig: Vor auch im Dezember grünen Feldern stellte der Wolbecker Wolfgang Heithoff an einem regnerischen Tag sein Buch „Jesus lebt 2022 in einem Altenheim in Bielefeld“ vor.
Spirituell, amüsant und tiefsinnig: Vor auch im Dezember grünen Feldern stellte der Wolbecker Wolfgang Heithoff an einem regnerischen Tag sein Buch „Jesus lebt 2022 in einem Altenheim in Bielefeld“ vor. Foto: Peter Sauer

Alle sprechen über das Coronavirus, das uns seit Februar beschäftigt. Der Wolbecker Autor Lou-Ise Grimm , der eigentlich Wolfgang Heithoff heißt, spannt in seinem neuen Buch „Jesus lebt 2022“ den Bogen über einen deutlich längeren Zeitraum und stellt sich eine ganz zentrale Frage: Wie sähe unsere Welt heute aus, wenn Jesus vor über 2000 Jahren nicht am Kreuz gestorben wäre?

Mit großem Augenzwinkern, spiritueller Tiefe und einer unbändigen Lust am Geschichten erzählen, setzt Heithoff, der George Orwell („1984“) schätzt, in seinem Roman nicht auf Science-Fiction oder Übernatürliches, sondern lässt den Gottessohn auf der Erde (weiter-)leben. Der konnte sich demnach in letzter Sekunde vor der tödlichen Kreuzigung retten und lebt unsterblich weiter. Bis in unsere Zeit.

Und Romanautor Heithoff findet Jesus wo? In Bielefeld! „Als Münsteraner und Wilsberg-Fan habe ich den Ort ausgewählt, weil es den ja eigentlich nicht gibt“, sagt Wolfgang Heithoff, der in seinem früheren Leben vor der Pensionierung Versicherungskaufmann war. Geschrieben hat er das Buch 2019 mit Blick auf grüne Erbsenfelder, zwischen Gartenarbeit und Spaziergängen, am nördlichen Ortsrand von Wolbeck.

Blasphemisch ist sein Roman „Jesus lebt“ nicht. Der 64-Jährige nimmt Jesus als historische Figur ernst und stellt sie in einen gesellschaftskritischen Kontext. Nicht ohne Kritik: „Ich bin nicht gerade ein Fan der Kirche, das ist für mich eine Institution, eine Firma. Jesus ist für mich eine geschichtliche Figur, schon aber als Prophet, so wie auch Mohammed ein Prophet ist“, sagt Heithoff, der spirituell aufgestellt und beim Gespräch mit dieser Zeitung eine ganz besondere innere Ruhe ausstrahlt: „Es gibt so viele Gleichnisse in der Bibel, um im Leben klarkommen zu können. Da kann man sich an vielerlei Stellen gut orientieren.“

Sein 172-seitiger Roman „Jesus lebt“ verbindet so die bekannte Glaubensgeschichte raffiniert und gut lesbar mit manch drängenden Fragen der Zeit. Das regt zum Nachdenken, aber auch an vielen Stellen zum Schmunzeln an.

So ist sein fiktiver Gottessohn angesichts der langen Liste der Entgleisungen der Menschheit so enttäuscht von seinem erfolglosen Wirken auf Erden (allein schon als Friedensstifter), dass er mit der Zeit einfach nur dement wurde. Was vielleicht ja auch gar nicht schlecht ist. Wolfgang Heithoff, dessen Vorbild der Dalai Lama ist, geht es dabei um eine spannende, zentrale Frage: „Wie wäre es, wenn man 2000 Jahre vergisst und am nächsten Tag ein ganz neues Leben startet?“ Auch ein amüsanter (Gott-)Vater-Sohn-Konflikt durchstreift das Buch.

Lesungen sind in Vorbereitungen, sobald es Corona wieder zulässt, zum Beispiel im „Buchfink“. Bis dahin schreibt der Wolbecker bereits an der Fortsetzung: „Es geht um Elea. Die Tochter Gottes tritt in die Fußstapfen ihres Bruders.“

Der Blick auf die weiten und immergrünen Felder am Ortsrand von Wolbeck wird Heithoff noch zu zwei weiteren Büchern inspirieren.

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