Morgendliche Osterfeier in St. Nikolaus Münster
In den Farben des Regenbogens

Münster-Angelmodde -

Kurz nach 6 Uhr beginnt der Gottesdienst am Ostermorgen. An der Kirche St. Agatha gibt es zum Abschluss ein klares Statement zu einer kirchenpolitisch aktuellen Frage.

Dienstag, 06.04.2021, 18:29 Uhr
Die Gruppe geht zu mehreren Stationen, hin­über zu Plätzen am Esch
Die Gruppe geht zu mehreren Stationen, hin­über zu Plätzen am Esch Foto: anh

Der ehemalige Friedhof an Sankt Agatha liegt im Dunkeln; Straßenlaternen werfen Schatten von Bäumen und Straßenschild auf die weißen Mauern und das Denkmal für die Fürstin von Gallitzin mit Jesus am Kreuz. Die Bleiglasfenster mit ihren farbkräftigen Figuren sind hinterleuchtet aus dem Innern der Kirche, zwei Inseln des Lichts, ziehen sie Blicke von 50 Menschen an. Sie stehen weit verteilt auf dem Rasen, Masken über dem Gesicht. Stille – bis auf das Gezwitscher der Vögel, vielstimmig, unsichtbar. Die Menschen sind Umrisse, hier zwei, dort drei, da vier, große und kleine. Von der anderen Seite des Angelmodde Weges klingen Gesang und eine Gitarre durch das Konzert der Natur. Pfarrer Thomas Schulz geht durch die Reihen, verteilt einige Lichter und Zettel mit Fürbitten.

Kurz nach 6 Uhr beginnt der Gottesdienst am Ostermorgen. Vom Lagerfeuer nimmt Schulz mit einem Kienspan die Flamme und entzündet die Osterkerze, dann eine Kerze in einer schützenden Laterne. Zwei Mädchen werden sie auf dem weiteren Weg beschützen. Die Gruppe geht zu mehreren Stationen, hin­über zu Plätzen am Esch, zwischen zwei starken Bäumen, auf einer Lichtung, mit Lesungen, Gesang und Gitarrenspiel.

Schließlich geht es über die Brücke der Angel wieder hinaus zu St. Agatha. Es ist hell geworden, vor der Mauer haben sich die menschenhohen Holz-Figuren aus den Grau-Schattierungen der Dunkelheit gelöst. Drei Stationen der biblischen Geschichte stehen da: Emmaus, das leere Grab bei Jerusalem, Tiberias.

„Jesus hat den Tod bezwungen“ kündet das Lied. „Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab“, liest Conny Stockel vor. Die drei Frauen erhalten als erste die Nachricht, dazu „einen Auftrag: Sie sollen die Männer aus ihrer Angst befreien“, so Pfarrer Schulz. „Wir brauchen auch heute Frauen, die ihre Angst überwinden und den Männern in der Kirche, die in ihrer Angst vor Veränderung in der Kirche manchmal so gefangen sind, zu sagen worauf es ankommt: Liebe und Leben.“ „Und was dem nicht dient oder nicht mehr dient, das darf man getrost aufgeben.“

Die Figuren habe er ursprünglich in den österlichen Farben malen wollen, in gelb und grün. „Aber dann kam diese seltsame Anweisung aus Rom, dass wir Seelsorger keine gleichgeschlechtlichen Paare segnen dürfen.“

Er habe sich entschieden, die Figuren in den Farben des Regenbogens zu bemalen. „Wir müssen mit Mut dagegen aufstehen, wenn Menschen in der Kirche durch die Kirche diskriminiert werden.“

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