12. Station
Das alte Amtshaus: Die Steine stiftete ein Niederländer

Münster-Wolbeck -

Vom Hügel der zerstörten Burg, die Bischof Ludolf von Holte im 13. Jahrhundert errichten ließ, über dem Drostenhof im Stil der Früh-Renaissance bis hin bis zum restaurierten jüdischen Friedhof berichten „stumme Zeugen“ in Wolbeck aus der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Ortes.

Montag, 15.08.2016, 00:08 Uhr

Das Amtshaus, Am Steintor 50, wurde 1923 erbaut. Bis 2015 war die Bezirksverwaltung Münster-Südost hier untergebracht, dann veräußerte die Stadt Münster den Komplex, die Bezirksverwaltung zog an die Münsterstraße um.
Das Amtshaus, Am Steintor 50, wurde 1923 erbaut. Bis 2015 war die Bezirksverwaltung Münster-Südost hier untergebracht, dann veräußerte die Stadt Münster den Komplex, die Bezirksverwaltung zog an die Münsterstraße um. Foto: isa

Die Arbeitsgemeinschaft Wolbeck-Marketing des Bürgerforums lädt in ihrem Faltblatt „Wolbecker Spaziergang“ ein, sich in zwölf Stationen näher damit zu befassen. Die zwölfte – und letzte – Station des historischen Spazierganges ist das Amtshaus, Am Steintor 50.

Die Vorgeschichte des Verwaltungsgebäudes ist lang. Nach dem Wolbecker Schloss war zunächst das alte Rathaus am früheren Marktplatz nahe der St.-Nikolaus-Kirche Sitz der Verwaltung. Als man dieses 1823 abbrach, fungierte der Drostenhof für genau 100 Jahre als Amtshaus. Dann bezog die Familie Merveldt wieder selbst ihren Adelshof, stellte aber das Grundstück am Steintor für die Errichtung eines neuen Amtshauses zur Verfügung.

Der damalige Amtsleiter Bröckers soll 1923 – während der Inflationszeit – die Finanzierung des Bauwerks unter anderem mit argentinischen Pesos sicher gestellt haben. Die charakteristischen Bruchsteine für die Fassade des Hauses stiftete der in Wolbeck lebende Niederländer van Vloten, der damals Steinbrüche bei Ibbenbüren besaß.

Das schmucke Gebäude fungierte dann über 90 Jahre lang als Verwaltungssitz. Zunächst hatte hier die Verwaltung des Amtes Wolbeck ihren Platz. 1975 wurde daraus die Bezirksverwaltung Münster-Südost.

Im so genannten Trauzimmer fanden noch bis etwa ins Jahr 2010 Hochzeiten statt. Außerdem war im ersten Stock lange Zeit das so genannte „Ausgleichsamt“ untergebracht, das sich mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs , etwa für Vertriebene, beschäftigte. Nachdem das Amt seine Aufgaben im Jahr 2011 eingestellt hatte, stand die erste Etage leer.

Das Gebäude war nicht nur zu groß und für die Verwaltungsgeschäfte. Es genügte auch nicht mehr den modernen Standards. So entschloss sich die Stadt Münster, das Gebäude zu veräußern. Der neue Eigentümer baute den gesamten Komplex zu Mietwohnungen, Praxen und Büros um.

Nachdem die Stadt Münster das denkmalgeschützte Anwesen verkauft hatte, zogen die Büros übrigens im Jahr 2015 in einen modernen Neubau an der Münsterstraße um.

Dankbar sind die Wolbecker Karnevalisten, dass ihr Hippenmajor dem münsterischen Oberbürgermeister am Tag vor Ziegenbocksmontag vorerst weiterhin die Schlüsselgewalt über den Stadtbezirk auf dem Balkon des wunderschönen historischen Gebäudes entreißen darf.

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