Münsterland
Ein heißes Eisen: Cloer gegen Tchibo

Arnsberg. Cloer? Sind das nicht die, die Tchibo verklagt haben? Ganz recht. Den großen Ärger gab’s 2006, als ein Außendienstler Geschäftsführer Achim Cloer ein Waffeleisen von Tchibo mitbrachte. Das sah so ähnlich aus wie jenes...

Montag, 28.04.2008, 19:04 Uhr

Arnsberg - Cloer ? Sind das nicht die, die Tchibo verklagt haben? Ganz recht. Den großen Ärger gab’s 2006, als ein Außendienstler Geschäftsführer Achim Cloer ein Waffeleisen von Tchibo mitbrachte. Das sah so ähnlich aus wie jenes, das der Arnsberger Hersteller seit Jahrzehnten produziert. „Ganz plump haben die das kopiert und dann massiv auf den Markt gebracht“, sagt Cloer und faltet dabei ruhig die Hände auf dem Tisch.

Das Dreiste in seinen Augen: Der Kaffeeröster hatte zuvor angefragt, ob Cloer nicht für den Discounter produzieren wolle, als Herstellungspartner sozusagen. Hatte sich gar Muster schicken und einen Kostenvoranschlag geben lassen. Allein, „selbst, wenn wir preislich so weit runtergegangen wären, wie es für uns möglich ist – ohne entscheidende Abstriche in Sachen Qualität zu machen –, wäre das für Tchibo noch zu teuer gewesen.“ Dennoch hätte Cloer versucht, darauf einzugehen, sagt der 37-Jährige, schlicht, „um einen Angriff auf die Marke zu verhindern“. Doch der kam trotzdem, in Form zigtausender täuschend ähnlich aussehender Waffeleisen, die Tchibo über seine Shops absetzte. Daraufhin zog der Arnsberger Hersteller vors Kölner Landgericht – und bekam nun teilweise recht.

Das Eisen sei eine unzulässige Nachahmung des Cloer-Geräts, befand die Kammer und verbot dessen Vertrieb. Zwar herrsche in Deutschland Nachahmungsfreiheit für Geräte, für die der Hersteller keine Schutzrechte erworben hat, erläutert Cloer. Doch war das Argument der Herkunfsttäuschung auf Seiten der Arnsberger: „Das heißt, wenn Sie vor dem Tchibo-Gerät stehen, würden Sie sagen – das ist eins von Cloer. Unsere Waffeleisen haben hohen Wiedererkennungswert, wir pflegen das Design seit Jahren.“ Auch hatte ein Gutachter zuvor festgestellt, dass sogar ein Konstruktionsfehler des Originals mitkopiert worden war, von dem nur die Cloer-Ingenieure wussten.

Die Arnsberger Firma, die in China und Hongkong auf eignen Maschinen produziert, belegt mit seinen Waffeleisen eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von 45 Prozent. Zwar hat Cloer neben Toastern und Kaffeemaschinen etwa 100 Produkte in der Angebotspalette. Wichtigstes Standbein jedoch ist – auch historisch gesehen seit der Nachkriegszeit – der Verkauf von Waffeleisen an Fachhandel und Großmärkte.

Wieviele Eisen genau Tchibo auf den Markt geworfen hat, Achim Cloer weiß es nicht. Man rechne mit um die 50 000, sagt der studierte Maschinenbauer. Und das trifft ein mittelständisches Unternehmen wie das Arnsberger. „Wir warten darauf, dass die uns Einsicht in ihre Bücher gewähren, um das nachzuhalten“, sagt er – so, wie vom Gericht angeordnet.

Sein Fazit? Nie habe er mit einem solch großen Medienecho gerechnet, wählt Cloer seine Worte bedächtig, niemals mit einem so großen Zuspruch aus der Bevölkerung. „Die Leute riefen hier an und mailten, appellierten an uns: Haltet durch.“ Doch was er in erster Linie aus dem Rechtsstreit mit dem Kaffeegiganten gelernt habe, sei, wie man sich wappne gegen derlei Angriffe, wie man aufgestellt sein müsse, um nächstes Mal zu reagieren. „Das betrifft die gesamte Organisation, die Abläufe – erst Muster beschaffen, im Labor untersuchen, Testbacken, Fotodokumentation, Gegenüberstellung der Geräte und und und,“ zählt er auf.

Nicht zuletzt habe man sich die richtigen Anwälte suchen, bereit sein müssen, „schlechtes Geld dem guten hinterherzuwerfen“.

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