Münsterland
Stadtwerke: Mit Wassergeld zum Doktortitel?

Steinfurt -

Haben die Steinfurter die finanziellen Eskapaden des fristlos entlassenen Stadtwerke-Geschäftsführers am Wasserwerk Ahlintel durch einen erhöhten Trinkwasserpreis mitfinanziert?

Samstag, 24.05.2008, 07:00 Uhr

 Eine Frage, auf die es bislang noch keine Antwort gibt. Fest steht nur, dass die Wirtschaftsprüfer der KPMG seit 2005 1,026 Millionen Euro zusammengerechnet haben, die für das so genannte „Projekt Wasserwerk“ ausgegeben wurden und die Experten in ihrem Bericht zu dem Ergebnis kommen, dass der Wert der insgesamt 16 mit der Universität Münster durchgeführten Module noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden müsste.

Und auch auf die Frage, ob sich Prof. Dr. Manfred Krieter aus disziplinarrechtlicher Sicht hat irgendetwas zu Schulden kommen lassen, wartet auf Beantwortung.

(Hinweis der Redaktion: Die seinerzeitigen Anschuldigungen gegen Prof. Dr. Krieter haben sich nach juristischer Prüfung als gegenstandslos herausgestellt. Sämtliche Ermittlungen gegen ihn sowie auch das Disziplinarverfahren wurden eingestellt.)

„Wir treten einen Schritt zurück und lassen der Staatsanwaltschaft den Vortritt“, machte Universitätssprecher Norbert Frie am Freitag auf WN-Anfrage noch einmal das Vorgehen seines Hauses deutlich. In diesem Fall sei es nicht sinnvoll, parallel Ermittlungen aufzunehmen. „Das eine läuft mit dem anderen oft zusammen.“ Krieter hatte selbst beantragt, gegen sich ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Über einen Bericht der KPMG verfügt die Universität bislang nicht. „Nein, der ist bei uns nicht gelandet“, gab Frie schmunzelnd zu Protokoll. „Auch wenn er bei Ihnen in Steinfurt ja auf Parkbänken herumliegt.“

Die Wirtschaftsprüfer der KPMG können in ihrem Bericht den Knoten, was jetzt sinnvolle Investition für das Wasserwerk, was ausschließlich der Doktorarbeit von Wilhelm Schulz diente, nicht entwirren. „Ob zuerst ein Bedarf für die Entwicklung der Software oder zuerst der Wunsch nach einem Thema für die Dissertation von Wilhelm Schulz bestand, konnte nicht geklärt werden“, schreiben die Prüfer im Zusammenhang mit den 16 bezahlten Forschungsmodulen, bei denen es darum ging, für das Wasserwerk eine qualitätsorientierte Förderung zu realisieren.

Professor Krieter besetzt dabei eine Schlüsselposition. Und das gleich in dreifacher Hinsicht. Er ist als Chef des Instituts für Landschaftsökologie nicht nur Doktorvater von Schulz, er leitete in dieser Funktion ebenfalls die Forschungsarbeiten der Uni am Wasserwerk Ahlintel. Außerdem bezog er laut KPMG Honorare von den Stadtwerken, zum Beispiel für Gutachten. Sein Laborleiter hatte in 2006, 2007 und 2008 zusätzlich zu seiner Universitätsanstellung einen 400-Euro-Job bei den Stadtwerken angenommen. Angeblich, um für die dortigen Mitarbeiter Schulungen zu veranstalten. Im KPMG-Bericht heißt es dazu, dass der Mitarbeiter nicht eine Veranstaltung durchgeführt hat. In der Einleitung seiner Dissertation dankt ihm Schulz hingegen für die Erstellung zahlreicher Grafiken. „Es ist zu vermuten, dass die Anstellung zumindest vorwiegend zu diesem Zweck erfolgte.“ Für 21 Monate hat der wissenschaftliche Mitarbeiter knapp über 8000 Euro erhalten. Auch diverse Sachgeschenke wie einen Beamer, eine Uhr und eine Bilderserie soll er bekommen haben. Inzwischen wurde der Beamer zurückgegeben, das Geld für die Armbanduhr überwiesen. Seinen Job hat der Mitarbeiter bei den Stadtwerken mittlerweile gekündigt.

Bei den Forschungsprojekten gehen die Wirtschaftsprüfer ausführlich auf vier Fahrzeuge ein, die für eine monatliche Miete von je 250 Euro für die Projektsteuerung und -überwachung zur Verfügung standen. Darunter zwei Transporter und ein Laborwagen. „Die Notwendigkeit konnte uns nicht nachgewiesen werden“, schreibt dazu die KPMG. Insgesamt entstanden Kosten von 16.500 Euro.

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