Münsterland
Experten zweifeln an Prostatakrebs-Test

Sonntag, 25.05.2008, 19:05 Uhr

Münster . Das medizinische Urteil fällt deutlich aus: „Unsere Untersuchung des Urin-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs hat erhebliche Zweifel an der Aussagekraft des Tests ergeben“. Prof. Dr. Axel Semjonow , Leiter des Prostatazentrums am Universitätsklinikum Münster , weiß, was er sagt. Er hat den viel beworbenen und vom Hersteller mit dem Versprechen „in neun von zehn Fällen richtige Analyse“ angepriesenen „DiaPat-Urin-Test“ zusammen mit anderen Ärzten einer stichprobenartigen Prüfung unterzogen. Der Test, für den Männer 443 Euro auf den Tisch legen müssen, ergab „nur in jedem zweiten Fall die richtige Vorhersage“.

Die Firma „ DiaPat “ mit Sitz in Hannover wirbt vollmundig für ihren Urin-Test. „Erkennung von Prostatakrebs mit hoher Sicherheit (Sensitivität 90 Prozent)“, schmerzfrei, risikolos und zuverlässig werde Prostatakrebs nachgewiesen, heißt es im umfangreichen Werbematerial. Eine Vielzahl unnötiger Gewebeentnahmen sei mithilfe des neuen Urin-Tests vermeidbar. Die Arbeitsgruppe um Semjonow hat den Test untersucht. Patienten in vier urologischen Kliniken und zwei Praxen wurde das Angebot gemacht, den „DiaPat-Urin-Test“ durchführen zu lassen. 16 auswertbare Urin-Proben kamen zusammen und wurden zur Bewertung zu DiaPat geschickt. Bei acht Patienten ergaben die nachfolgenden Gewebeentnahmen einen Prostatakrebs, bei den anderen acht Männern wurde in der Gewebeprobe kein Krebs festgestellt. Bei drei der acht Patienten mit Prostatakrebs ergab der Urin-Test eine niedrige Krebs-Wahrscheinlichkeit, bei den anderen fünf wies der Test eine hohe Wahrscheinlichkeit aus. Für fünf der acht Männer ohne Krebsnachweis in der Probenentnahme sagte der Test eine hohe, für die anderen drei eine niedrige Krebs-Wahrscheinlichkeit voraus. Prof. Semjonow: „Bei diesem Ergebnis ist die Gefahr groß, dass Männer sich entweder in falscher Sicherheit wähnen oder unnötig beunruhigt werden. Ein ähnliches Ergebnis wäre vermutlich auch durch das Werfen einer Münze erzielbar gewesen.“ Der Urologe rät daher vor der Durchführung von weiteren Studien dringend von einem klinischen Einsatz des Urin-Tests ab.

Dabei hatte alles ganz erfolgversprechend begonnen: Semjonow und seine münsterischen Kollegen hatten von 2004 bis zum Herbst 2006 mit der Firma „DiaPat“ zu Forschungszwecken kooperiert und Urinproben zur Verfügung gestellt. Nach Anfangserfolgen brachte das hannoverische Unternehmen den Urintest, entgegen dem Rat der Mediziner und nach Aussage Semjonows „zu früh“, auf den Markt. Semjonow lehnte die Verantwortung ab und betonte dafür bereits 2007 in einer Fachzeitschrift, „keine Konsequenzen aus dem Testergebnis zu ziehen“.

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