Münsterland
Der vermisste Prinz - Spurensuche im Mittelmeer

Steinfurt/Marseille . Christian Fürst zu Bentheim und Steinfurt hat 65 Jahre gehofft. Es war vergebens. Sein Bruder Alexis ist tot. „Ich habe mir immer vorgestellt, dass er über See abgesprungen und von einem amerikanischen U-Boot aufgefischt worden...

Dienstag, 02.12.2008, 18:12 Uhr

Steinfurt /Marseille. Christian Fürst zu Bentheim und Steinfurt hat 65 Jahre gehofft. Es war vergebens. Sein Bruder Alexis ist tot. „Ich habe mir immer vorgestellt, dass er über See abgesprungen und von einem amerikanischen U-Boot aufgefischt worden ist und dann iin Amerika wieder auftaucht.“ Doch es war anders: Alexis ist am 2. Dezember 1943 mit seiner Messerschmitt Me 109 ins Mittelmeer gestürzt – genau an dem Tag, an dem sein jüngerer Bruder selbst das erste Mal mit einem Flugzeug abhebt. „Ich habe mich damals gewundert, dass er mir nicht zum Geburtstag geschrieben hat“, sagt der Fürst, der am Dienstag 85 wird. Jetzt weiß er, warum. Drei Fischer sollen damals den Piloten aus dem Meer gezogen und auf der Insel beerdigt haben. Aufgedeckt hat das das ZDF mit dem Film „Duell in den Wolken“, den es am Sonntag gezeigt hat.

1965 hat ein Arzt und Hobbyarchäologe die Gebeine des Kampffliegers gefunden. Dieser „Doktor Albert“ glaubte, dass der Schädel von einem Unbekannten aus grauer Vorzeit stamme. Er schenkte ihn seiner Tochter, und die nahm ihn mit, als sie nach Amerika auswanderte. Als sie – fälschlicherweise – erfuhr, dass es sich um Exupéry handeln könnte, sei sie geschockt gewesen. „Er hatte wohl einen Hang zur Anatomie“, sagt ZDF-Redakteur Willi Waschull über den Mediziner. Und er besaß die Pietätlosigkeit, den Schädel zu verschenken. Wo der Rest des Leichnams liegt, ist ein Rätsel. „Ich weiß das nicht“, sagt Christian Fürst Bentheim.

Prinz Alexis ist der Erstgeborene des Hauses Bentheim. Er begann seine Ausbildung zum Jagdflieger mit 19 Jahren, war eineinhalb Jahre älter als Christian. Er war einer von 20 deutschen Soldaten der Jagdgruppe Süd, die am 2. Dezember 1943 – gestern vor 65 Jahren – vor Marseille 150 amerikanische Flieger angriffen. Dabei schossen die Amerikaner zwei Maschinen ab. In einer Messerschmitt 109 Me sitzt Prinz Alexis. Seitdem gilt er als vermisst. Ein DNA-Vergleich der beiden Brüder aber beweist: Alexis‘ Rätsel ist gelöst.

Das gelang nur, weil auch das Rätsel um Saint-Exupéry aufgeklärt ist. Den Anfang machte der Fund eines Armbands, das dem Dichter gehörte. Ein Fischer hat es aus dem Meer gezogen und löste so eine zehnjährige Suche nach dem Autor des Buches „Der kleine Prinz“ aus.

Exupéry war am 31. Juli 1944 mit seiner P-38 Lightning losgeflogen, weil er deutsche Stellungen fotografieren sollte, erklärt Waschull. Dabei wurde er abgeschossen.

Nach dem Fund des Armbands beginnen Taucher, auf dem von abgestürzten Flugzeugen übersäten Meeresboden jene von Exupéry herauszusuchen. Sie haben Erfolg, aber dann verhindern die Erben die Bergung des Wracks. Erst 2003 bekommen die Forscher die Chance. Letzte Gewissheit erhalten sie 2006, als Horst Rippert, Bruder von Ivan Rebroff, sagt: „Sie können aufhören zu forschen. Ich habe Saint-Exupéry abgeschossen.“ Jahrelang hatte Rippert sich gefragt, ob er es war, der den Dichter tötete. Aber als die Meldung von dem Armband auftauchte, war er sich sicher.

Exupérys Leiche ist nie gefunden worden. Experten vermuten, dass sie sich im Meereswasser aufgelöst hat. Auch Christian Fürst zu Bentheim glaubt nicht mehr, die Gebeine seines Bruders noch einmal zu sehen. Aber die Freude über das Ende der Unsicherheit ist für ihn größer als die Gewissheit über seinen Tod: „Für mich ist das eine Kette von gottgesteuerten Momenten. Es ist der beste Gottesbeweis, den es gibt.“|
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