Münsterland
Schwein überträgt Klinik-Keim - Euregio unterstützt Erforschung

Münster - „Ich bin froh, dass ich in Münster lebe“, sagt Dr. Alexander Friedrich, Privatdozent und tätig im Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster. Froh ist der Mediziner über seinen Wohnort deshalb...

Dienstag, 01.09.2009, 18:09 Uhr

Münster - „Ich bin froh, dass ich in Münster lebe“, sagt Dr. Alexander Friedrich , Privatdozent und tätig im Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster. Froh ist der Mediziner über seinen Wohnort deshalb, weil in Münster und im Münsterland anders als in vielen anderen Regionen der Republik konsequent gegen den resistenten Haut- und Krankenhauskeim MRSA vorgegangen werde.

Froh ist er überdies, in der hiesigen Region zu leben, da „ die Euregio zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat“. Mit diesem Geld sollen Münster- und Niederländer einen neuen Übertragungsweg des Keimes von Schwein, Rind, Huhn und Pferd auf den Menschen und die daraus resultierenden Folgen wissenschaftlich untersuchen.

Für gesunde Menschen ist der Hautkeim MRSA, der sich am häufigsten in der Nase befindet, ungefährlich. Wird er entdeckt, reicht eine Salbe, um ihn zu eliminieren. Kommt ein MRSA-Träger aber unerkannt ins Krankenhaus und wird operiert, kann dieser Keim in seine eigene Blutbahn, aber auch in die eines Mitpatienten geraten. Der Hautkeim wird zum Wundkeim. Die Folge: Antibiotika helfen kaum noch, „30 bis 50 Prozent der Patienten, die diese Blutvergiftung bekommen, sterben“, sagt Friedrich.

Erst seit Kurzem wissen die Mediziner, dass auch Schweine, Rinder, Pferde oder Hühner - also Tiere auf Bauernhöfen - MRSA übertragen. Brenzlig wird es dann auch hier, wenn Kontaktpersonen ins Krankenhaus kommen. Diese Problematik, sagt Friedrich, mache derzeit selbst die Niederländer nervös, die ansonsten MRSA dank je eines Facharztes für Hygiene in jedem ihrer 100 Krankenhäuser und damit dank guter Hygiene und eines kontrollierten Umgangs mit Antibiotika schon seit den 80er Jahren im Griff hätten. In Deutschland gebe es 2780 Krankenhäuser, aber nur 500 bis 600 Mikrobiologen beziehungsweise Hygiene-Fachärzte an den Krankenhäusern. Viele Kliniken auch in anderen EU-Ländern „überlassen es dem Zufall, ob MRSA Patienten befällt“, sagt Friedrich.

Alexander Friedrich ist Projektleiter für das Münsterland beim deutsch-niederländischen Präventionsnetzwerk MRSA-net, das laut Robert- Koch-Institut Vorbildcharakter für die MRSA-Bekämpfung deutschlandweit hat. In den 40 Kliniken in Münster und dem Münsterland (inklusive Uniklinikum) haben laut Friedrich 2008 42 Patienten eine Sepsis durch MRSA bekommen. In den Niederlanden habe es nach vielen Jahren erstmalig wieder einen Fall im Dezember 2008 gegeben - über den neuen Übertragungsweg. In anderen Regionen der Bundesrepublik oder auch in Ländern wie Großbritannien seien es aber zirka 200 Fälle pro Krankenhaus - mit den entsprechenden Todesfällen.

Friedrich macht deutlich: „Es gibt nicht 40 Krankenhäuser im Münsterland. Aus Sicht des Bakteriums gibt es nur ein Krankenhaus mit 40 Gebäuden.“ Am Uniklinikum Münster wird jedem neuen Patienten ein kleines Stäbchen mit Wattebausch in den Mund gehalten, er wird mittels dieses Abstrichs auf MRSA getestet. In den anderen Krankenhäusern Münsters und des Münsterlandes werden laut Friedrich 30 Prozent der Patienten getestet - Risikopatienten. „Das reicht aus.“ Und zu diesen Risikopatienten gehören - erst seit Oktober vergangenen Jahres - Landwirte.

Dr. Alexander Friedrich bestätigt, dass die Zahl 40 000 genannt wird, wenn darüber geredet wird, wie viele Menschen jährlich in Krankenhäusern in Deutschland aufgrund einer MRSA-Blutvergiftung sterben. Er will diese Zahl aber weder bestätigen noch dementieren. Seit dem 1. Juli 2009 seien MRSA-Fälle meldepflichtig. Friedrich geht davon aus, dass etwa in einem Jahr belastbare Zahlen vorliegen. Zur Panik bestehe kein Anlass. Der Facharzt: „Aber wir müssen wachsam sein.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/455492?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F599467%2F599478%2F
Soll der Marienplatz neu gestaltet werden?
Pro & Contra: Soll der Marienplatz neu gestaltet werden?
Nachrichten-Ticker