Münsterland
Niederländisches Museum dokumentiert Kriegszeiten in der Grenzregion

Mittwoch, 03.02.2010, 20:02 Uhr

Aalten / Münster - Von der Geschichte lernen? Das ist ein hehrer Ansatz, mit dem man Kinder und Jugendliche aber nicht unbedingt hinter dem Ofen hervorlockt. Von der Geschichte lernen für die Gegenwart - das Museum „Markt 12“ im niederländischen Aalten hat diesen Schritt gewagt: „Grenzfälle 1933 bis 1940“ heißt die Ausstellung, die aus Anlass der sich im Mai zum 65. Mal jährenden Befreiung von Nazi-Deutschland konzipiert worden ist.

Flüchtlinge, das waren zumeist Menschen aus Deutschland, die in den Niederlanden Zuflucht suchten vor den Häschern des Regimes. „Insgesamt“, sagt Hans de Graaf, der Sprecher des Museums, „sind in der Zeit von 1933 bis zum Einmarsch der Wehrmacht knapp 40 000 Menschen über die Grenze geflüchtet“.

Deren Schicksal dokumentiert die zweisprachige Ausstellung exemplarisch. Da ist zum Beispiel der deutsche Journalist Alfred Moser , der im „Achterhoek“ genannten Zipfel der Provinz Gelderland untertauchte. Er überlebte. Andere hatten weniger Glück, leider auch Helfer. Drei Schicksale dokumentiert das Museum. „Sie alle starben in Konzentrationslagern“, sagt van der Graaf.

Hier Opfer, da Täter: „Bis vor einigen Jahren noch waren die meisten Niederländer der Ansicht, sie seien die Guten und die Deutschen die Schlechten gewesen“, sagt de Graafs Kollegin Bea van der Kooi. Bei den Vorbereitungen zur Ausstellung fanden die Macher in alte Polizeiarchiven heraus, „dass die Zahl der Kollaborateure deutlich höher war, als gemeinhin angenommen wird.“ Gottlob gibt es auch positive Beispiele. Wie das des Ortsvorstehers von Jan Verbeek von Dinxperlo. „Er hat in seiner Stadt so viele Flüchtlinge versteckt, wie er nur konnte“, sagt de Graaf. 1939 wurde er seines Amtes enthoben.

Bis Pfingsten ist die Ausstellung in Aalten zu sehen. Danach geht sie auf die Reise. Interesse angemeldet haben schon die Städte Münster und Borken.

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