Münsterland
„Ich will ja nicht Goethe überholen“

Dienstag, 16.11.2010, 05:11 Uhr

Rheine. Hätten Sie´s gedacht? Die Münsterländische Volkszeitung präsentiert ihren Lesern jeden Samstag auf der Seniorenseite quasi einen regionalen Bestseller-Autor. Otto Pötter , Verfasser der wöchentlichen Hackemaih-Kolumne, ist der momentan wohl meistgelesene plattdeutsche Autor im Münsterland und im Emsland.

Pötters Erstling, der wie die wöchentliche MV-Kolumne den Titel „Hackemaih“ trägt, ist in einer Auflage von 3000 Exemplaren herausgegeben worden. Bis auf kleine Restposten ist der Band vergriffen. Gleiches gilt für den Nachfolger „Kalennerblättkes“. Die Auflage von 2200 Stück ist wohl auch bald vollständig aus den Regalen der Buchhandlungen verschwunden. „Pötter läuft bei uns sehr, sehr gut“, bestätigt Dirk F. Paßmann, Leiter des Verlages Aschendorff in Münster .

Kein Wunder also, dass der Verlag Aschendorff die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Pötter fortsetzt und in dieser Woche, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, das dritte Bändchen mit Pötters plattdeutschen Kurzgeschichten herausbringt. „Notizen von Fietsen un Miezen - un süss so wat up Platt“ heißt das Buch, das in der kommenden Woche im Handel erhältlich ist.

Der Rheinenser Otto Pötter bleibt in seinem neuen Buch seiner bewährten schriftstellerischen Linie treu. Kurze, plattdeutsche Geschichten zum Schmunzeln mischen sich mit durchaus philosophischen Gedanken über Gott und die Welt. „Aber keine Angst, Goethe will ich nicht überholen“, sagt Pötter.

Selbst für plattdeutsche Anfänger sei sein Bändchen geeignet. „Die plattdeutsche Schreibweise ist so gewählt, dass das auch jene lesen können, die im Plattdeutschen nicht so drinstecken, aber dennoch Freude an der Mundart haben“, sagt Pötter.

„Auf dieses Buch haben schon viele gewartet“, sagt Alfred Brömmelhaus , ehemaliger Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Josef Rheine, in einer Vorab-Rezension. „Kein Wunder, mit seinen gekonnt und leicht erzählten Episoden und Gedichten, die mal heiter, mal sinnig sind, versteht Pötter es, dem Leser das angenehme Gefühl zu hinterlassen, er habe gerade mit einem guten alten Bekannten ein richtig schönes Schwätzchen gehalten“, schreibt Brömmelhaus weiter.

Die liebevoll geschriebenen Erzählungen „machen munter im Kopf und warm ums Herz; sie unterhalten so ´richtig schön up Platt“, sagt der emeritierte Pfarrer, der das Plattdeutsche selbst aus dem Effeff beherrscht. Seite für Seite offenbare sich bei Pötter mit einem schelmischen Augenzwinkern die menschliche Wärme des Plattdeutschen.

Leider wüssten viele nichts mehr damit anzufangen, bedauert Brömmelhaus. „Da hört man oft, gerade von jungen Leuten: Platt sprechen kann ich nicht (mehr), aber wenigstens verstehe ich noch was davon.“ Es wäre schade, wenn eines Tages dieses unwiederbringliche Kulturgut für immer verloren ginge.

Bietet sich da nicht das Hörbuch als ideales Medium an? „Klar“, sagt Pötter frei heraus, „das wäre eine tolle Sache - aber da ist kein Pfennig dran zu verdienen.“

Wie schon bei den beiden Vorgängern aus dem Aschendorff-Verlag darf der Leser bei „Fietsen und Miezen“ wieder mit plattdeutscher Feinkost für Herz und Seele rechnen. Die wunderschönen Wortkompositionen sind ein Genuss für die, die gute heimische Kost noch zu schätzen wissen. Die Bilder des Berliner Grafikers Markus Pötter, Sohn des Autors, runden die Texte auf schöne und ansprechende Weise ab und schaffen es, das Buch noch kurzweiliger zu machen.

Otto Pötter: Notizen von Fietsen un Miezen - un süss so wat up Platt, Verlag Aschendorff, Münster, 2010, ISBN 978-3-402-12861-9, fester Einband, 160 S., 14,80 Euro.

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