Besitzerin trauert um ihr Tier
Jagdpächter erschießt Katze

Montag, 04.07.2011, 23:07 Uhr

Metelen - Nicole Schrimpf kann es immer noch nicht fassen: Ihre Katze „Lisa“ wurde in der vergangenen Woche in der Umgebung ihres Hauses Naendorf 116 erschossen. Jagdpächter des Reviers ist Willi Roters , der den Abschuss am Montagabend bestätigte.

Das Tier habe sich „ziemlich am Ende“ des Weges, der von der B70 zum Haus der Schrimpfs führt, befunden. Damit sei es „etwa 300 Meter“ vom nächsten Haus entfernt gewesen, sagt Roters. „Wenn eine Katze im Außenbereich mindestens 150 Meter von einem Haus entfernt ist, darf man sie erschießen, weil sie dann als wildernd oder streunend gilt. Da hinten ist doch nur Prärie. Da war klar, wenn sie um die Uhrzeit dort unterwegs ist, streunt sie“, erklärt Roters.

Der Schuss fiel gegen kurz nach 22.30 Uhr. Nicole Schrimpf hat ihn gehört. Als „Lisa“ im Gegensatz zu ihren drei samtpfötigen Kollegen am Morgen nicht wieder kam, war für die Metelenerin alles klar. Am Abend hatte sie gesehen, dass der Jagdpächter in seinem Revier unterwegs war.

Die Tierfreundin glaubt nicht, dass „Lisa“ sich tatsächlich soweit vom Haus entfernt befand. „Zum einen ist sie nie soweit gelaufen, zum anderen kann man auf diese Entfernung in der Dunkelheit die Katze gar nicht erkennen“, ist sie überzeugt. Denn der Jäger gibt an, das Tier geschossen zu haben, als er zu seinem Auto zurückkehrte. Dieses stand auf Höhe des letzten Hauses an der Straße. Von dort aus hätte die Katze laut Landesjagdgesetz mindestens 200 Meter entfernt sein müssen. „Das heißt, er hätte sie auch aus diesen 200 Metern Entfernung erkennen und erschießen müssen. Das geht bei den Lichtverhältnissen nicht“, sagt Schrimpf.

Tatsächlich besagt das Landesjagdgesetz Nordrhein-Westfalen: „Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt, wildernde Hunde und Katzen abzuschießen. Als wildernd gelten Katzen, die im Jagdbezirk in einer Entfernung von mehr als 200 Metern vom nächsten Haus angetroffen werden.“ Diese Regelung soll das Wildern von Katzen unterbinden.

„Die holen auch Junghasen, Fasanen und Singvögel, nicht nur Mäuse. So ein Tier kann man dann nicht laufen lassen“, erklärt Roters, der seit 1976 einen Jagdschein besitzt. Wenn die Tiere „so weit außerhalb“ unterwegs seien, dürfe man nicht lange fackeln. Die Entfernung zuvor zu messen, sei nicht möglich. „Ich kann das ja schlecht erst ablaufen.“ Er rät: „Wenn die Tiere ein Blinklicht oder ein Halsband tragen, ist zu erkennen, dass sie irgendwo hingehören.“ Die Katze sei ihm zuvor noch nicht aufgefallen.

Demgegenüber betont Ralf Krude, Leiter des Hegerings Metelen: „Eigentlich schießt kein Jäger so eine Katze, wenn er sie das erste Mal sieht. Es ist zwar gesetzlich erlaubt, aber in der Regel beobachtet man das mal und schießt erst, wenn das häufiger vorkommt.“ Derzeit zögen gerade die Fasane ihre Küken groß, „da rate ich ohnehin jedem Katzenbesitzer zu versuchen, sein Tier zu Hause zu halten“. Aber grundsätzlich, unterstreicht Krude, darf ab 200 Metern Entfernung vom Haus geschossen werden.

Nicole Schrimpf schmerzt der Verlust des achtjährigen Tieres sehr. „Die war so treu. Das hat sie nicht verdient“, sagt sie und überlegt nun, Anzeige zu erstatten.

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