Wissenschaftsradweg
Aha-Erlebnisse an der Aa auf der „Expedition Münsterland“

Freitag, 15.07.2011, 00:07 Uhr

Havixbeck/ Münster - Die Route ist ein Prototyp. Für weitere quer durchs Münsterland, „etwa nach Haltern zum Römermuseum“, wie Dr. Wilhelm Bauhus in die Zukunft denkt. Der Leiter der Arbeitsstelle For­schungstransfer der Uni Münster (AFO) war es auch, der mit Landschaftsökologin Catharina Kähler den ersten Wissenschaftsradweg der Reihe „Expedition Münsterland“ ersann: entlang der Aa bis zu deren Quelle. Zahlreiche Aha-Erlebnisse warten auf jene, die sich aufs Abenteuer „Wissenschaft (er)radeln“ einlassen wollen. Damit das Ganze sicher bleibt, hat die Uni als bundesweit erste den Allgemeinen Deutschen FahrradClub (ADFC) ins Boot geholt, der die 36 Kilometer begleitet. » Los geht´s am Juridicum in Münster, „wo wir erst einmal in die Expedition Münsterland einführen“, so Bau­hus. Wissenschaft der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen - so könnte das Motto lauten. Und schon geht es mit der Frage in medias res: Warum ist die Aa in Münster kanalisiert? » Zweite Station: Der Wasserbär, eine Wehranlage, die im Mittelalter den Wasserstand regulierte. » Nächster Halt ist der Aasee: Naherholungsgebiet und Frischluftschneise, bietet der Binnensee ­Spa­ziergängern, Joggern und Radfahrern eine reizvolle Freizeit-Kulisse. » Der Bernhard-von-Galen-Damm erzählt Spannendes über Münsters Militärgeschichte. » Haus Kump, das älteste landwirtschaftliche Gebäude der Stadt: Der Speicher anno 1549 zeugt von der frühen Besiedelung Münsters. » Was in der Aa an der Zugabestelle Roxeler­straße als bräunliche Einfärbung des Wassers zu sehen ist, „ist Eisen-III-Chlorid - hinzugegeben, um den Phosphatgehalt zu senken“, wie der AFO-Leiter erklärt. Der Hintergrund: Die Aa ist überdüngt. » Vor 130 Jahren wurde in Gievenbeck in den Bergwerken Berta I und II das Mineral Strontianit abgebaut, für Feuerwerkskörper und Leuchtspurmunition verwendet. » Die Wittoverstiege erinnert an einen der ältesten Höfe in der Region, Hof Wittover. Die dortige Furt über die Aa wurde um 1810 von der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff genutzt. Heute stellt die Renaturierung Nistplätze für Störche bereit. » Station neun auf dem Weg nach Nienberge bietet von einer Brücke aus einen guten Blick auf die renaturierten Flächen.» » Die laut Bauhus unheimlichste Stelle der Tour ist der V 2-Verfügungsraum. „Kaum jemand weiß, dass während des Dritten Reiches in einem Wäldchen nahe der Burg Hülshoff V2-Raketen geparkt waren“, erzählt er. » Aus der Luft sind Reste der Gräftenanlage Schonebeck zu sehen, beflogen wurde die Stelle durch Flugroboter. » An Beckfelds Mühle gibt es von der Aabrücke einen guten Blick auf den Erlenbruchwald. » Mit historischen Aspekten des Staurechts beschäftigen sich die Radler bei der Klostermühle Hohenholte. » Der Ort Hohenholte selbst geht zurück auf ein früheres Frauenkloster, das zu napoleonischer Zeit säkularisiert wurde. » Vor rund 20 Jahren gab es einen Versuchsmast der Uni Münster für Extremwetterlagen: In einem Faraday´schen Käfig wurde ein Wissenschaftler hinaufgezogen, der vor Ort forschte. » Der Bedeutung des Staurechts in heutiger Zeit gehen die Radfahrer bei Stapels Mühle auf die Spur: Was bedeutet in diesem Zusammenhang die europäische Gewässerrahmenrichtlinie? Auch werfen sie einen Blick auf die Fischfauna in der Aa. » Das Wasserschloss Haus Stapel dient als Kulisse für den Film „Bauer Seesing und Herr Baron“, den Uni und Landschaftsverband 2008 gedreht haben. » Wohl um die 1000 Jahre alt dürfte das Steinkreuz Poppenbeck sein, das voll ist von religiöser Symbolik. Wahrscheinlich geht es zurück auf den Todesfall eines Pilgers auf dem Jakobsweg. » Raus aus der Uni, hin zum Ursprung des Gewässers, dieses Ziel erreichen die Teilnehmer an der Quelle der Aa in Havixbeck. » Endpunkt der Tour ist das Sandsteinmuseum in Havixbeck. Für die Rückfahrt können die Teilnehmer wählen zwischen der Baumbergebahn, einem Bus mit Radanhänger oder einer Rückfahrt per Leeze mit weiteren Wissenschaftsorten und einer Übernachtung. „Das ist was für Enthusiasten“, so Bauhus. Ihm ist wichtig, dass bei den Radtouren Rücksicht genommen wird auf die Bewohner der durchfahrenen Orte und Grundstücke. Angedacht ist, die gesamte Tour künftig von Studenten führen zu lassen - um der möglichen Nachfrage Herr zu werden.

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