Dülmener Sommer
Sommertheaterabend erzählt von den Stürmen des Lebens

Mittwoch, 03.08.2011, 19:08 Uhr

Dülmen - Sie sollten Bewegung bleiben - dazu wurde die Zuschauer des Sommertheaters am Dienstagabend vor Beginn der Aufführung von einer jungen Dame mit unverkennbar französischem Akzent aufgefordert. Und tatsächlich: Wer auf seinem mitgebrachten Stuhl oder einem der raren Tribünenplätze sitzen blieb, anstatt den Akteuren bei ihrer Reise über den Marktplatz zu folgen, der riskierte, etwas zu verpassen.

Wobei das deutsch-französische Theater Fragile aus Berlin in seinem Stück „Himmel in Sicht“ keine komplexe Geschichte entwickelte, sondern auf die Aufeinanderfolge ausdrucksstarker Bilder setzte. Auf grauen, kastenartigen Bühenelementen agierten die Helden des Stückes: alte Männer in grob gestricktem Pullover und ausgebeulter Hose, die sich bei einer Tasse Kaffee alte Fotos ansahen und sich köstlich amüsierten.

Dann wieder waren sie heftigen Stürmen ausgesetzt oder mussten sich der Konfrontation mit einem riesigen Fisch stellen. In weißen Fischer- oder Matrosenkleidung zerrten und stießen die anderen Ensemblemitglieder die sperrigen Bühnenelemente über den unebenen Marktplatz, manchmal auch mit Hilfe einzelner Zuschauer.

Sie trugen lange Stangen durch die Zuschauermenge, an deren Ende nette, blaue Fische zu sehen waren, ließen eine Möwe über die Köpfe der Zuschauer dahinschweben, einen gewaltigen Fisch die Menge durchqueren oder sie wickelten lange Stoffbänder ab und legten sich in langen Bahnen über den Marktplatz, auf denen Erfahrungen eines mehr als achtzigjährigen Lebens zusammengefasst waren.

Denn auch wenn das überraschend lebendig wirkende Maskenspiel der Akteure auf dem Marktplatz stumm war und nur von Musik begleitet wurde, verzichtete das Theater Fragile nicht auf das gesprochene Wort: Passagen aus Interviews wurden eingespielt, in denen sehr alte Menschen auf ihr Leben zurückblicken, ihre gegenwärtige Situation beschreiben und formulieren, welche Erwartungen und Wünsche sie noch für die Zukunft haben.

Diese Aussagen waren auf den weißen Stoffbahnen zu lesen. Am Ende der Aufführung konnten die Zuschauer die kompletten Interviews hören. Dazu wurde einfach an der Seite des sperrigen grauen Bühnenelements eine Hörbar ausgefahren. Wer wollte, setzte sich einen Kopfhörer auf und lauschte.

Eine weitere Klappe wurde geöffnet, hier gab es Kaffee. Etliche der knapp 900 Zuschauer nahmen dieses Angebot an, so mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen, das Erlebte nachwirken zu lassen und an dem lauen Sommerabend auf dem Marktplatz zu verweilen.

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