Pferde im Merfelder Bruch
Der Wald als Weide

Donnerstag, 18.08.2011, 18:08 Uhr

Münster / Dülmen - Der Wald liegt wenige Huftritte entfernt, doch die falbenfarbene Herde auf der Wiese pflegt gerade den Müßiggang. Fast 350 Dülmener Wildpferde stehen dösend in der Sonne. Mal wedelt der Schweif, mal zuckt die Mähne - mehr mutet sich keiner der Vierbeiner zu. „Im Wald“, erzählt Försterin Friederike Rövekamp , „würden sie jetzt nur die Insekten ärgern. Da bleiben sie bei diesem Pferdewetter lieber auf der Wiese.“

Doch das ist nicht immer so. Zwar ist die „Waldbeweidung“ seit langem untersagt, doch die unter Schutz stehenden Pferde im Merfelder Bruch haben eine Sondergenehmigung. Für sie gehört der aufgeräumte Kiefernwald zum über 350 Hektar großen Lebensraum, den ihnen Herzog von Croÿ zugesteht. Wald, in den sich die Herdentiere im tiefen Winter zurückziehen können. Wald, in dem sie andere Nahrung finden als Gras. Hier rupfen sie Kräuter, Pflanzen oder Triebe, knabbern und reißen an der Baumrinde. Für die Försterin, die die Wildpferdeherde im Blick hat, ein Verhalten, das schon die Fohlen und Einjährigen von den Stuten lernen: „Sie finden dort Stoffe, die sie für ihre Gesundheit brauchen. Denn den Tierarzt sehen sie hier nie.“ Die Wildpferde sollen möglichst natürlich aufwachsen. Der Mensch beeinflusst die Zucht, um die Herde nicht zu stark wachsen zu lassen. Einmal im Jahr - am letzten Samstag im Mai - werden die einjährigen Hengste eingefangen. Friederike Rövekamp: „Und in ganz strengen Wintern gibt es etwas Heu.“

Der Mensch benutzt den Wald schon lange als Weide: Er trieb Schweine in den Wald, wo sie Eicheln und Bucheckern fraßen. „Man spricht heute noch von der Mast im Wald“, erläutert Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Regionalforstamtes Münsterland. Die Schweine waren nicht allein, auch Rinder und Pferde wurden von der Wiese in den Wald geschickt. Besser sie hielten sich dort auf als auf den Feldern.

Große Pflanzenfresser können einem Wald aber ordentlich zusetzen. Trottet eine Herde durch den Forst, bleiben Pflanzen und Sträucher auf der Strecke. Der Boden wird verdichtet. Hat sich die Herde auch noch die Knabberei an den Rinden angewöhnt, sterben einzelne Bäume ab. Auch im Merfelder Bruch kann man gut erkennen, dass der Wald im unteren Bereich licht und offen wirkt. Dichtes Unterholz ist hier selten.

Pferde im Wald sind nach der reinen Lehre zwar untypisch. Doch haben Forstexperten erkannt, dass man die Besucher durchaus zulassen kann, um einen Wald zu verändern oder einen Übergang von Wald zur Wiese zu schaffen.

Die Wildpferde sind in Westfalen nicht mehr die einzigen Nutztiere, die in den Wald ausweichen dürfen. In Warburg-Hardehausen unterhält die Landesforstverwaltung NRW ein Wisentgehege, am Emsauenweg im Raum Warendorf grasen Heckrinder, und auch in der Davert im Raum Senden/Münster sollen sie bald beheimatet sein. Hochhäuser: „Wir wollen die Vielfalt der Lebensräume zeigen.“ Doch auch für die Projekte mit den großen Nutztieren gilt: „Den Wald kann man nur verstehen, wenn man weiß, woher er kommt.“

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