Londoner Studie
Rußpartikel in Radfahrer-Lungen

Donnerstag, 27.10.2011, 00:10 Uhr

Münster - Dass Radfahren alles andere als ungefährlich ist, zeigt der Blick in die polizeiliche Unfallstatistik . Nach Einschätzung von Wissenschaftlern der Londoner School of Medicine setzen sich Radler aber auch noch einer unsichtbaren Gefahr aus - den Autoabgasen. Im Rahmen einer Studie haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass sich in den Lungen von Radfahrern, die regelmäßig in größeren Städten unterwegs sind, eine deutlich höhere Konzentration an Rußpartikeln befindet als in den Lungen von Fußgängern: weil Radler nicht selten direkt hinter den Auspuffen fahren, aber auch, weil sie - aufgrund der Anstrengung - häufiger und tiefer einatmen. Dies berichteten die Londoner Wissenschaftler jetzt auf dem Jahrestreffen der European Respiratory Society. Inhalierbare Rußpartikel entstehen durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen, also auch durch Autos. Nach den Angaben der Wissenschaftler erhöht sich das Gesundheitsrisiko, je mehr Rußpartikel man inhaliert. Unter anderem könne es zu einer reduzierten Lungenfunktion oder zum Herzinfarkt kommen. Die Wissenschaftler raten Verkehrsplanern, in Zukunft Radwege noch stärker von Straßen zu trennen sowie mehr Straßen für Radfahrer zu reservieren. Der münsterische Pneumologe Prof. Dr. Rainer Wiewrodt bezeichnet die Londoner Untersuchung als „sehr interessante Studie“. Ihre Aussagekraft sei jedoch begrenzt, da die dortigen Wissenschaftler die Lungen von lediglich zehn Testpatienten untersucht hatten. Gleichwohl könne sie als Anstoß dienen, die Ergebnisse im Rahmen einer breit angelegten Studie zu überprüfen. Wiewrodt betont zudem, dass man bei entsprechenden Untersuchungen zwischen Ländern mit starker und Ländern mit schwächerer Luftverschmutzung unterscheiden müsse - die Luftqualität in Deutschland habe sich jedenfalls in den letzten Jahren deutlich verbessert. Aber natürlich sei es auch hierzulande nicht ratsam, sich im dicken Berufsverkehr zu bewegen oder direkt hinter einem Lkw-Auspuff zu fahren.

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