Diskussion über umstrittene Straßennamen
Soll die Erinnerung bewahrt werden?

Dienstag, 27.12.2011, 18:12 Uhr

Ochtrup - Die einen haben sie bereits hinter sich, in anderen Orten ist sie in vollem Gange. Und in wieder anderen - wie Ochtrup - ist sie noch gar nicht geführt worden. Die Rede ist von der Diskussion über Straßennamen , die an Menschen erinnern, die sich für den Nationalsozialismus engagiert haben oder ihm nahestanden.

Neuenkirchen ist mit dem Thema bereits durch und hat die frühere Agnes-Miegel-Straße umbenannt. Auch in Horstmar und Wettringen ist die Sache erledigt, allerdings auf andere Weise. Dort weist jeweils ein Zusatzschild an der Karl-Wagenfeld-Straße auf die NS-Vergangenheit des Namensgebers hin. In Steinfurt läuft die Diskussion noch, und in Metelen startet sie am Montag im Bauausschuss. Für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe , der sich des Themas ebenfalls angenommen und ein Gutachten dazu in Auftrag gegeben hat, ist die Sache klar: Er empfiehlt, umstrittene Straßen umzubenennen.

In Ochtrup könnte das in zwei Fällen erforderlich sein: bei der Wagenfeld- und der Castellestraße. Letztere hat hier möglicherweise eine besondere Bedeutung, da Friedrich Castelle einige Jahre auf Haus Welbergen gelebt hat. Auch die Wagenfeldstraße stellt eine andere Situation dar, als in vielen anderen Orten. Denn sie kommt in Ochtrup ohne den Vornamen Karl daher. Damit muss sie nicht zwangsweise an den Schriftsteller und Repräsentanten rassistischer Anschauungen erinnern. Eine Anlehnung an den Designer und Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld wäre ebenfalls denkbar. „Das sollte dann allerdings in Zukunft durch ein Zusatzschild deutlich gemacht werden“, sagt Kai Hutzenlaub.

Der Bürgermeister kennt die Umbenennungsdiskussion aus vielen Kollegen-Runden. Der Auseinandersetzung mit dem Thema in Ochtrup will er nicht vorgreifen. Nur soviel macht er deutlich: „Es muss eine Entscheidung gefällt werden, ob die Erinnerung bewahrt werden soll. Doch das ist eine politische Entscheidung, daher werden wir das Thema demnächst im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Kultur beraten.“

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