LWL-Naturkundemuseum
Ein Pottwal für Münster

Sonntag, 20.11.2011, 18:11 Uhr

Meldorf / Münster - Der unangenehm süßliche Geruch verdrängt die Meeresbrise. Und trotzdem sind die Präparatoren des LWL-Naturkundemuseums im schleswig-holsteinischen Meldorf mit Herzblut bei der Sache. „Ich könnte sagen, ich würde mich ekeln, aber so ist es nicht“, sagt Werner Beckmann . Er ist der Chefpräparator des LWL-Naturkundemuseums in Münster.

Dorthin kommt das Skelett des vor Pellworm gestrandeten Pottwals und wird die Attraktion der Sonderausstellung des münsterischen Naturkundemuseums „Wale - Riesen der Meere“, deren Eröffnung für den Herbst 2012 geplant ist. Zu sehen sein werden dort dann nicht nur das Skelett, sondern auch andere Teile des Wals.

Die Knochen des Säugetieres werden erst einmal nach Stralsund gebracht. „Sie werden dort im Ozeaneum mazeriert“, erklärt Frank Tafertshofer vom LWL. Dazu kommen sie in große Becken, in denen die Fleischreste abgelöst werden. Das dauert mehrere Wochen.

Einige Einzelteile des Wals, unter anderem ein Auge und zwei Flossen, gehen direkt nach Münster und werden dort präpariert. Arlene Krause und Sandra Fünfstück, die nach Abschluss ihrer Präparatoren-Ausbildung bei Werner Beckmann ihr zweijähriges Volontariat absolvieren, werden auch dort mithelfen. Sie stört der Geruch ebenfalls nicht: „Man gewöhnt sich daran, so schlimm ist es nicht“, sagt Krause, die gerade einen großen Knochen am Haken hat, um ihn zur Seite zu ziehen.

Dr. Gerd Meurs, Meeresbiologe und Chef des Multimar in Tönning, leiten die wissenschaftliche Neugier und Faszination. Er und Thyge Jensen , ein pensionierter Biologe, suchen nach Antworten auf viele Fragen rund um die Meeressäuger. Vor allem darauf, warum sich immer wieder Wale in die flachen Küstenzonen der Nordsee verirren.

„Dies ist mein 39. Pottwal, und es ist spannend wie beim ersten“, sagt Jensen. Sie haben im Oberkiefer des Wals zwölf Zähne entdeckt, was sehr selten vorkommt und Rätsel aufgibt. Dass dieser Wal erst 25 Jahre alt sein soll, worauf wegen seiner Länge geschlossen wurde, glaubt Jensen nicht. „Das Tier muss älter sein, weil einige Zähne im Unterkiefer stark abgenutzt sind.“ Für die genaue Altersbestimmung müssen die Augen des Wals einer besonderen Untersuchung unterzogen werden.

Für den dänischen Wal-Experten Thyge Jensen und Gerd Meurs ist Werner Beckmann voll des Lobes. „Super, wie sie uns unterstützen, ganz große Klasse.“ Die Präparation des Pottwals ist die bislang größte Herausforderung für Beckmann: „So ein großes Tier hatte ich noch nie, das ist etwas ganz Besonderes.“

Nicht nur für ihn. Alle 30 Minuten werden kleine Gruppen zu dem Wal geführt - mit etwas Abstand können sie sehen, was geschieht. „Die kommen nicht aus Schaulust, sondern weil sie sich dafür interessieren, was wir hier machen“, freuen sich die Wissenschaftler über das Interesse an den großen Säugetieren.

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