Sonderausstellung im Rockmuseum
Freddie Mercury zeigte Zähne

Sonntag, 13.11.2011, 21:11 Uhr

Gronau - Wen interessiert, welche Farbe die Boxershorts von Freddie Mercury hatten, der wird bei der aktuellen Sonderausstellung des RocknPopmuseums fündig: Ein knallrotes Exemplar, das der grandiose Sänger der nicht minder grandiosen Rockband „Queen“ sein Eigen nannte, prangt gleich zu Beginn der Präsentation hinter Glas. Doch auch Besuchern und Fans, denen die Antwort auf diese Frage am Allerwertesten vorbeigeht, ist „A Kind of Magic“ durchaus zu empfehlen. 20 Jahre nach dem Tod des Sängers erinnert die Schau mit Fotos, Dokumenten, Plattencovern, Videos und Songs an eine Legende.

Aufschlussreicher als manche Exponate sind jedoch die Geschichten, die dahinterstecken. Die Besucher der Eröffnungsveranstaltung hatten Glück: Peter Freestone , der langjährige Assistent Mercurys. plauderte aus dem Nähkästchen. Anhand von Fotos erlaubte Freestone Einblicke hinter die Kulissen, ohne die Privat- oder gar die Intimsphäre des Künstlers zu verletzen.

Ein Bild zeigte einen breit lächelnden Mercury neben einem guten Freund. Das Besondere an dem Schnappschuss: Der Sänger verdeckt seine auffallenden Schneidezähne nicht, wie er es sonst in der Öffentlichkeit tat. „Ein Zeichen, dass er sich absolut wohl fühlte“, kommentierte Free­stone. Der Sänger habe sich geweigert, die Zähne richten zu lassen, weil er befürchtete, dass ein Eingriff negative Auswirkungen auf seinen Gesang haben könne.

Die Musik habe stets oberste Priorität gehabt. Sie war auch wichtiger als seine Krankheit. „Er hat nach der Aids-Diagnose bewusster, konzentrierter gelebt“, erzählte Freestone. Das Wissen um seine begrenzte Lebenszeit habe jedoch sein Streben nach Perfektion nicht beeinträchtigt. Solange etwas nicht vollkommen war, fand es nicht die Gnade des Künstlers: Free­stone präsentierte ein Porträtfoto Mercurys, das dieser mit einem Stift durchgestrichen hatte. „Warum? Ich weiß es nicht. Für mich ist das Foto ausgezeichnet, aber ihn hat irgendetwas gestört.“

Ein weiteres Bild zeigte Freunde an einem Sonntagmorgen in Mercurys Wohnung, vor sich die aktuellen Zeitungen. „Wir haben immer erst geguckt, ob nicht irgendetwas Unangenehmes über ihn drin stand, bevor er sie zum Lesen bekam.“

Freddie Mercury war auf eine seltsame Weise altmodisch: Sein Telefon hatte eine Wählscheibe, keine Tasten. Die Mikros bei Auftritten waren verkabelt, selbst als schon längst gute Funkmikrofone auf dem Markt waren. „Es funktionierte doch. Warum hätte er sich auf etwas Neues einlassen sollen?“

Geburtstagstorten im Hause Mercury waren Kunstwerke, von kreativen Konditoren erschaffen. „Er war immer schrecklich neugierig, wie sie aussehen würden, aber bis zum Fest waren sie immer top secret“.

Freestone selbst, so erzählte er im Gespräch mit Helmut Priebe und Andreas Voigts­ vom Queen-Fanclub Deutschland , hatte Mercury bei einem Auftritt in London kennengelernt. Er war dort für die Garderobe zuständig - man fand sich sympathisch und Queen engagierte ihn für eine sechswöchige Tour. Danach war zunächst Schluss - bis die Band wieder auf Tour ging, er erneut angeheuert wurde und zum Assistenten des Sängers aufstieg. Zu einem Mitarbeiter, dem Mercury auch schon mal die Ideen für einen neuen Song diktierte...

Das Exponat, das Free­stone in Gronau am stärksten rührte, ist das lacklederne Bühnenoutfit. „Das habe ich zum letzten Mal 1979 in der Hand gehabt. Als ich mit der Band auf Tour war.“

Die meisten Stücke hat übrigens der Gronauer Memorabilienhändler Ralf Zurloh dem Museum zur Verfügung gestellt. Und es gibt natürlich viel Musik - das war schließlich nicht nur für Freddie Mercury das Allerwichtigste.

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