Diva unter den Zimmerpflanzen
Billerbecker Orchideen-Züchter wurden bei der Bundesgartenschau prämiert

Billerbeck - Sie nicken von fast jeder Fensterbank, sind als Präsent nie verkehrt und holen einen Hauch Exotik in deutsche Wohnzimmer. Warum sie so beliebt sind? Ma­ria Schlieker lässt den Blick schweifen über das schier endlose Orchideen-Meer, das hier – in den Gewächshäusern ihres Billerbecker Betriebs – prächtig gedeiht.

Dienstag, 31.01.2012, 18:01 Uhr

„Na, die passen dazu, wie man sich heute einrichtet“, sagt sie dann. „Klare Linien. Klare Formen.“ Außerdem blühten Orchideen lange und immer wieder. Und das unter für Tropenpflanzen nicht gerade idealen Bedingungen.

Mal abgesehen von der Gattung Oncidium mit ihren zierlichen Blüten oder den Zygopetalum, die verführerisch nach Hyazinthen duften, hat die Orchidee an sich wenig Verspieltes. Sie ist die Diva unter den Zimmerpflanzen und fürwahr kein Mauerblümchen. Bei Maria und Ulrich Schlieker gäbe es 70 Sorten zu bestaunen, wären die Gewächshäuser für jedermann offen. Aber das sind sie nicht. „Wir produzieren für den Großhandel“, stellt die Gartenbautechnikerin klar. Ab und zu steht ein Züchter vor den Fenstern und lugt sehnsuchtsvoll hinein.

Kennen Sie die Blumen in Ihrem Garten?
Quiz

Foto: dpa

Den schickt sie dann wieder heim. „Wir verkaufen nicht an Privatleute“, sagt sie in solchen Fällen. 90 Prozent der Kunden sind Großhändler aus Deutschland , Österreich, Holland, der Schweiz und Tschechien. Weiß und gelb mit Dunkelviolett, das sind die Farben, die derzeit von denen stark nachgefragt sind. Kurzfristigen Trends hinterherzujagen aber, das hat für die Schliekers wenig Sinn. „Von der Kreuzung zweier Pflanzen hin zu größeren Mengen – das dauert gut fünf bis sechs Jahre.“

Was die Fachfrau schätzt an ihrem Beruf, sind die Reisen in ferne Länder. Wie Asien, wo sie neue Sorten und Techniken entdeckt. So hat sie ei­nen Frauenschuh aus Kambodscha nachgezüchtet: mit spitzen Blättern namens Paphiopedilum sukhakulii. Ihre Erfolge bleiben der Fachwelt nicht verborgen. Wurden sie und ihr Mann doch bei der Bundesgartenschau in Koblenz 2011 mehrfach ausgezeichnet. Will man von Konkurrenz für die Billerbecker sprechen, „Mitbewerber“, bevorzugt Maria Schlieker – so sind es vor allem die Niederländer. Die produzieren Orchideen in großen Mengen.

„Hoch technisiert, standardisiert, für den Kassenbereich der Supermärkte“, weiß die Ur-Ur-Enkelin des früheren Frankfurter Ober­bür­ger­mei­sters, deren Mädchenname „von Miquel“ dem Billerbecker Betrieb seinen Namen gab. Allein, das, was die Mün­sterländer ausmacht, wird der Diva un­ter den Zimmerpflanzen besser gerecht. Schlieker: „Wir suchen immer das Besondere.“

Ihre Lieblingssorte, sei der Frauenschuh, verrät Orchideen-Expertin Maria Schlieker: „Weil es in dieser einen Gattung eine Riesen-Vielfalt an Farben und Formen gibt.“ 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/647279?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F599353%2F599354%2F
Nachrichten-Ticker