Lehrer in spe lernen in einem Uni-Projekt, wie´s geht
Wie Kochen gegen Stress helfen kann

Peekje Rauschenbach steht am Gemüsestand und rechnet hoch, was sie heute alles zum Kochen brauchen. Die Studenten wollen ein Gazpacho machen, von roter Beete mit geräucherter Putenbrust. Lachs mit Fenchel und Olivenöl. Als Hauptspeise eine Kaninchenkeule, mit exotischen Gewürzen geschmort. Und zum krönenden Abschluss eine Schokoladencreme mit marinierten Zwergorangen.

Sonntag, 29.01.2012, 17:01 Uhr

Was nach Drei-Sterne-Menü klingt, ist doch bezahlbar. „Ob Sie es glauben oder nicht, jedes Menü kostet bei uns plus-minus sieben Euro pro Kopf“, sagt die 25-jährige Studentin der Gesundheitswissenschaften. „Gute Ernährung muss nicht teuer sein.“

Mit vollen Jutetaschen geht es vom Osnabrücker Wochenmarkt zur Lehrküche der AOK . Dort wartet schon Inge Westermann von der Abteilung Gesundheitsförderung der Krankenkasse und prophezeit: „Gleich läuft das hier ganz schnell. Die haben sich super-toll in Teams organisiert.“ Fürwahr, wenig später steht an jeder Ecke der Küche ein Student mit Messer und Brettchen, schnipselt Fenchel, hackt Knoblauch, Zwiebeln und Paprika. Peekje Rauschenbach dekoriert den langen Tisch mit zartrosa Kirschblüten. Aus Plastik, klar – zu dieser Jahreszeit. „Die gemeinsame Mahlzeit als kulturelles Gut“, kommentiert Projektleiter Uwe Neumann die liebevolle Herangehensweise der Studenten an etwas so Alltägliches wie: Essen.

Koch-Projekt für Lehramtsstudenten

Warum sich die angehenden Lehrer diesen sonnigen Samstag mit einem Uni-Projekt um die Ohren schlagen? Sie wollen später gute Pauker sein, wollen mit Stress umgehen können. Und nicht vorzeitig aus dem Job scheiden, wie viele ihrer Berufskollegen schon jetzt.

„Lehrer achten mit zunehmendem Berufsalter nicht mehr gut auf sich“, fasst Ulrike Dörfel (24) eine akuelle Studie unter 16 000 deutschen  Paukern und 2500 Referendaren zusammen. 42 Prozent quittieren vor der Altersgrenze ihren Dienst. Hintergründe sind Depressionen, Erschöpfung, Muskel-, Skelett- und Herzerkrankunen. Die deutschen Lehrer, sie brechen regelrecht zusammen unter ihrem Beruf.

Um etwas – Entscheidendes – anders zu machen, sind die Studenten der Uni-Osnabrück bereits zum fünften Mal hier. Klar werden sie später auch mit aggressiven Schülern konfrontiert, kriegen den Frust der Kollegen ab – und nur wenig Anerkennung von Eltern und Öffentlichkeit. Der Knackpunkt aber ist, wie sie damit umgehen werden. „Schutzfaktoren“ nennt Ulrike Dörfel etwa den Rückhalt aus Familie und Freundeskreis. Auch eine gesunde Ernährung kann ein Schutz sein gegen Stress, „weil sie die nötige Energie liefert für den Tag.“

Gemeinsam essen, sich Mühe geben bei der Zubereitung, hochwertige Zutaten verwenden und vorheriges bewusstes Einkaufen: all das erfülle eine soziale Funktion. Helfe abschalten und neue Leute kennenlernen. „Denn ob man sich einen Kochkurs bei der Volkshochschule aussucht oder einen bei der AOK, da sind sicher nicht nur Lehrer mit dabei“, glaubt Ulrike Dörfel. Sie guckt gerade Thomas Bühner auf die Finger, der mit einem Affenzahn Hähnchenschenkel säubert.

Er, der in seinem Gourmet-Restaurant „La vie“ in Osnabrück Menüs ab 120 Euro aufwärts anbietet, steht seit Wochen Pate beim Projekt der Osnabrücker Lehramtsstudenten. „Wertschätzung der Lebensmittel“, sagt er, „und die Zubereitung mit Liebe: Das sind die Grundrezepte eines gelungenen Essens.“ Der Preis spiele keine Rolle.

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