Interview
„Fröhlich und selbstbewusst“: Annette Kurschus wird Präses der Evangelischen Kirche

Münster/Bielefeld - Die Siegener Superintendentin Annette Kurschus (49) wird am Sonntag, 4. März, in ihr Amt als Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen eingeführt. Sie übernimmt das Amt von Alfred Buß (64), der in den Ruhestand geht. Wenige Tage vor ihrer Amtseinführung beschreibt Kur­schus gegenüber unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy ihre Gemütslage und erläutert ihre ersten Schritte im neuen Amt.

Mittwoch, 29.02.2012, 07:02 Uhr

Interview : „Fröhlich und selbstbewusst“: Annette Kurschus wird Präses der Evangelischen Kirche
Annette Kurschus Foto: EKvW

Frau Superintendentin, am Sonntag werden Sie Präses, also Landesbischöfin, einer der größten Evangelischen Landeskirchen in Deutschland . Was überwiegt da bei Ihnen: Respekt, ein mulmiges Gefühl gar, oder eher Vorfreude?
Kurschus : Es ist von allem etwas dabei. Und ich vermute, das ist diesem besonderen Amt angemessen. Mal tritt das eine mehr in den Vordergrund, mal das andere; je nachdem, welche Aspekte meiner zukünftigen Aufgaben mir gerade vor Augen sind. Auf manche Möglichkeiten und Bereicherungen freue ich mich; vor manchen Herausforderungen und Begegnungen habe ich großen Respekt; und es gibt auch das mulmige Gefühl im Blick auf einige hohe Erwartungen und Anforderungen, die in Zukunft an mich gestellt sind.

Viele Bischöfe gehen vor einer solchen Herausforderung in Klausur. Wie bereiten Sie sich geistig, geistlich und spirituell vor?
Kurschus: Ich habe die Zeit zwischen Wahl und Amtsantritt dazu genutzt, intensiv Rückschau zu halten auf das, was meinen bisherigen Lebensweg ausgemacht hat. Dieser Rückblick hat viel Kostbares in mein Bewusstsein gebracht, das ich nun dankbar mitnehme als Schatz, von dem ich zehren kann. Ich genieße es in dieser Zeit, häufig Gottesdienste zu besuchen - ohne eigene Aufgaben, ohne eigene Funktion. Nur mitfeiern, zuhören, mich berühren lassen. Dadurch habe ich geistlich aufgetankt. In der Musik - beim Singen und Cellospielen - kann ich spielerisch Vorfreude ausdrücken und Ängste loswerden, Spannung abbauen und Ruhe gewinnen, in Töne bringen, was mit Worten schwer zu sagen ist.
Gibt es ein besonderes Projekt, das Sie in den ersten Wochen Ihrer Amtszeit anstoßen möchten?
Kurschus: Kurz vor meinem Amtsantritt hat ein Projekt begonnen, das mir sehr nahe liegt: „Gottesklang“ - das Jahr der Kirchenmusik 2012. Die Musik in der Kirche dient der Verbreitung des Evangeliums ebenso wie das gesprochene Wort. Singen und Sagen stehen in der Verkündigung im Einklang miteinander - mehr noch: Das Sagen kommt ohne das Singen nicht aus. Ich freue mich darauf, in einer Reihe von Predigten landauf, landab diesem Phänomen des Evangeliums nachzuspüren. Den Anfang mache ich in Münster in der Apostelkirche am 18. März.
Manche sprechen im Blick auf die Ökumene eher von einer gewissen Müdigkeit oder sogar von einem Stillstand. Wie können die Kirchen wieder lebendiger und froher miteinander umgehen?
Kurschus: „Zeigen wir uns gegenseitig, was wir lieben“ - dieses ökumenische Prinzip hat mein Vorgänger im Präsesamt, Alfred Buß , immer wieder betont. In der guten Nachbarschaft vieler evangelischer und katholischer Kirchengemeinden erweist sich schon lange, wie selbstverständlich Ökumene gelebt werden kann. Beispielhaft zeigt sich an der sogenannten Basis, was, trotz mancher theologischer Hindernisse, auch auf offizieller Ebene gilt: Zum Dialog gibt es keine Alternative.
Die Evangelische Kirche im Münsterland befindet sich in einer Diaspora-Situation. Was geben Sie diesen Gemeinden mit auf den Weg?
Kurschus: In freundlich-respektvoller Haltung zur katholischen Mehrheit fröhlich und selbstbewusst evangelisch sein.

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