Öffentlicher Dienst
Warnstreikwelle rollt auch durch das Münsterland

Münsterland - Straßenbahnen bleiben im Depot, Kitas öffnen nicht, Mülltonnen werden nicht geleert. Die Warnstreik-Welle im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes erreicht an diesem Mittwoch Nordrhein-Westfalen. Auch im Münsterland soll gestreikt werden: "Wir haben etwa 600 Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen", bestätigte Bernd Bajohr, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Münsterland am Montag. Weitere 450 Beschäftigte hat der Komba-Ortsverband Münster (dem DBB angeschlossen) zu ähnlichen Aktionen aufgerufen.

Montag, 05.03.2012, 09:03 Uhr

Öffentlicher Dienst : Warnstreikwelle rollt auch durch das Münsterland
Symbolbild Foto: Oliver Werner

So streiken unter anderem Beschäftigte der Stadtverwaltungen in Ahlen und Münster , der Technischen Betriebe Rheine, der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster, der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Münster sowie der Regionalverkehr Münsterland (RVM) an den Standorten Ibbenbüren, Lüdinghausen und Stadtlohn. Die Warnstreiks beginnen jeweils zur Frühschicht beziehungsweise zur normalen Arbeitszeit.

Busverkehr in Münster kommt bis 14 Uhr zum Erliegen

"Es wird zu erheblichen Einschränkungen bis hin zum Stillstand kommen", sagte Petra Willing, Sprecherin der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Münster. Fahrgäste in Münster, die zwischen 4 und 14 Uhr am Mittwoch Bus fahren wollen, sollten sich frühzeitig eine Alternative suchen.

"Wir sollen so gut wie nichts fordern und erhalten dafür ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber? Diese Demutsgeste werden wir selbstverständlich nicht machen", sagte Bajohr . Beim Auftakt der Tarifverhandlungen am 1. März in Potsdam hatten die Arbeitgeber für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen kein Angebot vorgelegt. "Wir sind enttäuscht, ich hätte anderes erwartet", so Bajohr. Für die Gewerkschaft Verdi heiße das jetzt, "die erste Warnstreikwelle beginnt!"

Kitas in Münster bleiben geöffnet

Die Stadt Münster ging am Montag davon aus, dass "am Mittwoch keine städtischen Kitas ganz geschlossen sein werden und - falls erforderlich - Notgruppen eingerichtet werden". Der Stellvertreter des Komba-Ortsverbandes Münster, Elmar Schoppmeier, sagte hingegen, dass es sein könne, dass Kitas geschlossen werden.

Zudem würden "existenziell wichtige Dienste" wie die Feuerwehr "wie immer uneingeschränkt funktionieren", sagte Pressesprecher Joachim Schiek. Die Müll- und Sperrgutabfuhr sowie die Straßenreinigung würden allerdings ausfallen und die Recycinghöfe geschlossen. Bei der Müllabfuhr treten rund 180 Beschäftigte in den Warnstreik, bei den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke Münster sind es 200.

In welchem Umfang städtische Einrichtungen und Dienststellen ansonsten betroffen sein werden, bleibe abzuwarten, so Joachim Schiek. Die Stadtverwaltung wisse nicht, wie hoch der gewerkschaftliche Organisationsgrad von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den verschiedenen Dienststellen ist und in welchem Umfang sich diese auch tatsächlich am Streik beteiligen.

In Ahlen sind das Rathaus sowie der Betriebshof samt Müllabfuhr betroffen

Von den 630 Ahlener Stadtbediensteten könnten 480 streiken. 300 sind bei Verdi organisiert. Klaudia Froede, Leiterin der Personalabteilung, sagte: "Der Betriebshof hat geschlossen, die Müllabfuhr wird nicht fahren." Im Bürgerservice sei mit Verzögerungen zu rechnen. Wer nicht unbedingt an diesem Tag etwas bei der Stadt erledigen müsse, sollte es auf einen anderen verschieben.

Auch in Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet dürften öffentliche Verkehrsmittel am Mittwoch weitgehend stillstehen. Wie ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi am Montag ankündigte, sind außerdem städtische Kindertagesstätten, die Müllabfuhr, Sparkassen, kommunale Krankenhäuser, Jobcenter oder Theater betroffen. Für Kliniken und Altenheime werde man Notdienste einrichten, hieß es.

Damit erreicht eine auf eine Woche angelegte Warnstreik-Welle Nordrhein-Westfalen. Hintergrund sind Forderungen nach mehr Geld für die deutschlandweit rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes dbb verlangen ein Plus von 6,5 Prozent - mindestens aber 200 Euro im Monat.

Zwischen Rhein und Weser betrifft der Tarifkonflikt laut Verdi fast 580.000 Beschäftigte. „Mit der heftigen Warnung wollen wir den Arbeitgebern zeigen, dass wir sehr schnell zu einem Ergebnis kommen wollen“, sagte der stellvertretende Chef von Verdi in NRW, Ulrich Dettmann, einer Mitteilung zufolge. Die Wertschätzung von Krankenschwestern, Erzieherinnen, Feuerwehrleuten oder Müllwerkern müsse durch eine „gerechte Erhöhung der Gehälter“ deutlich werden, erklärte Dettmann.Die Arbeitgeber hatten bei der ersten Verhandlungsrunde vergangene Woche kein Angebot vorgelegt.

Die Tarifparteien wollen sich am 12. und 13. März erneut zusammensetzen. Mit der Warnstreik-Welle wollen Verdi und dbb zuvor den Druck erhöhen. Am Montag lag der Schwerpunkt auf Aktionen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. An diesem Dienstag soll es in Baden-Württemberg, Hamburg, Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern weitergehen, bevor NRW an der Reihe ist.

Die Kölner Verkehrsbetriebe KVB rechnen damit, dass Busse und Bahnen ab Mittwochmorgen um 3.00 Uhr stillstehen. Für Bochum und Gelsenkirchen warnte das Nahverkehrsunternehmen Bogestra vor Ausfällen. Auch die Vestischen Straßenbahnen, die vor allem im Kreis Recklinghausen unterwegs sind, gehen von erheblichen Störungen aus.

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kritisierte, die Arbeitsbelastung von Bus- und Straßenbahn-Fahrern sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Grund dafür sei die EU-Vorgabe für mehr Wettbewerb im Nahverkehr. „Häufig wurden Stellen gestrichen, Arbeitszeiten verlängert und die Bezahlung - vor allem bei Neueinstellungen - abgesenkt“, beklagt die Stiftung. Das habe eine Befragung von Mitarbeitern bei Verkehrsunternehmen in Bochum, Düsseldorf, Duisburg, Wuppertal und Hannover ergeben.

Unnötige Eskalation

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft bezeichnete die Warnstreik-Welle als unnötige Eskalation. Der öffentliche Dienst entwickele sich seit gut einem Jahrzehnt im Gleichschritt mit der Gesamtwirtschaft. „Je Stunde gerechnet stiegen die Bruttolöhne in Deutschland seit dem Jahr 2000 um 19,8 und im öffentlichen Dienst um 20,0 Prozent“, rechnete das IW Köln vor.

Wer verdient was?

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  • Richter: Das Grundgehalt bei Richtern ab 27 Jahren liegt bei etwa 3340 Euro brutto im Monat.

    Foto: Uli Deck
  • Schlachter: Je nach Bundesland und Anstellung bekommt ein Fleischer zwischen 1120 und 1990 Euro im Monat.

    Foto: A3796 Uwe Anspach
  • Elektroniker: IT-System-Elektroniker verdienen zwischen 2160 und 2580 Euro im Monat.

    Foto: 1&1 Andrea Fabry
  • Apotheker: Apotheker bekommen in einem Angestelltenverhältnis zwischen 2890 und 3500 Euro im Monat.

    Foto: Apothekerkammer Westfalen-Lippe
  • Lehrer: Grundschullehrer bekommen als Beamte ein monatliches Einstiegsgehalt von 2560 Euro.

    Foto: Colourbox
  • Verkäufer: Im Einzelhandel liegen die Gehälter bei 1456 Euro bis 2036 Euro brutto im Monat.

    Foto: Colourbox
  • Altenpfleger: Im öffentlichen Dienst erhalten Alten- und Krankenpfleger ein Gehalt zwischen 2000 und 2300 Euro.

    Foto: Matthias Benirschke
  • Piloten: Während Kopiloten noch zwischen 2000 und 5600 Euro brutto im Monat verdienen, kann sich das Gehalt von Kapitänen bei Linienflugzeugen auf bis zu 250.000 Euro im Jahr erstrecken.

    Foto: dpa
  • Polizist: Ein Polizeivollzugsbeamter startet mit einem Anfangsgehalt von 1730 Euro brutto im Monat.

    Foto: Roland Weihrauch
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