Stromausbau des Betreibers Amprion
Netzausbau führt zu Spannungen: Anwohner und Landwirte protestieren

Kreis Borken -

Der durch die Energiewende nötig gewordene Ausbau des Stromnetzes kommt auch im Münsterland nur schleppend voran. Im Kreis Borken streiten sich derzeit Landwirte mit dem Netzbetreiber Amprion über ein von der Bundesnetzagentur angeregtes Modellvorhaben: Ein Teil der im Westmünsterland geplanten Stromautobahn soll unter die Erde verlegt werden.

Montag, 14.05.2012, 15:05 Uhr

Stromausbau des Betreibers Amprion : Netzausbau führt zu Spannungen: Anwohner und Landwirte protestieren
Ein Wald von Strommasten Foto: dpa

„Die uns angebotenen Vergütungen sind viel zu gering“, sagt Borkens Kreislandwirt Heinrich Emming . Doch das ist allenfalls der Stein des Anstoßes. Der früheren RWE-Tochter läuft die Zeit davon. Eigentlich sollen die 380-kV-Strom-Strippen zwischen Meppen und Wesel, die auf einer Länge von 130 Kilometer den Kreis Borken queren und bei Raesfeld, Borken und Legden auf je drei bis vier Kilometern un­terirdisch verlaufen, 2015 fertig sein. Ob das noch klappen kann? „Schau‘n wir mal“, sagt Amprion-Sprecher Dr. Andreas Preuß .

Bis 2020 sollen in Europa 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Im Gegensatz zu seinen konventionellen Geschwistern ist Öko-Strom allerdings nicht überall verfügbar. Folglich muss er künftig können, was er bisher nicht konnte: sich auf die Reise machen. Genau hier beginnt das Problem. Die Netze sind nicht überall als Stromautobahnen ausgelegt. Zudem kommen sie schlecht mit der stetig wachsenden Menge an Solar- und Windenergie zurecht. Die Gefahr von Stromausfällen ist greifbar.

Nach Angaben der Deutschen Energieagentur fehlen in Deutschland 3600 Kilometer Höchstspannungsleitungen. Zwölf solcher Nord-Süd-Verbindungen hatte die Bundesnetzagentur bereits 2009 mit dem Stempel „Vorrang“ versehen. Eine davon ist die im Kreis Borken. Auch durch sie soll ab 2015 der in den Nord- und Ostsee-Windparks erzeugte Ökostrom fließen. Über weite Strecken sollen die 380-kV-Leitungen über die bestehenden 220-kV-Trassen gezogen werden. Für den ersten von drei Bauabschnitten läuft nach Angaben der münsterischen Be­zirksregierung das Antragsverfahren.

Gegen das Vorhaben regt sich natürlich Protest: Seit Jahren fordern Bürgerinitiativen, die Kabel gänzlich zu vergraben. Genau das wollen wiederum die Bauern nicht. Die Erdkabel haben es nicht nur in sich. Um die riesigen Energiemengen transportieren zu können, „sind zwölf dicke, parallel verlegte Leitungen nötig“, erklärt der Amprion-Sprecher. Allein die für das Verlegen auszuhe­benden Gräben sind bis zu 25 Meter breit. Die Kabel müssen Flüsse sowie Straßen un­terqueren und Naturschutzgebiete passieren. Wie das funktionieren soll? „Das wissen wir auch noch nicht“, sagt Preuß.

Die Bauern fordern nicht nur eine höhere Vergütung für die Untertunnelung ihrer Äcker. „Vor allem möchten wir zunächst wissen, welche Beeinträchtigungen die Erdkabel hervorrufen“, erklärt Hans-Heinrich Berghorn, der Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Verändert sich die Bodenstruktur negativ? Wie steht es um den Pflanzenwuchs? All das soll in Raesfeld herausgefunden werden. Dort wird das erste Erdkabel verlegt. „Wir wollen, dass das Projekt wissenschaftlich begleitet wird“, erklärte WLV-Pflanzenreferentin Verena Telaar.

Verbandssprecher Berghorn ergänzte, dass die Untersuchung „mindestens eine Fruchtfolge lang dauern soll, um verlässliche Daten zu bekommen“. Damit dürfte die Fertigstellung im Jahr 2015 ein frommer Wunsch sein.

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