Urantransport gestoppt
Polizei beendet die Blockade der Atomkraftgegner

Gronau/Münster/Altenberge - Mehr als sieben Stunden haben fünf Atomkraftgegner gestern in Münster die Fahrt eines mit radioaktivem Material beladenen Zuges blockiert, der am Mittag die Gronauer Urananreicherungsanlage verlassen hatte. Dazu seilten sich die Aktivisten an Drahtseilen über der Bahnlinie zwischen Münster und Gronau ab

Montag, 07.05.2012, 20:05 Uhr

Urantransport gestoppt  : Polizei beendet die Blockade der Atomkraftgegner
Aktivisten hängen in den Bäumen Foto: Jürgen Peperhowe

 „Wir wollen mit der Aktion erreichen, dass die Atomfabrik in Gronau geschlossen wird“, sagte einer der Aktivisten, der am Telefon jung klang und sich Uli nannte. „Ohne die Stilllegung dieser Anlage ist der Atomausstieg Makulatur.“ Zu den Kletter-Protestlern gehörte auch die Französin Cécile le Compte, die wegen ähnlicher Aktivitäten auch schon in Münster vor Gericht stand.

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Gegen Mittag beginnen die Demonstranten mit ihrer Ak­tion. Sie bezeichnen sich als Mitglieder einer „freien Anti-Atomkraftbewegung“. Zwischen mehreren Bäumen haben die Kletterer Seile befestigt, die die Bahnlinie queren: An denen seilten sie sich ab. In luftiger Höhe hängen sie über Stunden in stummem Protest. Die Polizei spielt zunächst mit. Auch wenn die Demonstration nicht angemeldet worden sei: Das Versammlungsrecht schütze auch so etwas eine Zeitlang, sagt Polizeisprecherin Evelin Kösters.

Um 17 Uhr ist damit Schluss; per Megafon werden die Atomkraftgegner aufgefordert, un­verzüglich herunterzukommen. Knapp sechs Meter weiter oben passiert natürlich nichts. „Wir sind nicht bereit aufzugeben“, sagt Uli, der Demonstrant. Ein älterer Herr neben ihm murmelt nur: „Das wäre das erste Mal, dass so eine Aktion freiwillig beendet wird.“

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So lange der Protest dauert, steht auch der Zug, der nach Angaben der Polizei mit 450 Tonnen Uranhexafluorid beladen ist. Die Polizei hat ihn zwischen Altenberge und Münster auf freier Strecke stoppen lassen. Eigentlich ist ab fünf Uhr klar, dass die Polizei die Demonstration auflösen und die Aktivisten von den Bäumen holen wird. Völlig offen ist zu diesem Zeitpunkt nur, wann das passieren wird Kurz vor sieben rollt eine Art überdimensionaler Hub­steiger der Bahn an. Mit dem werden die Klettermaxe der Reihe nach von den Bäumen gepflückt.

Beim Ersten dauert das nur wenige Minuten. Der Zweite krabbelt hoch hinauf in die uralten Eichen und bereitet den Be­amten und Bahn-Experten damit ein wenig mehr Mühe. Bis alle fünf Aktivisten wieder am Boden angelangt sind und der Atomzug wieder anrollen kann, vergeht noch einige Zeit. Es ist kurz nach acht Uhr am Abend, als die Polizei den Einsatz beenden und Feierabend machen kann. Nachdem sie die Personalien der fünf Atomkraftgegner aufgenommen hat, schickt sie die jungen Leute wieder nach Hause. Der Protest behindert den Bahnverkehr über Stunden. Busse pendeln zwischen Altenberge und Münster, trotzdem müssen Fahrgäste lange Wartezeiten hinnehmen.

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