225 Millionen altes Dino-Skelett
Spektakulärer Saurierfund in Winterswijk

Südlohn-Oeding -

Noah hat vor rund 225 Millionen Jahren in Winterswijk gelebt. Alt ist der Schwimmsaurier nicht geworden. Das Skelett des Tieres wurde jetzt bei Ausgrabungen in einen Steinbruch gefunden und wird gerade freigelegt. 

Dienstag, 26.06.2012, 20:06 Uhr

225 Millionen altes Dino-Skelett : Spektakulärer Saurierfund in Winterswijk
Herbert Voß hält einen Teil des Schwimmsaurierskeletts in der Hand. Ein Freund des Präparators hat das Urzeittier im Steinbruch „Steengroeve“ gefunden. Foto: Jürgen Peperhowe

Noahs Vater will unbekannt bleiben. „Er möchte sein Kind später behalten. Es hat dann durchaus einen nicht zu unterschätzenden Wert“, sagt Herbert Voß . Momentan liegt Noah auf dem Küchentisch des 33-Jährigen Präparators in Südlohn-Oeding. Dort ist Noah zu Gast, und Voß hat mit seinem etwa 40 Zentimeter langen deutsch-niederländischen Besucher noch einiges vor. 225 Millionen Jahre haben an ihm ihre Spuren hinterlassen. Stück für Stück legt er das Skelett des Dinosaurier-Jungtieres frei. 

Dino-Skelett entdeckt

Der Präparator sammelt seit seiner Kindheit Fossilien

In seiner etwa vier Quadratmeter großen Werkstatt unter dem Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses hat er alles, was er dazu braucht: Druckluftbetriebene Schlagbohrer im Miniformat, Feilen, Lupen und andere Geräte liegen bereit. „Das ist ein Sechser im Lotto, eine kleine Sensation“, sagt er. Ein Euregio-Saurier-Glückskind sozusagen. Und mit Sauriern kennt sich der 33-Jährige aus. Seit seiner Kindheit sammelt er Fossilien. „Meine Freunde haben immer gesagt, ich habe nur Steine im Kopf.“ Noah ist nach bisherigen Erkenntnissen ein Vorläufer des Nothosaurus. „Es war wohl ein Schwimmsaurier , er hat sich wahrscheinlich von Fisch ernährt“, erklärt Voß.

„Das ist ein Sechser im Lotto, eine kleine Sensation“

Herbert Voß
saurier

Nahe der holländischen Grenze gefunden

Gefunden wurde das Urzeittier von einem Hobbyforscher und Freund von Herbert Voß aus Neuss in einem Steinbruch nahe der holländischen Grenze in Winterswijk . „Da suchen manche Sammler seit 40 Jahren und haben noch nie solch einen Fund gemacht. Mein Freund hat bei seinem fünften Versuch einen Volltreffer gelandet“, berichtet Voß. Neidisch sei er aber nicht. „Ich freu mich. Alles, was nicht gefunden wird, landet irgendwann im Brecher und ist für die Nachwelt für immer verloren.“ In dem Steinbruch wird noch aktiv Kalk für die Asphalt- und Düngeindustrie abgebaut. Einmal im Monat lässt der Inhaber nach vorheriger Anmeldung 250 Hobbyforscher auf das Gelände. Die niederländische geologische Vereinigung organisiert die kollektive Suche. „Wer dort nichts findet, ist blind“, meint der 33-Jährige. Knochen und Fußabdrücke seien immer dabei. Aber ein zu mehr als 70 Prozent erhaltenes Skelett ist eine absolute Ausnahme.

suche

Universität Bonn untersucht den Fund wissenschaftlich

Noah kam am 3. März ans Tageslicht. Voß: „Wir hatten noch 15 Minuten, da hat mein Bekannter drei versteinerte Wirbel gefunden.“ Alles musste schnell gehen. In kürzester Zeit wurden die Steinplatten um den Fund herum auf eine Schubkarre gepackt und den Steinbruch hochgeschoben. „Eine Woche später hat er mich angerufen, dass am Rand der Platte viele Knochen zu sehen sind. Der Fund kam zurück, und Voß ist jetzt dabei, ihn freizulegen. „Die Universität in Bonn wird später die wissenschaftliche Untersuchung übernehmen. Die freuen sich schon“, sagt er. Im Juni hat man dort bereits versucht, die Platten zu röntgen. Das Gestein ist aber so eisenhaltig, dass auf den Bildern nichts zu erkennen ist. Für den Präparator bedeutet dies, dass er noch vorsichtiger bei seiner Arbeit sein muss.

Am 7. Juli geht er selbst wieder in den Steinbruch und sucht. Vielleicht hat Noah ja noch einen Bruder.

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