Kritik an Haltung der Orang-Utans im Osnabrücker Zoo
Buschis Reich zu finster und zu klein

Osnabrück -

Werden die beiden Orang-Utans Astrid und Buschi im Osnabrücker Zoo schlecht gehalten? Colin Goldner vom „Great Ape Project“ hat sämtliche Zoohaltungen von Menschenaffen in Deutschland unter die Lupe genommen und seine Ergebnisse in der Zeitschrift „National Geographic“ veröffentlicht. Sein Fazit ist verheerend.

Dienstag, 26.06.2012, 17:06 Uhr

„Mein Appell an Osnabrück lautet: die Orang-Utan-Haltung aufgeben.“ Zoodirektor Prof. Michael Böer gibt ihm in vielen Punkten recht.

Dreimal war der klinische Psychologe Goldner nach eigener Aussage am Schölerberg. „Das Schimpansengehege ist für Zooverhältnisse ein Traum“, setzt er an, wenn er von seinen Eindrücken berichtet. Doch dann wird er mit Blick auf Buschi und Astrid deutlich: Das Gehege des Orang-Utan-Pärchens sei „zu finster, zu klein und verwahrlost.“ Die beiden würden unter affenunwürdigen Bedingungen gehalten.

„Buschi ist der absolute Tiefpunkt an Verhaltensauffälligkeit“, sagt Goldner. Der Affe zeige klassische Symptome von Hospitalismus, sprich Folgen der jahrzehntelangen Gefangenschaft. Ein Beispiel laut Goldner: Der Orang-Utan übergibt sich und frisst dann das Erbrochene – immer und immer wieder. Hinzu komme das Hin- und Hergeschaukel. Auch Astrid, Buschis Gehegegenossin, zeige Auffälligkeiten, diese seien nur anders ausgeprägt. „Sie sitzt die ganze Zeit apathisch in der Ecke.“ Sein Fazit zu den Osnabrücker Orang-Utans: „Das ist schon alles sehr übel.“

Für das „Great Ape Project“ – eine Initiative unterstützt von der Giordano-Bruno-Stiftung – hat Goldner insgesamt 40 Zoos in Deutschland besucht, rund 450 Menschenaffen werden hier gehalten. Die Ergebnisse sollen im Dezember in einer großen Studie veröffentlicht werden. Vorab gab es jetzt das Zoo-Rating in der renommierten Zeitschrift. Nicht nur Osnabrück wird kritisiert: 33 Prozent der Zoos im Land dürften nach den Maßstäben der Initiative keine Menschenaffen halten.

Beim neuen Zoodirektor rennt Colin Goldner offene Türen ein. „Die Haltung der Orang-Utans ist alles andere als zufriedenstellend“, sagt Prof. Michael Böer, das sei innerhalb der Belegschaft und des Führungsteams unstrittig. „Wir müssen dringend etwas für die Orangs tun oder die Orang-Haltung aufgeben“, lautet das Fazit des Zoodirektors. Leider ließen sich aber nicht alle Probleme auf einmal lösen. Deshalb müssten Verbesserungen in mehreren Etappen geschaffen werden.

In wenigen Wochen sollen die Orang-Utans mit den Schopfgibbons zusammengelegt werden. In der ehemaligen Schimpansenanlage würde sich das Platzangebot schon deutlich verbessern. Der Zoo-Chef will ein friedliches und gefahrloses Nebeneinander sicherstellen, indem Rückzugsräume eingerichtet werden, die nur den Orangs zur Verfügung stehen. Ob das funktioniert, wird sich voraussichtlich in den Sommerferien zeigen.

Böer will Buschi und seine Partnerin Astrid zugleich mehr Abwechslung verschaffen. So sollen Tierpfleger die beiden Menschenaffen durch spielerische Einlagen und Experimente stärker fordern. Dass Buschi Erbrochenes fresse, lege den Verdacht auf Stereotypie nahe, sagt der Zoodirektor. Es könne sich aber auch um Magenübersäuerung nach dem Verzehr von zu viel Südfrüchten handeln.

In den kommenden Jahren will der Osnabrücker Zoo für die Orang-Utans und die Gibbons bessere Haltungsbedingungen mit dem dritten Bauabschnitt der Angkor-Wat-Anlage schaffen. 2014 soll der erste Spatenstich für diesen asiatischen Tempelberg sein. 400 qm Außenanlage und 300 qm innen sind für Orangs und Gibbons geplant. Damit wachse der Lebensraum zwar auf die achtfache Größe, rechnet Böer vor. Doch nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sei auch das noch nicht das Optimum für die großen Menschenaffen.

Langfristig werde der Osnabrücker Zoo die Haltung von Orang-Utans aufgeben, kündigt der Direktor an. Buschi ist 40, seine Partnerin Astrid 30. Als realistische Lebenserwartung gelten 60 Jahre. Wenn die beiden nicht mehr leben, sollten keine neuen Orang-Utans angeschafft werden, meint Michael Böer: „Wir müssen nicht alle drei Menschenaffenarten zeigen.“ Was Buschi betrifft, hat er aber den Eindruck gewonnen, dass viele Zoobesucher an ihm hängen.

Die Forderung, jetzt schon mit der Orang-Utan-Haltung aufzuhören, lässt sich nach den Worten des Zoodirektors nicht erfüllen. Kein anderer Zoo wolle Buschi und Astrid haben, schon weil von ihnen kein Nachwuchs zu erwarten sei. Außerdem sei Buschi eine Mischung aus der Borneo- und der Sumatra-Linie – und als Hybride nicht gefragt. Die Zoologen seien dazu übergegangen, beide Linien getrennt zu züchten.

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