Mit Schüppe und Kelle auf Geschichtsreise
In Westfalen laufen 31 archäologische Grabungen

Münster/Coesfeld -

Einmal selbst bei einer Grabung dabei sein, mit Schaufel, Kelle und Pinsel historische Überreste an das Tageslicht bringen, Vermessungen durchführen – für viele Menschen mit einer privaten Leidenschaft für die Archäologie durchaus ein großer Wunsch. Doch wie ist er zu realisieren?

Freitag, 17.08.2012, 07:08 Uhr

Mit Schüppe und Kelle auf Geschichtsreise : In Westfalen laufen 31 archäologische Grabungen
Auch in Haltern gibt es immer wieder neue Grabungen, um die Ausmaße des Römerlagers neu zu bestimmen. Foto: Wilfried Gerharz

„Grundsätzlich ist bei uns eine Bewerbung als Grabungshelfer möglich“, erklärt Eva Masthoff von der Pressestelle der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster . „Besondere Voraussetzungen müssten die Bewerber nicht mitbringen. Körperlich fit sollten sie allerdings schon sein.“ Denn bei den Grabungen gelte es, viel Erdreich zu bewegen und im Freien zu arbeiten.

„Zurzeit haben wir 31 laufende Grabungen in ganz Westfalen“, gibt Eva Masthoff einen Überblick. „Davon sind einige auch einfach nur Baustellenbeobachtungen.“ Bei den Bewerbungen könne sie aber nichts versprechen. „Grabungsgeschehen sind schließlich nicht immer planbar.“ Das sieht auch Dr. Christoph Grünewald , Leiter der Außenstelle Münster der LWL-Archäologie so. „Wir haben ein bis zwei Freiwillige pro Projekt. Sonst wird auch der Betreuungsaufwand für unser Team zu groß. Schließlich werden die Helfer gut angelernt.“

Nicht immer passen da die Arbeitszeiten zusammen. „Wir arbeiten ja auch ganz normal von acht bis fünf“, so Dr. Grünewald. Aktuell stehen zwei Projekte an. „Einmal eine Befestigungsanlage aus der Karolingerzeit in Ahlen-Dolberg. Hier versuchen wir mehr über die Innenbebauung in der Zeit vom 8. bis 12. Jahrhundert zu erfahren.“ Ein weiteres Projekt gebe es bald am Stadtrand von Dülmen.

„Dort muss ein Areal für eine Neubebauung ausgegraben werden auf dem ein alter Bauernhof ebenfalls aus der Karolingerzeit gefunden wurde.“ Generell sei geplant, so gibt Eva Masthoff einen Ausblick, dass bald eine Datenbank für freiwillige Helfer angelegt werden soll. „Wir wollen das bürgerschaftliche, ehrenamtliche Engagement zusammen mit der NRW-Stiftung und der LWL-Denkmalpflege ausbauen.“

Schüler- und Studentenpraktika bietet auch die Stadtarchäologie Münster an. „Sie arbeiten dann nicht nur als Grabungshelfer, sondern lernen auch die Vermessung und die Fotografie kennen“, beschreibt Chefin Aurelia Dickers. Andere Freiwillige könnten hingegen nicht mitarbeiten. „Das hat versicherungstechnische Gründe.“ Zurzeit steht bei ihr und ihrem Team noch die Aufarbeitung der Projekte aus dem vergangenen Jahr auf dem Programm. „Die Dombaustelle ruht im Moment, an der Johannisstraße beobachten wir eine Baustelle und in der historischen Altstadt begleiten wir den Leitungsbau.“ Auch bei der Stadtarchäologie gebe es keine zwingenden Voraussetzungen für die Bewerber. Doch, so Aurelia Dickers, eine gäbe es da schon: die Leidenschaft für die Archäologie.

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