Gutachten vorgestellt
Fracking soll in NRW nicht genehmigt werden

Düsseldorf - Die Energiekonzerne müssen wohl weiter warten: In Nordrhein-Westfalen soll die Förderung von Erdgas aus Gesteinsschichten bis auf weiteres nicht genehmigt werden, empfehlen von der Landesregierung beauftragte Gutachter. Die erheblichen Umweltrisiken durch das dabei angewandte  Fracking seien nicht abzuschätzen, warnen die Experten aus drei beteiligten Forschungsinstituten.

Freitag, 07.09.2012, 15:29 Uhr aktualisiert: 07.09.2012, 15:39 Uhr

 Einen kategorischen Fracking-Ausschluss verlangen sie für Wasserschutzgebiete, für sämtliche Gebiete zur Trinkwassergewinnung, für Minieralwasservorkommen und Heilwasserschutzgebiete.Die mit Spannung erwartete Expertise stellten Wirtschaftsminister Garrelt Duin und Umweltminister Johannes Remmel am Freitagnachmnittag in Düsseldorf vor.

Damit dürfte es auch beim bestehenden Moratorium bleiben, das nur chemiefreie Probebohrungen auch nur dann zulassen würde, wenn damit ein Verzicht auf Frack-Maßnahmen verbunden ist.Bevor über eine Genehmigung für das Fracking entschieden werden könne, müssten eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt werden, betonen die Gutachter. So müsse das hohe Gefährdungspotenzial der dabei eingesetzten Fluide für das Grundwasser deutlich vermindert werden. Auch seit 2000 verwendete Additive seien umweltgefährdend. Beim Fracking werden mit Hilfe von giftigen Chemikalienlösungen tiefe Gesteinsschichten aufgesprengt, das zuvor gebundene Erdgas kann gefördert werden. Rund 60 Prozent der nordrhein-westfälischen Landesfläche sind als potenzielle Fördergebiete für unkonventionelles Erdgas ausgewiesen. Für jedes einzelne Vorhaben seien detaillierte Erkundungen und Bewertungen erforderlich, betonen die Experten. Ein großes Problem stellt aus Sicht der Gutachter auch der Rückfluss der Frack-Fluide an die Oberfläche dar, in denen dann natürliche radioaktive Mineralien aus der Tiefe nach oben gespült werden. Hier müsse eine einwandfreie Lösung gefunden werden.Völlig unklar sei bisher die Wirtschaftlichkeit der Fördervorhaben in NRW, schreiben die Gutachter. Sie beklagen zudem, dass für eine umfassende Bewertung zu viele Wissenslücken bestehen.

So sei etwa das Fracking-Kataster des Landes Niedersachsen, wo seit vielen Jahren ohne Einschränkung unkonventionelles Erdgas mit der umstrittenen Technologie gefördert wird. Am Vortag hatte Bundesumweltminister Peter Altmaier eine Studie des Umweltbundesamt (UBA) vorgestellt, das anders als das nordrhein-westfälische Gutachten Genehmigungen unter strengen Auflagen für möglich hält. In Trinkwasser und Heilquellenschutzgebieten soll sie danach verboten werden, forderte UBA-Chef Jochen Flaßbarth.

Und Bundesumweltminister Peter Altmaier bekräftigte: „Bevor Fracking zum Einsatz kommt, müssen sämtliche Bedenken ausgeräumt sein.“Mit der Studie steigt der Druck auf Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und die niedersächsische Landesregierung, ihren Widerstand gegen eine zwingende Umweltverträglichkeitsprüfung beim Fracking aufzugeben. Dies sei eine der wichtigsten Konsequenzen, betonte Flaßbarth.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1131750?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F599353%2F1238845%2F
Nachrichten-Ticker