Neue Energie im Münsterland
Die Firma Refood entsorgt Speisereste und erzeugt damit Biogas

Marl/Münster -

Die Firma Refood in Marl sammelt – auch im Münsterland – Speisereste und -öle ein und entsorgt diese Abfälle. Das Besondere daran: Mit Hilfe einer Biogas-Anlage und zweier Blockheizkraftwerke entstehen aus angeschlagenen Tomaten und abgelaufenen Joghurts Strom, Wärme sowie Dünger für die Landwirtschaft. Refood ist nur ein Beispiel für Unternehmen aus der Region, die sich auf dem Feld der erneuerbaren Energien tummeln. Wir stellen die findigen Firmen und pfiffigen Projekte rund um das Thema Öko-Energie in loser Folge vor.

Dienstag, 11.09.2012, 12:09 Uhr

Neue Energie im Münsterland : Die Firma Refood entsorgt Speisereste und erzeugt damit Biogas
Die Köche Arno Fehrenkötter (l.) und David Reineke sehen Refood-Fahrer Alexander Eckermann dabei zu, wie er Speisereste abtransportiert, die im münsterschen Hotel Schloss Wilkinghege angefallen sind. Münster wird im Durchschnitt von ein bis zwei Refood-Lkws am Tag angefahren. Foto: Jürgen Peperhowe

Von der Imbissbude zum Luxushotel, vom Tante-Emma-Laden mit Currywurst-Theke hin zum Gourmettempel der Superlative: Über­all dort, wo im Münsterland Essenreste und abgelaufene Lebensmittel an­fallen, stellt sich die Frage der Entsorgung. Eine mögliche Antwort gibt die Firma Refood , die unter anderem in Marl aus Spei­seresten Strom, Wärme und Dünger herstellt.

Entsorgung mit Biogasanlage

„Ethisch höherwertig wä­re es, würde man Speiseabfälle – wie über Jahrhunderte praktiziert – an Schweine verfüttern“, sagt Mar­cel Derichs , Sprecher der Saria-Gruppe, zu der Refood gehört. Allein, im Zuge der Diskussion rund um die Rinderseuche BSE hät­ten sich die Hygiene-Regeln Ende der 90er Jahre ver­schärft. 2006 wurde die Verfütterung von Speiseresten an Schweine auch in Deutschland verboten. Refood hat darauf reagiert und entsorgt organische Reststoffe seither mit Hilfe von Biogasanlagen.

Umkreis von 100 Kilometern wird abgefahren

60 000 Tonnen fallen bei rund 15 000 Kunden allein in NRW pro Jahr an. Speise- und Frittierfette werden getrennt aufbereitet und als Vorprodukte an die Mineralöl-Industrie weitergegeben. „Bio-Diesel aus gebrauchtem Pommesöl“, bringt es Derichs auf den Punkt. Rund 40 Lkw starten jeden Tag vom Standort Marl, um im Umkreis von 100 Kilometern Mensen, Kliniken, Heime, Restaurants und Supermärkte anzufahren. Und: „dort den abgelaufenen Joghurt, den angeschlagenen Apfel und die Paprika mit der braunen Stelle abzuholen“, wie Derichs sagt.Hier warten die von Refood gestellten Abfalltonnen darauf, gut gefüllt wieder eingesammelt zu werden.

Speisereste zerkleinern, entfetten und erhitzen

Zurück in Marl, docken die Lkw an fünf Schleusen an. Während die leeren Tonnen auf Reinigungsstraßen davonfahren, werden die Speisereste zerkleinert, entfettet und eine Stunde lang auf über 70 Grad Celsius erhitzt – der Hygiene wegen. Zuvor und währenddessen entziehen Maschinen dem Essensbrei Reste von Plastik, das eine oder andere Glas, manch einen Kronkorken. „Oder auch eine Gabel, die dem Kantinenleiter in die Mülltonne gefallen ist“, sagt Dirk Schulze Rieping, Prokurist bei Refood. Denn mit derlei anorganischen Substanzen können die Bakterien in einer Biogasanlage wenig anfangen.

Organisches Material allerdings zersetzen sie 28 Tage lang in einer Reihe von Reaktionen und produzieren am Ende Methangas, das wiederum in zwei angeschlossenen Blockheizkraftwerken zu Wärme und Strom umgesetzt wird. Spurenelemente und Mineralstoffe wie Phosphor und Stickstoff: Das ist, was übrig bleibt, wenn die Bakterien in der Biogasanlage keine Nahrung mehr finden und keine Energie mehr aus den Speiseresten ziehen können. Mit anderen Worten: Dünger, den die Landwirtschaft Refood abkauft.

Fokus liegt auf der Entsorgung

„In erster Linie liegt unser Fokus auf der Entsorgung“, stellt Saria-Sprecher Derichs klar. Als Zugabe jedoch springe unterm Strich erneuerbare Energie heraus. Was kürzlich abgelaufene oder leicht angeschlagene Lebensmittel betrifft, ist Refood sicher eine Alternative zu den verschiedenen Tafeln für sozial Schwächere. „Allerdings haben die da oft ohnehin ein Haftungsproblem“, betont Derichs. Und: Wenn die Tafeln Lebensmittel entsorgt haben wollen, die sie nicht haben an den Mann bringen können – dann ist Refood ebenfalls zur Stelle. „Manch eine Tafel gehört nämlich zu unseren Kunden“, so Schulze Rieping.

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