Aus Mais mach Strom
Firma aus Münster betreibt bundesweit 80 Biogas-Anlagen

Schöppingen -

Auf dem Gelände der Agricapital-Gruppe in Schöppingen ist an die­­­sem Morgen die Hölle los. Schlepper kriechen auf gigantischen Bergen aus zerhäckseltem Mais rauf und wieder runter. So verdichten sie den Pflanzenbrei und vertreiben den Sauerstoff daraus: Voraussetzung dafür, dass die Masse im gelagerten Zustand nicht zu früh beginnt, sich zu zersetzen. Betriebsleiter Hubert Bröker er­läutert Besuchern, was im Moment ansteht. „Drei Mal drei Tage“, sagt der 48-Jährige, werde auf den Feldern quasi ununterbrochen Mais gehäckselt. Bis zu 20 000 Tonnen pro Jahr. „Die Nachbarn wissen Bescheid, dass das laut werden kann.“

Montag, 01.10.2012, 07:10 Uhr

Aus Mais mach Strom : Firma aus Münster betreibt bundesweit 80 Biogas-Anlagen
So sieht das Häckselgut aus: Betriebsleiter Hubert Bröker führt gerne und häufig Besucher über das Gelände. Foto: Jürgen Peperhowe

Rund 40 Landwirte aus ei­nem Umkreis von 15 Kilometern beliefern das Unternehmen mit dem Mix aus Maiskörnern und Pflanzenresten, einem süßlich riechenden Ge­misch, das nach einer Zeit der Lagerung in den Gärbehältern landet. 2004 von einem westfälischen Landwirt gegründet, betreibt Agricapital mit Sitz in Münster bundesweit an 80 Standorten Biogasanlagen . Im Münsterland ist Schöppingen die einzige.

Kooperation mit den Landwirten

Der Hauptgesellschafter Alinda Capital Partners ist ein US-amerikanischer Investmentfonds, der Pensions- und Rentengelder verwaltet, un­ter anderem aus Deutschland. Da Agricapital keine Anbauflächen besitzt, ist das Unternehmen auf heimische Landwirte angewiesen. Darauf, dass diese Rohstoffe für die Biogasanlage zuliefern. Im Gegenzug nimmt die Firma Gülle ab, die für den Gärungsprozess gebraucht wird, und überlässt den Bauern die Gärreste als Dünger. Außerdem sei die „leistungsbezogene Vergütung ein gutes zusätzliches Standbein für die Landwirte“, wie Unternehmenssprecher Michael Hauck sagt.

Den Schöppingern sind die Vorteile bewusst

Natürlich: Eine solche Anlage ist laut. Auch ist die Verkehrsbelastung erheblich. Hin­zu kommt, dass in Erntezeiten wie im Moment feiner Maisstaub in der Luft hängt. „Die vom Autohaus nebenan, die stöhnen immer“, räumt Betriebsleiter Bröker ein. Dennoch, glaubt er, sind den Schöppingern die Vorteile bewusst: Arbeitsplätze und Aufträge für ortsansässige Handwerker, Dienstleister und Gewerbetreibende.

Unterm Strich könnten mit der in Schöppingen produzierten Jahresmenge an Strom (8,2 Millionen Kilowattstunden) rund 1800 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden. Klimafreundlich: Wird doch bei der Verwertung von Biogas nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Pflanzen während ihres Wachstums aus der Umwelt aufgenommen haben.

Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft

In einer Biogasanlage wird organisches Material in Fermentern vergoren: Dort wird die Masse von Bakterien zersetzt, wodurch Biogas entsteht. Das wird über ein Blockheizkraftwerk zu Strom gemacht. Die dabei anfallende Wärme kann genutzt werden. Der Maisanbau zur Biogasproduktion steht häufig in der Kritik, die Landschaft zu „vermaisen“ und zu Monokulturen zu führen. Laut Statistischem Landesamt werden allerdings 62 Prozent des Maisanbaus in Deutschland für die Futtermittelproduktion verwendet. Wichtig für einen gesunden Nährstoffhaushalt des Bodens ist, dass Landwirte das Prinzip des Fruchtfolgewechsels beachten. Agricapital testet deshalb auch Hirse für die Biogasproduktion.

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