Die Suche nach den Blindgängern
In Gescher gibt es noch keine Entwarnung: Fachfirma muss Bohrungen durchführen

Gescher -

Die Männer vom Kampfmittelräumdienst sind am Dienstagmorgen ganz entspannt. Ganz anders als Marcus Borggreve. Er wohnt direkt neben den beiden Wiesen, auf denen gerade nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht wird.

Mittwoch, 10.10.2012, 08:10 Uhr

Die Suche nach den Blindgängern : In Gescher gibt es noch keine Entwarnung: Fachfirma muss Bohrungen durchführen
Die Suche nach Blindgängern blieb am Dienstag in Gescher erfolglos. Jetzt müssen noch an zwei Punkten Bohrungen stattfinden. Foto: Uwe Renners

Borggreve steht vor seinem Haus. Ihn umtreibt nicht nur die Sorge um sein Heim, sondern auch um die angrenzende Reithalle. Dort sind 45 Pferde untergebracht, die im Ernstfall aus der Gefahrenzone entfernt werden müssten. „Wollen wir mal hoffen, dass alles gut geht“, sagt er und schaut zu, wie sich der Bagger vorsichtig ins Erdreich arbeitet.

Dort, wo jetzt gesucht wird, will die Stadt ein Regenrückhaltebecken bauen. Elf mögliche Verdachtsstellen sind bei der Auswertung der Luftbilder und der anschließenden Suche mit dem Metalldetektor an der Oberfläche ausgemacht worden. Am Dienstag bleibt es beim Verdacht, Munition wird keine gefunden, es muss auch nicht evakuiert werden. Entwarnung gibt es in der Glockenstadt aber trotzdem nicht. „Wir haben noch zwei Blindgängerverdachtspunkte, bei denen in den nächsten Wochen von einer anderen Firma gebohrt werden muss“, erklärt Uwe Pawlowski vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Arnsberg.

Der Feuerwerker schätzt die Chancen auf 50:50, dass dort doch noch eine Bombe gefunden wird. „Hier hat es definitiv Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg gegeben“, sagt Pawlowski. Das erzählen auch viele Schaulustige, die sich die Arbeiten hinter dem ehemaligen Gescheraner Bahnhof anschauen. Hermann-Josef Ostendarp, sein Hof ist rund 800 Meter entfernt, kann sich erinnern, wie sein Opa nach einem Fliegerangriff Verletzte mit dem Pferdewagen ins Krankenhaus brachte. „Da war bei einer Lokomotive der Kessel geplatzt.“

Ein anderer Fußgänger meint, ganz in der Nähe sei ein Bomber abgeschossen worden. Für Pawlowski ist der Einsatz in Gescher nach einer Stunde erst einmal vorbei. Während die Mitarbeiter des privaten Kampfmittelräumdienstes die letzten beiden Punkte untersuchen, macht sich der Feuerwerker zur Weiterfahrt nach Gelsenkirchen bereit. Auch dort werden an einer Baustelle gerade Blindgänger vermutet.

Entschärfen dürfen private Kampfmittelräumfirmen die Bomben nicht. Sind sie einmal gefunden, kommen Pawlowski und seine Kollegen ins Spiel. „In NRW ist das eine hoheitliche Aufgabe“, erklärt er. Hinter dem Gescheraner Bahnhof ist um 12 Uhr der letzte Punkt untersucht. Neben einem 20 Meter langen Blitzableiter ziehen die Arbeiter dort nur noch eine verrostete Gießkanne aus dem Boden. Wenn in den nächsten Wochen gebohrt wird, kann dies ganz anders aussehen. „Pro Verdachtspunkt werden 37 Bohrungen bis in eine Tiefe von sieben bis acht Metern gemacht“, erklärt Pawlowski.

Ob die Gescheraner erfahren, wann genau das sein wird, weiß er nicht. „Üblich ist das nicht, dass bereits vorher die Bevölkerung informiert wird“, sagt er. Für den Ordnungsamtsleiter Bernhard Entrup stellt sich die Frage nicht: „Wir werden die Bürger darüber informieren.“

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