Ernstfall-Simulation
Schreckensszenario: 150 Rettungskräfte simulieren Massen-Karambolage

Dülmen -

Das Szenario: Ein Pkw schneidet einen voll besetzten Linienbus auf der Autobahn so gefährlich, dass der Bus ins Schleudern gerät und auf die Seite kippt. Viele der Fahrgäste verletzen sich schwer, vier weitere Pkw fahren auf, es gibt einige Tote und viele Schwerstverletzte. Einige Unfallopfer verlassen ihre Fahrzeuge und begeben sich mitten auf der Autobahn in weitere Gefahr.

Montag, 29.10.2012, 04:10 Uhr

Ernstfall-Simulation : Schreckensszenario: 150 Rettungskräfte simulieren Massen-Karambolage
Eine unübersichtliche Gesamtlage: Bei einem Massen-Unfall wie im vergangenen November auf der Autobahn 31 gilt es für die Retter, zunächst einmal einen Überblick zu gewinnen. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, simulierten die Rettungskräfte das Schreckensszenario auf einem toten Arm der A 43. Foto: michalak

Diesen Unfall simulierten am Samstagmorgen rund 50 Beamte des Polizeipräsidiums Münster mit etwa so vielen Helfern von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sowie 50 ehrenamtlichen Helfern des DRK und der Johanniter Unfallhilfe. Letztere stellten – realistisch blutig geschminkt – die Unfallopfer aus den Autos und dem Linienbus dar. Auf dem toten Seitenarm einer ursprünglich geplanten Zufahrt zur A 43-Ausfahrt Dülmen Nord sollte dieser Ernstfall möglichst realistisch nachgestellt werden.

„Wir wollen für den Ernstfall gut aufgestellt sein. Deshalb versuchen wir in einer solchen Simulation die Abläufe genau zu analysieren und daraus zu lernen“, erklärte Udo Weiß, Leitender Polizeidirektor, das Ziel der Großübung. Bei einem Massenunfall – wie auf der A 31 im vergangenen November – kommen gleich mehrere Dinge zusammen, die es den Ermittlern und Helfern au­ßerordentlich schwer machen. „Im Grunde haben Sie rund 45 Minuten lang eine Chaosphase, in der die Gesamtlage unübersichtlich ist, und sich jeder auf seine unmittelbare Zuständigkeit konzentrieren muss“, erläutert Polizeisprecher Jan Schabacker .

Dabei gibt es neben der persönlichen Betroffenheit jede Menge Ablenkungen. Entsprechend chaotisch ging es auch am gestellten Unfallort in Dülmen zu: Tote, Schwerstverletzte und dazwischen leicht verletzte Unfallopfer, die geschockt über die Fahrbahn laufen, und die Rettungskräfte zum Teil massiv behindern. „Warum tut denn niemand etwas, bitte helfen Sie mir doch!“ schreit eine junge Frau den Notarzt an, der sich unbeeindruckt weiter um den deutlich schwerer verletzten Mann auf der Fahrbahn vor ihm kümmert.

Schließlich wird die Frau immer massiver: „Das gibt es doch nicht, Sie kommen jetzt sofort mit, und helfen den Menschen dort drüben“, zerrt sie wiederholt Beamte und Einsatzkräfte am Ärmel. Polizei und Sanitäter kümmern sich – nach und nach – auch um die Herumirrenden, binden sie in die Arbeit mit ein, beruhigen sie, gehen mit ihnen auf die Seite, fort vom unmittelbaren Geschehen.

In all dem Chaos arbeiten die Profis ruhig und konzentriert, widmen sich ihrer Aufgabe mit der nötigen Ruhe. Das lässt sie zwischen all dem Leid, den Hilfe- und Schmerzschreien fast gespenstisch unbeteiligt erscheinen. „Die Polizei muss den Unfallhergang möglichst präzise ermitteln und die Unfallstelle absichern, die Rettungskräfte müssen die Verletzten schnellstmöglich versorgen und in die umliegenden Krankenhäuser bringen“, erklärt Schabacker zwei Handlungsvorgaben, die schwer miteinander in Einklang zu bringen seien.

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