Bullenstall und Stahlbau: Die Stationen der „Varusschlacht“ in Kalkriese
Die großen Schritte zum Museum

Bramsche -

Mehr als eine Million Gäste haben bis heute die „Varusschlacht“ im Museum und Park Kalkriese besucht. Eine Summe, die vor zwei Jahrzehnten keiner erwartet hatte. Die Anfänge des Ausstellungsgeschäfts an der Niewedder Senke waren äußerst bescheiden.

Donnerstag, 22.11.2012, 16:11 Uhr

Bullenstall und Stahlbau: Die Stationen der „Varusschlacht“ in Kalkriese : Die großen Schritte zum Museum
Geschichte erschließt sich im Museum Kalkriese über visuelle Effekte. Allein 1000 Schulklassen besuchen die Ausstellungen im Jahr. Foto: Museum Kalkriese

1993. Vor dem Grabungsfeld steht eine hölzerne Spardose. Ein Bild der eisernen Maske ziert die Kiste, die Aufschrift lautet „Kasse der Legio I Archaeologica Osnabrugensis“. Es ist die Bitte der Archäologen um eine freiwillige Spende. Der Bauzaun, der die Ausgrabungsfläche eingrenzt, öffnet sich an diesem Wochenende im August erstmalig für die Bevölkerung. Hunderte sind zwar schon in den Jahren zuvor über das Feld geführt worden, aber nun macht auch das erste, noch beschauliche Informationszentrum auf.

2012, ein regnerischer Morgen in Kalkriese . Klassen erobern das Museum. Eine Horde Grundschüler verteilt sich um einen Schaukasten. Auf Knopfdruck rollen Hunderte Kugeln los, Schlitze und Barrieren versperren ihnen den Weg durch einen Engpass – Römer, die von Germanen bedrängt werden. Die Kinder greifen das Bild auf. Aufgeregt zählen sie die Kugeln, die durchkommen, eine Handvoll schafft es nur. Die Verwunderung ist groß. „Wenn Kinder so Geschichte erleben, geht einem das Herz auf“, sagt Heidrun Derks . Moderne Pädagogik in einem modernen Museum.

Die Direktorin hat mit einem Team das Konzept der aktuellen Dauerausstellung konzipiert. Der spektakuläre Stahlbau hat ihr den Platz eingeräumt, den sie benötigte, um ihre Ideen umzusetzen. Heidrun Derks erinnert sich aber auch noch an Zeiten, als es auf dem ehemaligen Hofgelände Fisse-Niewedde wenig mehr als Wiesen, Felder und Ställe zu sehen gab und die Mitglieder der Grabungsteams irgendwie versuchten, sich einzurichten.

Als der britische Offizier Tony Clunn in Kalkriese 1987 zunächst römische Münzen und Schleuderbleie entdeckte, die die ersten Hinweise auf eine antike Schlacht gaben, löste er eine Grabungswelle aus. Mit den weiteren Funden verdichtete sich eine Vermutung: In der Niederung zwischen Moor und Berg hatten die Germanen um den Cherusker Arminius im Jahr 9 nach Christus die drei römischen Legionen des Statthalters Varus niedergemetzelt. Das Interesse an dem mutmaßlichen Ort der Varusschlacht wuchs, die Infrastruktur wuchs mit.

1991 wurde die erste Informationstafel aufgestellt, 1993 auf etwa 30 Quadratmetern das erste Informationszentrum eröffnet. Eine 500 Quadratmeter große Ausstellungshalle hatte der Landschaftsverband Osnabrücker Land als Träger dann 1997 im ehemaligen Bullenstall des Hofes errichten lassen – dort, wo heute die Gaststätte untergebracht ist. Der damalige Kulturdezernent beim Landkreis Osnabrück und heutige Geschäftsführer der „Varusschlacht“, Joseph Rottmann, blickte in jenem Jahr schon ein paar Jahre voraus. Kalkriese sollte einen regionalen Beitrag zur Expo 2000 in Hannover leisten. Und so kam es auch: Rechtzeitig zur eröffnete im Mai 2000 der Archäologische Park Kalkriese, 2002 Museum und Park Kalkriese. Der mit rostigen Stahlplatten verkleidet Turm der Architekten Annette Gigon und Mike Guyer gilt seitdem als Wahrzeichen des Osnabrücker Landes, andere nennen ihn einen Leuchtturm.

2009, 2000 Jahre nach der Varusschlacht, eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel das neue Besucherzentrum sowie die neuen Ausstellungen. Bis heute war dies die letzte große Baustelle in Kalkriese.

Verspielt ist die Dauerausstellung im mächtigen Stahlbau. Die Stationen nehmen die Besucher mit, visuelle Effekte fordern sie heraus. Geschichte erschließt sich mittels Aha-Erlebnissen. Allein 1000 Schulklassen besuchen jährlich die Varusschlacht. Als vor 20 Jahren die provisorische Geldkiste vor dem Bauzaun aufgestellt wurde, hat daran wohl niemand gedacht. 

| www.kalkriese-varusschlacht.de

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