Bieterverfahren endet ohne seriösen Investor
Flughafen Twente vorerst gescheitert

Enschede - Die Umwandlung des ehemaligen Luftwaffenstützpunkts im niederländischen Enschede in einen Regionalflughafen ist vorerst gescheitert. Keiner der drei zunächst interessierten Investoren habe bis zu der am Dienstag endenden Frist ein Angebot zum Ausbau des Flughafens vorgelegt, teilte die Planungsgesellschaft in Enschede mit.

Mittwoch, 05.12.2012, 00:12 Uhr

Da rieb sich am Dienstag manch einer verwundert die Augen: In einer kurzen Mail teilte die Planungsagentur „Area-Development-Twente“ (ADT) am Nachmittag mit, dass es für den nahe Enschede geplanten Flughafen nun doch keinen Betreiber gibt. „Wir bedauern das und sind sehr enttäuscht“, sagte ADT-Sprecherin Fieke Krikhaar auf Nachfrage.

Auf der deutschen Seite hingegen sorgte die Nachricht für Freude. Hatten doch die Pläne der Niederländer  nachhaltig für atmosphärische Störungen im Euregio-Raum gesorgt – nicht zuletzt, weil der Regional-Airport, so er denn Wirklichkeit geworden wäre, dem nur 60 Kilometer Luftlinie entfernten Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) massiv Konkurrenz gemacht hät­te. „Ich bin froh über das Aus“, betonte Dr. Carin Stader-Deters von der „Bürgerinitiative gegen den Flughafen Twente “.

Twente-Pläne

Der alte Militärflughafen in Twente verfügt über eine 3000 Meter lange Startbahn. Die ADT wollte den Airport reaktivieren und ausbauen. Ergänzt werden sollte das Projekt durch ein Industriegebiet. Umsetzen sollte das ein privater Investor.

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„Wir haben es immer gesagt: Eigentlich ist es unvorstellbar, dass ein privater Investor viele Millionen Euro in die Hand nimmt, um ei­nen Flughafen aufzubauen“, erklärte FMO-Sprecher Andrés Heinemann.

"Gut für das Münsterland"

Markus Lewe, münsterischer Oberbürgermeister und FMO-Aufsichtsratsvorsitzender, sagte: „Dieses Ergebnis ist gut für das Münsterland und für die ganze deutsch-niederländische Region. Die Entwicklungsperspektiven für den FMO verbessern sich dadurch zusätzlich.“

Am Dienstag war in Twente die Frist für das Bieterverfahren abgelaufen. Am Ende stellte sich heraus: Keiner der drei angeblich interessierten Investoren, deren Namen von der ADT nie genannt worden waren, hatte ein Angebot abgegeben. „Damit ist die Chance, in Twente mehr Ar­beitsplätze zu schaffen und eine nachhaltige Innovation zu realisieren, zum jetzigen Zeitpunkt erfolglos geblieben“, erklärte der ADT-Vorsitzende Peter den Oudsten. 

Ruinöser Konkurrenzkampf

Als die Niederländer vor ein paar Jahren bekannt gaben, den ehemaligen Militärflughafen Twente zivil zu neuem Leben erwecken und dort bereits 2014 die ersten Maschinen starten lassen zu wollen, stießen die Pläne auf deutscher Seite auf massive Kritik. Vor allem im Münsterland fürchteten die Verantwortlichen, dass der Flughafen in Greven in ei­nen ruinösen Wettbewerb gezogen werden könnte. „Alle Regionen, insbesondere im niederländischen Grenzgebiet, hätten draufzahlen müssen“, erinnerte sich Lewe am Dienstag.

Das Angebot der FMO-Gesellschafter an die Niederländer, ihre Pläne aufzugeben und sich stattdessen stärker am FMO zu engagieren, lehnten diese seinerzeit kategorisch ab.

Den Airport-Plänen jenseits der Grenze haftete von Anfang an etwas Merkwürdiges an. Auffällig war nicht nur die Vehemenz, mit der die Politik in der Region Overijssel das Projekt vorantrieb – und sich rüde jede Einmischung von au­ßen verbat. Auffällig war vor allem das große Schweigen, mit dem die potenziellen Investoren von der ADT ummantelt wurden.

Vor der ersten Bieterrunde, so hieß es Mitte 2011, hätten 19 Un­­ternehmen Interesse an der Ausschreibung gezeigt. Am Ende blieben die drei namenlosen Interessenten übrig, die bis Anfang dieser Woche ihre Angebote hätten abgeben können.

Möglicherweise hatte auch ein Gerichtsurteil Einfluss auf deren Nein. Im November hatten Richter in Almelo angeordnet, dass die Militärbrache in Twente formaljuristisch kein Flughafen mehr ist. Diesen Status neu zu erlangen, hätte  Zeit und Geld gekostet.

ADT-Sprecherin Krikhaar gab sich trotz des Rückschlages optimistisch, „dass wir das Areal entwickeln werden“. Selbst dass dort künftig Flugzeuge starten werden, wollte sie nicht ausschließen. Auch wenn das jetzt eher unwahrscheinlich ist.

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