Gemeinschaft leben mitten in der Welt
Abt Laurentius Schlieker: „Das Bild für die Kirche ist der Weg, nicht das Nest!“

Billerbeck -

„Für ein Leben im Kloster wirbt die Kommunität als Ganze, und zwar im dem Maße, wie sie Gemeinschaft lebt“, sagt Laurentius Schlieker. Er muss es wissen, schließlich ist er seit 42 Jahren Benediktinermönch im Kloster Gerleve und wurde 2009 zu dessen Abt gewählt.

Montag, 17.12.2012, 09:12 Uhr

Laurentius Schlieker ist seit 2009 Abt der Benediktiner im Kloster Gerleve.
Laurentius Schlieker ist seit 2009 Abt der Benediktiner im Kloster Gerleve. Foto: Schulte im Walde

Gemeinschaft leben nicht außerhalb, sondern mitten in der Welt – das ist die Aufgabe, die sich jeden Tag neu stellt. „Das Bild für die Kirche ist der Weg, nicht das Nest“, bringt Schlieker es auf den Punkt. Und erinnert an die Emmaus-Begegnung im Lukas-Evangelium als Metapher: der Fragende, der sich den Fragenden anschließt. „Und da ist vielleicht der Moment erreicht, wo sich aus Fragen Erkenntnisse ergeben.“

Zum Beispiel jene, dass es dem Einzelnen sehr gut tun kann, sich vom seinem starken Ich zu einem stärkeren Wir der Gemeinschaft zu bewegen. Mitten in einer Welt, die von Egoismen geprägt ist. „Und von Mangel an Grenzensetzen, angefangen bei der Kindererziehung über die Ernährung bis hin zum Urlaub“, meint Abt Laurentius. Da sei heute einiges deutlich aus dem Gleichgewicht geraten. „Es knirscht auf dem ganzen Globus. Schwierigkeiten im Zusammenleben gibt es weltweit“, weiß der Abt.

Sein Kontakt zu den Amtsbrüdern in allen Kontinenten hält ihn ganz gut „auf dem Laufenden“. Und selbstverständlich weiß er, dass Kirche geradezu schicksalhaft verbunden ist mit den Gesellschaften, in denen sie jeweils wirkt. „Wir haben längst nicht alle Möglichkeiten vor Augen, eine Zivilisation der Liebe zu entwickeln.“

Auf einander zugehen

Es kommt auf Einsicht und Verantwortung einzelner Menschen an. Die Mönchsregel Benedikts spricht vom Gehorsam – „ein Wort, das heute wenige hören wollen“. Gehorsam allerdings verstanden als eine Tugend, die sich aus dem Hören, Zuhören, Dazugehören ergibt, also nur in einer Beziehung wachsen kann. „Und begriffen als die Mühe, zu einer Einfachheit zu gelangen, um als Menschen gemeinsam weiterzukommen!“

Die Benediktiner von Gerleve versuchen diese Einfachheit, zum Beispiel in der Liturgie, die viele Menschen sehr anspricht. Oder dank der Atmosphäre im Kloster , die jeden als Gast willkommen sein lässt. Jeder darf und soll sein, wie er ist. „Ich halte es mit Benedikt: Der schaut mehr auf den Menschen als auf die Gesellschaft, nicht auf die Arbeit, sondern auf den, der arbeitet. Diesen Blick müssen wir wieder bekommen.“ Und dann gerät auch die Gesellschaft vielleicht wieder ein wenig mehr ins Lot.

Moralische Appelle verhallen nutzlos: „Ohne Vertrauen kommen wir nicht weiter – und auch nicht ohne Gelassenheit. In einem Psalm heißt es: ,Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut’“.

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