Michael Sondermeyer und Uwe Schenk betreiben Deutschlands einzigen Fachverlag für magische Literatur
Die zwei von der Zauber-Zunft

Ein eleganter Zauberer zu sein, das war lange Michael Sondermeyers Traum. „Irgendwann hab´ ich es aufgegeben“, sagt der 60-Jährige und fährt sich grinsend durchs Haar. Seither zaubert er in Jeans und Sakko („mit roter Fliege“) und verlässt sich auf das, was kein Berufszauberer missen sollte: seine Ausstrahlung.

Montag, 24.12.2012, 12:12 Uhr

Michael Sondermeyer und Uwe Schenk betreiben Deutschlands einzigen Fachverlag für magische Literatur : Die zwei von der Zauber-Zunft
<hervorhebung>Klassisch, aber effektvoll:</hervorhebung> Michael Sondermeyer (l.) und Uwe Schenk zeigen den Trick mit den Ringen. Erst scheinen diese aus einem Stück gefertigt, in der Hand der Zauberer lassen sie sich jedoch zu einer Kette zusammenfügen. Foto: Wilfried Gerharz

Hätte der Nachbarsjunge auf dem Campingplatz damals in seiner Kindheit keinen Zauberkasten besessen, wäre der Coesfelder vielleicht einfach bloß Lehrer geworden. Doch einmal vom magischen Virus infiziert, ließ der ihn nicht mehr los. Seitdem verdient sich der Münsterländer sein Geld mit Kunststücken, hat schon mit Promis wie Atze Schröder und Dieter Nuhr auf der Bühne gestanden. Kilometer um Kilometer legt er dafür  zurück, „ich sag immer, ich bin Berufsfahrer – und zwischendurch zaubere ich.“

Dabei ist Zaubern alles andere als einfach. Kunststücke so zu performen, dass sie leicht aussehen und locker – das bedarf eiserner Disziplin. „Das ist wie Blockflöte spielen“, meint Sondermeyers Kompagnon Uwe Schenk . „Da muss man üben, üben, üben.“ Wie das genau geht, kann man in Fachbüchern nachschlagen – von denen Sondermeyer und Schenk eine ganze Lagerhalle voll besitzen.

Zwei Jahre ist es her, da haben sich beide in Nottulns Gewerbegebiet niedergelassen. Mitgebracht haben sie Tausende und Abertausende Schmöker rund ums Thema Zaubern, Fachzeitschriften, hi­­storische Ausstellungsstücke und Secondhand-Accessoires für Kunststücke zum Bestellen via Internet. Derzeit arbeiten sie an der Digitalisierung des Inventars.

Der Sic-Verlag ist der einzige in Deutschland für Zauberliteratur und -utensilien. Die Fachmänner kaufen gezielt Nachlässe auf, forschen wie Schatzsucher nach historischen Werken und Bedarf für seltene Kunststücke. „Manch ein Kunde guckt morgens nach dem Aufstehen als Erstes auf unsere Seite, um zu sehen, ob wir ’was Neues haben“, staunt Sondermeyer. Wie jenen Trick aus Japan von vor zwei Tagen: Kaum hatte der 60-Jährige den online gestellt, „wurde er von jemandem aus den USA bestellt.“ Renner zum Weihnachtsgeschäft ist der Zauberkasten für Kinder, den die Experten gestaltet haben. Der Anlass: 100 Jahre Magischer Zirkel. Im „Berufsverband“ sind deutschlandweit 4000 Zauberer organisiert. „Wir haben den Schnickschnack rausgeschmissen und unsere Lieblingstricks dringelassen“, verrät Schenk. Besonderes Schmankerl: Auf einer DVD führen die amtierenden Jugendmeister im Zaubern die Kunststücke vor.

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