Sinkende Passagierzahlen, wachsendes Defizit
Der FMO hat ein großes Problem

Greven - Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Strecken brechen weg, Airlines ziehen sich zurück, Passagiere bleiben aus. An keinem anderen deutschen Flughafen war der Einbruch zuletzt so stark wie in Greven. Dafür wachsen dort Defizit und schlechtes Renommee. Das Schlimmste aber ist: All das ist erst der Anfang. Immer schneller dreht sich der FMO in der Abwärtsspirale.

Mittwoch, 23.01.2013, 07:01 Uhr

 
  Foto: Wilfried Gerharz

Letztlich haben die 15 Gesellschafter zwei Möglichkeiten: Entweder sie halten am bisherigen Dreisprung aus Linie, Touristik und Low-Cost fest und subventionieren ei­nen Airport im Sinkflug künftig mit vielen Millionen Euro pro Jahr. Oder sie liefern sich ei­ner echten Billig-Airline wie Ryanair aus – buttern ebenfalls Millionen-Beträge hinein, haben aber etwas davon. Weil die Passagierzahlen steil steigen, die Parkhäuser voll sind und im günstigsten Fall auch die Gastronomie vor Ort davon profitiert.Das sind die Alternativen, von denen die Gesellschafter aber in Vogel-Strauß-Manier (noch) nichts wissen wollen.

Jährlich fast zwei Millionen Fluggäste und mit Blick auf Startbahn und ferne Ziele durchaus Expansionsgedanken: Noch zur Jahrtausendwende schien es so, als fliege der Airport in eine rosige Zukunft. Etwas mehr als ein Dutzend Jahre später ist der FMO nur noch ein Schatten seiner selbst. Gegenwärtig 19 Ziele, Fluggastzahlen knapp über einer Million und 2012 bestätigte fünf Millionen Eu­ro.

Und 2013? Das laut Wirtschaftsplan erwartete Defizit von 7,5 Millionen Euro wird vermutlich höher ausfallen. Die Passagierzahlen sinken weiter, dem Vernehmen nach auf rund 850 000, die Bank-Verbindlichkeiten liegen bei ungefähr 90 Millionen Euro, der Verlustvortrag bei knapp 19 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund ist die unlängst öffentlich diskutierte Frage unbedeutend, ob die Erhöhung des Eigenkapitals um 26,6 Millionen Euro ausreicht, oder ob 40 Millionen Euro sinnvoller gewesen wären. Wahr ist: Wäre der Flughafen ein privatwirtschaftliches Unternehmen, er wäre vielleicht schon bankrott.

Wie konnte es so weit kommen? Das ist eine Frage, die letztlich die Eigentümer beantworten müssen. Fest steht: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Die Prophezeiungen der Geschäftsführung haben sich nicht erfüllt. Der FMO droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. „Wenn die Region ei­nen Flughafen will, muss sie ihn auch nutzen.“ Das ist der Appell des Flughafenchefs Gerd Stöwer . Leider gilt auch die Umkehrung des Satzes.

Das Angebot der Konkurrenz ist offenbar übermächtig. Selbst die regionale Wirtschaft, die sagt, für sie sei der FMO wichtig, fliegt nicht allzu oft ab Greven . Wer geschäftlich reist, nutzt in der Regel den Düsseldorfer Airport. So wie die Kicker von Preußen Münster für ihre Trainingswoche in Spanien.

Also doch mehr Low-Cost? Das wäre die letzte Rettung. Sollte jedoch Ryanair oder ei­ne ihrer Schwestern dereinst auf dem FMO-Vorfeld stehen, müssten die Gesellschafter tief in die Tasche greifen. In Dortmund kostet dieses Modell – mit dem auch Stöwer liebäugelt – dieStadt jährlich 17 Millionen Euro. Haben die FMO-Eigner dazu Alternativen?

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