Frische Farbe bis in alle Winkel
Bischofsgruft im Dom künftig zugänglich - Überraschungen am Hochaltar

Münster -

Der erste Eindruck: Hell! Der Dom ist strahlend hell. Das lag gestern nicht nur an der Februarsonne, die durch die sauberen Fenster auf den Baumberger Sandstein schien. Denn Münsters Bischofskirche wurde in den vergangenen 15 Monaten vor allem gesäubert und farblich aufgefrischt, sodass der Sandstein sich wieder von seiner besten, natürlichen Seite präsentiert.

Mittwoch, 06.02.2013, 16:02 Uhr

Nicht nur die Wände und Decken, auch die Seitenaltäre, Kunstwerke und Grabdenkmäler wurden farblich aufgefrischt.
Nicht nur die Wände und Decken, auch die Seitenaltäre, Kunstwerke und Grabdenkmäler wurden farblich aufgefrischt. Foto: Jürgen Peperhowe

„Ich war fasziniert, als ich den Dom erstmals wieder ohne Gerüst sah“, sagte gestern der Hausherr, Dompropst Josef Alfers , als er der großen regionalen und überregionalen Journalistenrunde nach einem Briefing mit den Architekten und Bauexperten Münsters Kathedrale präsentierte. Die schreibende, fotografierende und videodrehende Zunft konnte ihm da nicht widersprechen und schaute mit großen Augen und teilweise offenem Mund in die Höhe.

Erst bei genauem Hinschauen fallen kleine Veränderungen im Paulus-Dom auf. So wurde das Kirchenschiff mit „Lichtspeiern“ ausgestattet. Das sind kleine, aus der Wand ragende Messingarme, die wie Wasserspeier aussehen und ihr LED-Licht nach unten zu den Gläubigen und nach oben an Wand und Decke werfen, sodass der Dom mit seinem Gewölbe auch indirekt strahlt.

Noch sind  Fachleute mit finalen Feinarbeiten im Dom beschäftigt. Deshalb durften die Journalisten auch noch nicht in jeden Winkel schauen. Zum Beispiel nicht in die Grablege der Bischöfe, die ein Stockwerk unter dem Westchor mit dem im Volksmund „Seelenbrause“ genannten Fenster liegt und künftig für Beter zugänglich sein soll.

Nicht sichtbar ist auch die neue moderne Mikrofonanlage, die in alle toten Winkel der heiklen Dom-Akustik reicht, und die neue geothermische Heizungsanlage. Deren Rohre führen, wie Diözesanbaumeister Georg Wendel erklärt, bis tief unter den Garten der Kettelerschen Kurie. Die Anlage „spart gegenüber dem alten Heizungssystem 56 Tonnen Kohlendioxid im Jahr ein“, rechnet der Dombaumeister vor.

Daten & Fakten

Die LED-Beleuchtung, bestehend aus „Lichtspeiern“ und Strahlenkränzen, sorgt für helles Licht. Die digitale Lautsprecheranlage wurde neu konzipiert und auch für Hörgeschädigte auf den neuesten Stand gebracht. Am Uhrenportal befindet sich jetzt ein behindertengerechter Zugang. Der Glockenstuhl wurde aus Eichenholz neu gezimmert. Die Steuerung von Licht, Mikros und Glocken erfolg von einer Leitstelle in der Sakristei aus.

Gesamtbauzeit: 7. 6. 2010 bis 15. 2. 2013. Beteiligt waren 15 Büros und 51 Handwerksbetriebe mit 350 Mitarbeitern. Neue Dachflächen: 5500 Quadratmeter, aufgefrischte Wand- und Gewölbeflächen: 10 000 Quadratmeter. Installierte Kabel: 24 Kilometer. Gesamtkosten: rund 14 Millionen Euro.

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Der sich zusammen mit dem Projektsteuerer, Architekt Stefan Schopmeyer, bei der Mannschaft mit 50 beteiligten Firmen, 20 Ingenieuren und 15 Planungsbüros für akkurates Arbeiten bedankt. Von daher drohte in Münster „weder eine Elbphilharmonie noch ein Berlin“, wie es gestern launig, aber „nicht schadenfroh“ hieß. Auch wenn noch nicht alle Rechnungen geschrieben sind, wird die Sanierungssumme von rund 14 Millionen Euro ungefähr eingehalten.

Zwischenzeitliche Überraschungen wie in falscher Farbe oxidierende Teile des Kupferdachs wie auch archäologische Grabungen, die spannende Funde aus der Zeit eines Vorgängerbaus unter Bischof Friedrich II. (1152-1168) zutage förderten, konnten den Gesamtzeitplan nur unwesentlich in Gefahr bringen. Statt Weihnachten 2012 wurde es nun Februar 2013.

Der Hochaltar unter dem Fenster des Westchors übrigens gehört ebenfalls zu den schönen Überraschungen beim Rundgang. Erstens wurden, wie Domkustos Dr. Udo Grote erzählt, die Scharniere erneuert, sodass man den Altar wieder aufklappen kann. „Außerdem wurden braune Farbschichten entfernt. Folglich ist der Altar jetzt wieder in seiner ursprünglichen Farbfassung zu sehen.“ Wenn man bedenkt, dass Anfang des 17. Jahrhunderts eigentlich Rubens den Altar malen sollte, das Domkapitel sich dann aber für eine billigere Variante entschied, dann gerät man mit Diözesankonservator Udo Grote ganz schön ins Grübeln. Ein echter Rubens im Dom – das wär’s doch gewesen...

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