Hoffnungsschimmer aus dem Fernen Osten
Chinesisches Konsortium soll Interesse am Kauf der Zeche in Ibbenbüren haben

Münster/Ibbenbüren -

Aus, vorbei, beschlossen. 2018 macht das Ibbenbürener Bergwerk dicht – als eines der letzten in Deutschland. So haben es die Politik und der Kohlekonzern RAG vereinbart. Seitdem gibt es keinen Zweifel am „Aus“ für die Zeche. Wirklich nicht? Die Chinesen sehen das anders – sagen jedenfalls ehemalige Führungskräfte der Zeche und ein Unternehmensberater aus dem Münsterland.

Dienstag, 26.02.2013, 06:02 Uhr

Das Anthrazit-Bergwerk in Ibbenbüren fördert eine weltweit sehr seltene Kohle, daran sollen Chinesen Interesse angemeldet haben.
Das Anthrazit-Bergwerk in Ibbenbüren fördert eine weltweit sehr seltene Kohle, daran sollen Chinesen Interesse angemeldet haben. Foto: André Elshoff

„Es gibt das konkrete Interesse eines chinesischen Investoren-Konsortiums, welches unter Beibehaltung des deutschen Bergrechts und der wesentlichen Rahmenbedingungen das Bergwerk über 2018 hinaus betreiben will“, erklären sie. Die Chinesen – ein Konsortium aus den Provinzen Chongqing, Liaoning und Jilin – wollten das Bergwerk „zeitnah“ kaufen und weiter Kohle abbauen – ohne staatliche Subventionen. Bei der RAG in Herne heißt es: „Wir kennen ein solches Angebot nicht.“ Ein offizielles Angebot der Chinesen gebe es auch noch nicht, so deren Kontaktleute.

Anthrazitkohle

Anthrazit gilt als besonders hochwertige Kohlensorte. Sie besitzt eine große Härte, einen hohen Kohlenstoffgehalt und einen niedrigen Anteil an flüchtigen Bestandteilen (Gasen). Wegen des hohen Energiegehalts wird Anthrazit als Brennstoff geschätzt. Es wird aber auch industriell genutzt, etwa als Grundstoff für Filter zur Wasseraufbereitung sowie für Kohlenstoff-Elektroden.

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Licht am Ende des Strebs? Subventionsfreier Steinkohlebergbau in Deutschland ? Zwar gilt die Ibbenbürener Zeche als eine der am kostengünstigsten arbeitenden in Deutschland. In den letzten Jahren flossen nach Insider-Informationen dennoch „über den dicken Daumen“ etwa 100 Millionen €  an Beihilfen im Jahr ins Nordmünsterland.

Den Chinesen gehe es um ein „strategisches Investment“, das nicht sofort Ertrag bringen müsse. Sie sähen die Ibbenbürener Kohle nicht als Brennstoff, sondern als Rohstoff, wie er in den Filtern von Wasseraufbereitungsanlagen oder in der Kohlefaserindustrie gebraucht werde, erklären die Kontaktleute. Denn die in 1600 Metern Tiefe abgebaute Ibbenbürener Anthrazitkohle sei „die beste der Welt“. Nur drei Zechen weltweit förderten ein solches Material. „Und das wissen auch die Chinesen.“ Ebenso, dass unter dem Schafberg noch so viel Kohle schlummert, dass noch über Jahrzehnte abgebaut werden könne.

Die Interessenten wollten zu einem „nicht nur symbolischen Preis“ die Zeche kaufen. Sie würden ins Bergwerk investieren. Und sie seien an den Fachkräften interessiert – zusätzlich zu eigenen Arbeitern, sagen die münsterländischen Kontaktleute. Was die Chinesen aber bräuchten sei: „ein politisches Signal“. Daher werde die Idee nun im Bundeswirtschaftsministerium geprüft.

Die Krux ist nämlich: Nach Ibbenbüren sind über die Jahre dreistellige Millionensummen an Subventionen geflossen. Laut Beschluss der EU durften aber nur Bergwerke die Beihilfen kassieren, die „unwiderruflich geschlossen werden sollen“. Läuft das Bergwerk weiter, müsste die Bundesregierung die Subventionen eigentlich zurückfordern. Was nun? Rückzahlen wollen die Chinesen nicht, allenfalls ab Kauf auf weitere Beihilfen verzichten. Schwer überwindbare Hürden.

Zudem gehört die Ibbenbürener Zeche wie die beiden anderen aktiven, Prosper Haniel und Auguste Victoria, zum RAG-Konzern. Der plant seit Jahren den langsamen, sozialverträglichen Ausstieg bis 2018. Hunderte Bergleute von dichtgemachten Zechen etwa an der Saar sind bereits nach Ibbenbüren versetzt worden – weitere sollen folgen. Alle Personalpläne und RAG-Pläne über die Verwendung der Subventionen bis 2018 wären wohl hinfällig, wenn „Ibbenbüren“ aus dem RAG-Verbund herausbräche.

Der Aufsichtsratschef der RAG und Chef der RAG-Stiftung, Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, wisse vom Interesse der Chinesen, so die Ibbenbürener. Seine Antwort ins Tecklenburger Land liest sich sehr zurückhaltend: Das Bundeswirtschaftsministerium solle erst einmal prüfen.

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