Sparkassen erhöhen Druck auf Provinzial
Fusion spart jährlich 100 Millionen Euro

Münster -

Die Sparkassen in Westfalen-Lippe dringen auf eine schnelle Fusion der Provinzial Nordwest mit der Provinzial Rheinland. Ein Zusammenschluss des münsterischen Versicherungskonzerns mit dem Schwesterunternehmen in Düsseldorf ermögliche Einsparungen von 100 Millionen €  jährlich, sagte der Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Rolf Gerlach, am Abend in Münster.

Mittwoch, 27.02.2013, 18:02 Uhr

Zentrale der Provinzial NordWest in Münster
In der Zentrale der Provinzial NordWest in Münster wird über eine Fusion mit der Provinzial Rheinland nachgedacht. Foto: Jürgen Peperhowe

Der fusionierte Konzern wäre der größte öffentlich-rechtliche Versicherer in Deutschland . Eigentümer der Provinzial Nordwest sind die Sparkassen aus Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein sowie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe .

Sparkassen in Zahlen

Die Geschäfte der 72 Sparkassen in Westfalen-Lippe im Jahr 2012 auf einen Blick:

► Bilanzsumme: 119,7 Mrd. €  (+1,5%)
► Einlagen von Kunden: 85,2 Mrd. €  (+2,9 %)
► Kreditvolumen: 80,8 Mrd. €  (+3,0%
► Betriebsergebnis vor Bewertung im Vergleich zur durchschnittlichen Bilanzsumme: 1,354 Mrd. €  bzw. 1,14% (-72 Mio. €  bzw. -0,08 Prozentpunkte)
► Zinsüberschuss: 695 Mio. €  (-25 Mio. € )

...

Eine Fusion hätte aus Sicht von Gerlach Signalwirkung für ganz Deutschland. „Wenn zwei etwas machen, müssen die anderen auch etwas machen“, so der Verbandspräsident. Der – zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch kaum denkbare – Zusammenschluss aller vier öffentlich-rechtlichen Versicherer in Münster, Düsseldorf, Stuttgart und München würde jährlich sogar 500 Millionen €  einsparen. Gerlach stützt sich auf Zahlen der Unternehmensberatungen McKinsey und Boston Consulting.

Nachdem ein Verkauf der Provinzial Nordwest an die Allianz gescheitert war, müssen die Vorstände der beiden Versicherer ihren Eigentümern bis Ende März eine Blaupause für den Zusammenschluss vorlegen. Eine Entscheidung könne dann zum Jahresende fallen, so Gerlach. Die Möglichkeit, die beiden Provinzial-Konzerne nicht zu fusionieren, stelle sich aus Sicht der Sparkassen nicht. Gerlach: „Natürlich geht das.“ Ein „Weiter-so“ könne es nicht geben.

Sparer müssen sich nach Einschätzung der Sparkassen derweil auf magere Jahre einstellen. Der Preis für die Stabilität des Euro sei, dass „wir mehrere Jahre mit einer Phase niedriger Zinsen rechnen müssen“, erklärte Gerlach. „Der Unterschied zum angemessenen Zins ist eine Art Steuer für die Eurostabilisierung.“

Die Sparer in der Region haben entsprechend reagiert und im vergangenen Jahr verstärkt in Immobilien investiert. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten sei 2012 um 6,9 Prozent auf 4,4 Mrd. €  gestiegen, erklärte der Verband, dem 72 Sparkassen angehören. Das Geld sei in erster Linie in den Kauf von gebrauchten Häusern und Wohnungen sowie in die Modernisierung geflossen. Bei der Anlage hätten die Menschen zudem auf Tagesgeld gesetzt, um schnell über ihr Geld verfügen zu können.

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