Konkurrenzkampf in der Landwirtschaft
Bauern zahlen für neue Ackerflächen im Münsterland immer höhere Preise

Münsterland -

Die Bauern im Münsterland müssen für neue Ackerflächen höhere und immer höhere Preise bezahlen. Der Boden zählt zu den teuersten in Nordrhein-Westfalen - und auch für Pachten müssen die Landwirte tief in die Tasche greifen.

Mittwoch, 06.03.2013, 07:03 Uhr

 
Die Bauern im Münsterland müssen für neue Ackerflächen höhere und immer höhere Preise bezahlen. Foto: fks

Der Kreis Steinfurt meldete gestern einen Anstieg der Preise um sage und schreibe 20,7 Prozent, die Stadt Münster sogar um 24 Prozent. In Südlohn im Kreis Borken stieg der Preis nach Angaben der Kreisbehörde sogar um 43 Prozent. In einem Jahr. Kreisweit lagen die Kaufpreise bei mittlerweile 6,10 Euro je Quadratmeter im Jahr (plus 20 Prozent). In einzelnen Gemeinden mussten die Landwirte Spitzenpreise von sieben Euro berappen. Zum Beispiel in Heek.

Teurer Ackerboden

Damit gehört der Boden dort zu dem teuersten in NRW. Aber auch in den anderen Kreisen musste ein Bauer tief in die Tasche greifen, um neuen Boden zu erwerben: in den Kreisen Coesfeld 4,60 Euro, Steinfurt 4,50 Euro und Warendorf 4,30. Bemerkenswert: Der Durchschnittspreis für Ackerland hat sich im Kreis Warendorf seit 2006 fast verdoppelt. Damals lag er noch bei 2,30 Euro pro Quadratmeter. Am billigsten war ein Quadratmeter im Hochsauerlandkreis. Dort kostete er 1,46 Euro.

Nach den Worten von Bernhard Rüb , Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, sind auch die Pachtpreise für Ackerland im Münsterland beachtlich. Im Kreis Borken lagen sie bei 5,69 Cent im Jahr. Offiziell. Insider berichten sogar von Fällen, in denen Landwirte im Kreis Borken „weit über 10 Cent im Jahr pro Qua­dratmeter“ bezahlen. Im Kreis Coesfeld lagen die Zahlen laut Landesbetrieb Information und Technik schon 2010 bei 5,42 Cent, im Kreis Warendorf bei 4,53, in der Stadt Münster bei 4,35 und im Kreis Steinfurt bei 4,34. Damit zahlen die Bauern im Münsterland auch bei der Pacht mit die höchsten Preis in Nordrhein-Westfalen.

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Hässlicher Konkurrenzkampf

Rüb macht keinen Hehl daraus, dass sich die Landwirte einen „hässlichen Konkurrenzkampf“ leisten. Es gebe zurzeit einen heftigen Wettbewerb ums Ackerland, meint der Rheinländer. Das sei so wie das Rheinhochwasser. „Das kann man nicht leugnen.“ Ob sich der hohe Preis lohnt oder nicht, wisse nur, wer in die Bücher schaue. Bauern kaufen und verkaufen am meisten Boden im Land – und das, obwohl er so teuer ist, dass ein Bauer den Wert in der Regel nicht durch seine eigene Arbeit erwirtschaften kann.

Angesichts des großen Inter­esses an den Flächen gingen einzelne Pächter heute schon lange vor dem Vertragsende zu ihrem Verpächter, um sich Flächen zu sichern. „Wenn das viele machen, steigen die Preise natürlich in die Höhe“. Auch wenn das viele Bauern nicht gerne hören würden: „Das ist auch ein Ausdruck dafür, dass irgendwo viel Geld verdient worden ist.

Ausdruck von Wirtschaftskraft

So sieht das auch Dr. Bernhard Schlindwein vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV). Der betrachtet die steigenden Preise als „keine schlechte Entwicklung“. Sie seien der Ausdruck einer großen Wirtschaftskraft. Er wisse jedenfalls nichts von einer Diskussion zwischen kaufenden und verkaufenden Betrieben.

Leidtragende seien zurzeit die Schweinebauern. Die freuten sich zwar gegenwärtig über attraktive Preise für ihre Tiere, müssten dafür aber neben den hohen Pachtpreisen zusätzlich hohe Preise für Getreide und Futter bezahlen. Für sie sei es zurzeit besonders riskant, hohe Pachtpreise zu zahlen.

Gründe für Interesse an Flächen

Die Gründe für das große Interesse an den Flächen sind vielfältig. Steigende Getreidepreise, stärkere Konkurrenz durch Biogasanlagen, der Bedarf von Viehbetrieben, Flächen zur Verfügung zu haben, auf denen Gülle und Mist ausgebracht werden kann – all das setzt die Landwirte zurzeit gehörig unter Druck.

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