„Wir haben einen authentischen Ort der Literatur“
Droste-Stiftung: Kuratorium stellt Weichen

Münster -

Kulturarmes Westfalen? Stimmt so natürlich nicht, auch wenn das vor allem Nichtwestfalen immer mal wieder kolportieren. Ein besonders wichtiges und geerwacht gerade vor den Toren der Stadt Münster aus einer Art Dornröschenschlaf.

Mittwoch, 13.03.2013, 20:03 Uhr

Kulturarmes Westfalen ? Stimmt so natürlich nicht, auch wenn das vor allem Nichtwestfalen immer mal wieder kolportieren. Ein besonders wichtiges und gewichtiges Stück westfälischer Kulturerwacht gerade vor den Toren der Stadt Münster aus einer Art Dornröschenschlaf.

Annette von Droste-Hülshoff kennt jeder, auch, weil fast jeder als Schüler ihre „Judenbuche“ lesen durfte – oder musste. Die Dichterin wurde auf der Burg Hülshoff bei Havixbeck geboren, sie lebte und schrieb später im nahen Haus Rüschhaus.

Zwar dienen beide Orte nach wie vor der Erinnerung an die berühmte Dichterin. Gleichwohl: Nicht nur um die Art, das Wie, sprich die Präsentation des Andenkens könnte es besser gestellt sein. Offenkundig wird auch das kulturelle Potenzial, das die Droste, die beiden historischen Orte und das Erbe ih­res Wirkens in sich bergen, nicht gänzlich ausgeschöpft.

Stiftung mit 20 Millionen Euro Kapital

Hier will nun eine Stiftung nachbessern, die den Namen der Droste trägt und die es in den vergangenen Monaten geschafft hat, ein Kapital von über 20 Millionen Euro zusammenzutragen. 2,8 Millionen Euro kamen vom Bund, rund vier Millionen Euro steuerte das Land bei, die gleiche Summe gab der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). „Das es uns in diesen wirtschaftlich nicht ein fachen Zeiten gelungen ist, so viel Geld zusammenzutragen, ist ein riesiger Erfolg für Westfalen“, sagt LWL-Chef Dr. Wolfgang Kirsch . Mit dem Ertrag aus dem Stiftungskapital können die historischen Gemäuer auf Dauer erhalten werden. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Heute tagt zum ersten Mal das Kuratorium der Stiftung. Es lenkt nicht nur die Geschicke der Stiftung, es entscheidet auch über das Ar­beits- sowie Veranstaltungsprogramm und das, was da in den nächsten Jahren entstehen soll.

Literaturzentrum soll etabliert werden

Das große Ziel – noch eher die Vision – wird sein, die Strahlkraft der Dichterin und die Besonderheit des Ortes zu nutzen, um auf Burg Hülshoff ein Literaturzentrum für Westfalen zu etablieren. Das ist durchaus ambitioniert – und vielschichtig: „Es wird kein Literaturmuseum“, betont Kirsch. So soll die derzeit ungenutzte Vorburg zu etwas ausgebaut werden, das als Mu­se­um, Lern-, Arbeits-, Wohn- und Gesprächsort bezeichnet werden kann. Studierende können hier forschen, hier können aber auch Lesungen stattfinden.

Natürliche Partner der Stiftung sind die Droste-Gesellschaft und die Droste-Forschungsstelle. Geplant sind aber auch Kooperationen, beispielsweise mit dem Germanistischen Institut der Uni Münster, der LWL-Literaturkommission, dem Künstlerdorf Schöppingen oder dem Westfälischen Literaturmuseum Haus Nottbeck.

Aktuelle Ausstellung soll verbessert werden

„Parallel dazu müssen wir die aktuelle Ausstellung verbessern“, sagt der LWL-Chef. Entstaubt solle sie werden, interaktiv und zeitgemäß. Später sollen die Burg und Haus Rüschhaus über einen Lyrikweg verbunden werden. „Mit Stationen, an denen der Gast Lyrik hört und mit Lyrik in Verbindung gebracht wird.“ Ideen für so genannte Hörinseln auf der rund fünf Kilometer langen Strecke oder informative Stelen gibt es bereits. Zuletzt sollen auch die Ausstellungen „Gar­tenträume“ und „Winterträume“ stärker literarisch ausgerichtet werden: Kirsch denkt an Lesungen, an Verlagspräsentationen oder einen Bücherflohmarkt. Noch in diesem Jahr soll die Droste-Forschungsstelle in das Droste-Anwesen umziehen. „Ich denke, dass wir 2015 den Lyrikweg umsetzen können.“

Bleibt noch die spannende Frage nach der ungeklärten Finanzierung. Über mögliche Summen will Kirsch nicht reden. Das sei noch viel zu unklar. Zwei Sätze nur sagt er dazu: „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Regionale 2016.“ Womöglich lassen sich darüber Fördertöpfe anzapfen. Und: „Wenn wir gute Ideen haben, werden wir auch Geldgeber finden.“

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